In Kroatien baden heißt nicht nur, in warmes Wasser zu tauchen, sondern in Jahrtausende alte Geschichte. Vom Kaiserbad bis zum Erdölquell hat jede Therme im Land ihre eigene Legende, und keine davon erzählt ein gewöhnliches Wellnesshotel. Genau darin liegt Kroatiens Wellness-Versprechen: kein Konzept von der Stange, sondern ein Naturphänomen, das sich einfach genießen lässt.
Wer in Varaždinske Toplice ins schwefelhaltige Wasser gleitet, das mit 58 Grad aus fast zwei Kilometern Tiefe an die Oberfläche steigt, bekommt schnell ein Gefühl für die lange Tradition des Ortes. Schon die Römer nannten ihn Aquae Iasae und errichteten rund um die Quelle Tempel für Minerva, Juno und Jupiter. Im 4. Jahrhundert ließ Kaiser Konstantin die zerstörten Thermen wieder aufbauen. Heute kann man durch den archäologischen Park spazieren und anschließend in den modernen Thermalbecken entspannen. So verbindet Varaždinske Toplice Geschichte mit dem entspannten Flair eines kleinen Kurortes.
Auch andere Regionen erzählen ihre ganz eigene Geschichte. In Bizovačke Toplice in Slawonien steigt das Wasser mit sagenhaften 96 Grad aus der Erde – ein Relikt des Pannonischen Meeres, das dank seines hohen Mineralgehalts tief in die Muskulatur wirkt, während nachts sogar Filmvorführungen am Becken stattfinden. In Istrien liegt Istarske Toplice unter dem 85 Meter hohen Felsen Gorostas, dem „Riesen“, mitten im Wald von Motovun. Und in Daruvar, das bereits die Römer Aqua Balissae, „die sehr heißen Quellen“, nannten, lässt sich ein Bad im historischen Kurpark wunderbar mit einem Glas Wein von der örtlichen Weinroute verbinden.
Wer es etwas lebhafter mag, findet in der Therme Tuhelj den „Wasserplaneten“ mit mehr als 5.000 Quadratmetern, Geysiren, Wasserfällen und künstlichem Regen. In Topusko erzählt man sich, dass das vulkanische Wasser Wünsche erfüllen kann. In Stubičke Toplice bei Zagreb sorgt eine Kryosauna bei bis zu minus 190 Grad für eine eisige Erfahrung.
Ein echtes Kuriosum für alle, die etwas Ungewöhnliches suchen, ist das Heilbad Naftalan: Hier kommt statt Wasser Erdöl aus der Quelle. Diese gilt als die einzige ihrer Art in Europa und wer hier badet, erlebt Wellness auf eine ziemlich ungewöhnliche Weise.
Doch Kroatiens Bäderkultur kann auch klassisch: Opatija gilt als Wiege des kroatischen Gesundheitstourismus und wurde bereits 1889 zur klimatischen Kuranstalt für den europäischen Adel erklärt. Der elegante Küstenort verbindet bis heute die mediterrane Atmosphäre der Adria mit medizinischer Expertise. Die Thalassotherapia Opatija, die sich seit den 1950er-Jahren unter anderem auf Herz-, Lungen- und rheumatische Erkrankungen spezialisiert, wurde in diesem Jahr umfassend erneuert. Damit schlägt Opatija die Brücke von der historischen Kurtradition zu modernem Medical Wellness.
Foto: Zoran Ožetski / Naftalan

