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Junge Pfalz: Zwischen Geschichte und Zukunft

Die Auswahl ist bewusst exklusiv: Nur 15 Betriebe schaffen es in die Gruppe, die längst als Aushängeschild der jungen Pfälzer Weinszene gilt. Bewerben können sich Kellermeister des Jahrgangs 1991 oder jünger. Eine hochkarätig besetzte Jury aus Weinexperten, Sommeliers und Fachhändlern bewertet die eingereichten Kollektionen nach professionellen Qualitätskriterien.

Die Gewinner vertreten für ein Jahr die neue Generation des Pfälzer Weinbaus. Bei Messen, Veranstaltungen und Weinreisen präsentieren sie nicht nur ihre eigenen Weine, sondern auch die Innovationskraft und Vielfalt einer Region, die zu den spannendsten Weinlandschaften Deutschlands zählt. Die „Junge Pfalz“ lebt von starken Persönlichkeiten und individuellen Betriebskonzepten. Hinter dem gemeinsamen Qualitätsanspruch stehen Winzer, die ihre Herkunft respektieren und zugleich neue Wege gehen. 

Zeit für Charakter

Steffen Burnikel lebt Wein. Was heute auf dem 23 Hektar großen Familienweingut in Niederkirchen entsteht, hat seine Wurzeln in einer Leidenschaft, die bereits sein Vater an ihn weitergegeben hat. Seit der Gründung 1987 entwickelt sich das Weingut kontinuierlich weiter – ohne Trends hinterherzulaufen. Denn hier zählt nicht das Tempo, sondern der Charakter.

Die Weinberge in Deidesheim, Forst, Ruppertsberg, Niederkirchen, Meckenheim, Rödersheim und Wachenheim bilden das Fundament der Weine. Unterschiedliche Böden, Mikroklimata und Jahrgänge sorgen für eine beeindruckende Vielfalt an Aromen und Persönlichkeiten. Seit 2020 arbeitet das Weingut offiziell bio-zertifiziert – aus Überzeugung und mit großem Respekt vor der Natur.

Im Weinberg gilt: beobachten statt eingreifen, begleiten statt kontrollieren. Gesunde Trauben sind die Grundlage, Zeit der wichtigste Faktor. Im Keller werden die Weine schonend verarbeitet, damit Herkunft und Charakter unverfälscht erhalten bleiben. So entstehen eigenständige Weine mit Tiefe, Spannung und Ausdruckskraft.

Steffen Burnikel. Foto: Carola Faber
Steffen Burnikel. Foto: Carola Faber

Ob alkoholfreier Riesling, mineralische Lagenweine oder elegante Terroir-Botschafter: Jeder Wein, wie zum Beispiel die trockenen Rieslinge Deidesheimer Kieselberg oder Herrgottsacker erzählt seine eigene Geschichte – authentisch, unverstellt und geprägt von dem Ort, an dem er gewachsen ist. „Riesling begeistert mich immer wieder aufs Neue“, bestätigt Anna Antonia Cölsch. Für die Pfälzische Weinkönigin liegt die Stärke der Rebsorte in ihrer Vielseitigkeit: „Ob frisch und filigran, als hochwertiger Sekt oder als edelsüße Spezialität – Riesling zeigt viele Gesichter und besitzt zudem ein enormes Reifepotenzial.“

150 Jahre Weinleidenschaft

Tradition, die lebt: Das Weingut Peter Stolleis in Gimmeldingen-Mußbach blickt auf eine Geschichte zurück, die bis ins 17. Jahrhundert reicht. Bereits 1668 gelangten die ersten Weinberge in Familienbesitz, 1863 gründete Peter Stolleis schließlich das Weingut. Heute steht mit Hans-Christoph Stolleis die fünfte Generation bereit, die Erfolgsgeschichte fortzuschreiben.

Im Mittelpunkt steht dabei seit jeher die Verbindung von Qualität, Herkunft und verantwortungsvollem Handeln. Die Familie Stolleis versteht Wein als Kulturgut, das Freude bereitet und Menschen zusammenbringt. Diese Haltung prägt jeden Schritt – vom Weinberg bis zur Flasche.

Mit viel Handarbeit und großer Sorgfalt werden die Reben gepflegt. Natürliche Methoden, gesunde Böden und eine gezielte Ertragsreduzierung schaffen die Grundlage für ausdrucksstarke Weine mit klarer Herkunft. Die selektive Handlese und ein schonender Ausbau sorgen dafür, dass Charakter und Typizität der einzelnen Lagen erhalten bleiben.

Hans Christoph Stolleis. Foto: Carola Faber
Hans Christoph Stolleis. Foto: Carola Faber

Dass dieser Weg erfolgreich ist, belegen zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen. Doch bei aller Anerkennung bleibt die Philosophie dieselbe: authentische Weine zu schaffen, die ihre Herkunft widerspiegeln und Genuss auf unkomplizierte Weise erlebbar machen. Ein besonderes Beispiel dafür ist der Riesling „Stresskiller“ – ein Wein, der bereits mit seinem von Peter Gaymann gestalteten Etikett ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

Tradition im Einklang mit der Natur

Wer das Weingut Estelmann in Gimmeldingen besucht, fühlt sich eher an ein kleines Schloss als an einen klassischen Weinbaubetrieb erinnert. Das historische „Loblocher Schlösschen“, erbaut im Jahr 1599, ist seit Generationen Heimat einer Familie, die den Weinbau mit großer Leidenschaft und Verantwortung lebt.

Heute bewirtschaftet die Familie Estelmann mehr als 30 Hektar erstklassige Weinberge entlang der Mittelhaardt. Im Mittelpunkt steht dabei ein naturnaher Ansatz: sorgfältige Handarbeit im Weinberg, ein respektvoller Umgang mit Ressourcen und moderne Kellertechnik ergänzen sich zu einem stimmigen Ganzen. Seit 2008 ist das Weingut Mitglied im Verein für kontrolliert umweltschonenden Weinbau und setzt konsequent auf nachhaltige Bewirtschaftung.

Die Philosophie ist einfach: Gute Weine entstehen dort, wo Natur und Mensch Hand in Hand arbeiten. Deshalb werden die Trauben selektiv gelesen und besonders schonend verarbeitet. Im Keller helfen moderne Verfahren und der gezielte Einsatz von Schwerkraft dabei, die Qualität und den Charakter der Trauben zu bewahren.

Im Keller des Weinguts Estelmann. Foto: Carola Faber
Im Keller des Weinguts Estelmann. Foto: Carola Faber

Besonders prägend sind die renommierten Lagen Gimmeldinger Biengarten und Mandelgarten. Ihre unterschiedlichen Böden und Mikroklimata verleihen den Weinen Tiefe, Ausdruck und Herkunft. Das Ergebnis sind charaktervolle Rieslinge, Burgunder und Rotweine, die die Handschrift ihrer Herkunft unverwechselbar im Glas tragen.

Junges Weingut

Manchmal beginnt eine Erfolgsgeschichte genau dort, wo andere ein Ende sehen. Als Janina und Julius Berizzi 2019 das traditionsreiche Weingut Graeber übernahmen, stand der Familienbetrieb nach mehr als 130 Jahren vor einem Generationswechsel ohne Nachfolge. Für das junge Paar war es die Chance, etwas Eigenes aufzubauen – und zugleich eine lange Weinbautradition fortzuführen.

Die Voraussetzungen waren nicht unbedingt ideal. Das Weingut verfügte zwar über eine lange Geschichte, war jedoch kaum für Spitzenweine bekannt. Stattdessen wartete viel Arbeit auf die neuen Eigentümer. Doch Janina und Julius Berizzi nahmen die Herausforderung an. Mit klarer Vision, Ausdauer und viel Leidenschaft entwickelten sie den Betrieb Schritt für Schritt weiter. Bereits kurz nach der Übernahme erweiterten sie ihr Portfolio um wertvolle Weinberge in Frankenweiler, deren kalkhaltige Böden heute wichtige Impulse für die Stilistik des Weinguts liefern.

Gemeinsam stehen sie für eine neue Generation von Winzern: bodenständig, qualitätsorientiert und voller Tatendrang. Das Ergebnis sind authentische Weine mit Herkunft, Charakter und einer klaren Handschrift.

Max Neiss, Janina Berizzi und Lukas Reinhardt vom Weingut Graeber. Foto: Carola Faber
Max Neiss, Janina Berizzi und Lukas Reinhardt vom Weingut Graeber. Foto: Carola Faber

Die Handschrift des Kalks

Wer die Weine von Neiss verkostet, schmeckt nicht nur Frucht und Finesse, sondern vor allem ihre Herkunft. Im Norden der Pfalz entstehen Weine, die den Charakter ihrer Landschaft authentisch widerspiegeln – geprägt von kalkreichen Böden, kühlen Winden und einer konsequent nachhaltigen Arbeitsweise.

Seit sechs Generationen ist die Familie Neiss mit dem Weinbau verbunden. Unter der Leitung von Axel Neiss entwickelte sich der Betrieb ab den späten 1990er-Jahren zu einem modernen Spitzenweingut, das heute weit über die Grenzen Deutschlands hinaus geschätzt wird. Die Weine finden ihren Weg in mehr als 15 Länder und haben dem Weingut einen festen Platz unter den führenden Betrieben der Pfalz gesichert.

Nachhaltigkeit ist dabei kein Trend, sondern gelebte Überzeugung. Ressourcenschonender Weinbau, traditionelle Handarbeit und eine CO₂-neutrale Produktion bilden die Grundlage für die jährlich rund 380.000 Flaschen.

In renommierten Lagen wie Schwarzer Herrgott, Burgweg, Vogelsang oder Sonnenberg wachsen Trauben mit ausgeprägter Mineralität und bemerkenswerter Eleganz. Das Zusammenspiel aus Boden, Klima und sorgfältiger Kellerarbeit bringt Weine hervor, die präzise, vielschichtig und zugleich zugänglich sind – Weine, die ihre Herkunft nicht verstecken, sondern mit jedem Schluck erlebbar machen.

Sonnenberg Cabernet Franc von Neiss. Foto: Weingut Neiss
Sonnenberg Cabernet Franc von Neiss. Foto: Weingut Neiss

Verwurzelt in der Pfalz

Zwischen den renommierten Weinorten Ruppertsberg, Deidesheim, Forst, Niederkirchen und Wachenheim bewirtschaftet die Familie Reinhardt seit 1987 ihre Weinberge mit großer Leidenschaft und einem klaren Qualitätsanspruch. Im Mittelpunkt steht dabei ein klassischer Familienbetrieb, in dem jeder Schritt – von der Arbeit im Weinberg über den Ausbau bis zur Abfüllung – in eigener Verantwortung erfolgt.

Auf rund 17 Hektar Rebfläche prägt vor allem der Riesling das Bild. Rund drei Viertel der Weinberge sind mit der Paradesorte der Pfalz bestockt. Ergänzt wird das Sortiment durch Burgundersorten, Chardonnay, Sauvignon Blanc sowie ausgewählte Rotweine. Gleichzeitig beweist das Weingut Offenheit für Neues und setzt auch auf innovative Rebsorten wie Cabernet Blanc, Cabernet Dorsa oder Cabernet Mitos.

Die Philosophie ist dabei ebenso einfach wie konsequent: Nur gesunde Trauben und sorgfältige Handarbeit können Weine hervorbringen, die ihre Herkunft authentisch widerspiegeln. Mit viel Fingerspitzengefühl entstehen charakterstarke Weine, die Jahr für Jahr durch ihre Qualität überzeugen.

Das WEINWERK von Familie Reinhardt verkörpert die Verbindung von Tradition und Zukunft. Entstanden aus einer Vision, die auf den Weitblick von Großvater Leander zurückgeht, vereint es heute Weinbau, Architektur und Design auf besondere Weise. Vierzig Jahre nach der Entdeckung des außergewöhnlichen Standorts wurde 2019 der Grundstein gelegt. Seit 2021 steht das WEINWERK als modernes Zentrum für Wein, Genuss und Gastfreundschaft.


Informationen:

www.von-winning.de/leopold-restaurant

www.die-junge-pfalz.de  

www.burnikel.de

www.stolleis.com  

www.weingut-estelmann.de

www.weingut-neiss.de  

www.berizziweine.de

www.weingut-stefan-reinhardt.de/weingut  

www.weinwerk.de  

Fotos: Carola Faber, Weingut Neiss

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