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Interview mit Jean-Christophe Weislinger (Winzer und Sommelier)

KULINARIKER: Wie sind Sie zu Ihren Berufen, beziehungsweis Berufungen gekommen?

Jean-Christophe Weislinger: Schon als ich acht Jahre alt war, wusste ich, dass ich eine Passion für Gastronomie habe. Und die Leidenschaft für den Wein ist zeitgleich durch meine Familie beeinflusst worden. Wenn sich meine Freunde zum Spielen verabredet haben, bin ich am Wochenende mit meinem Großvater in die Rebberge gegangen. Schon damals habe ich es geliebt, dort meine Zeit zu verbringen.

Welche Rolle haben Ihre Großeltern bei Ihrem Werdegang gespielt?

Eine sehr große Rolle. Ohne meinen Großvater wäre ich wahrscheinlich nicht zu dieser Passion gekommen.

Seit wann arbeiten Sie in der Gastronomie?

Ich arbeite in der Gastronomie seitdem ich 16 Jahre alt bin, dass heißt seit 2009 – übrigens ein super Weinjahrgang.

Wo haben Sie die Ausbildung zum Sommelier abgeschlossen?

In der Sommelier- und Önologieschule Changins/ Genf. 

Wie sind Sie zum Weingut gekommen?

Dank meiner Familie, die bereits seit sechs Generationen den Weinbau betreibt. 1920 wurde die erste Auslese bei uns selbst hergestellt. 

Wie groß ist das Weingut? Wie viele Flaschen produzieren Sie im Jahr?

Es ist 7,5 Hektar groß. Im Jahr produzieren wir durchschnittlich 60 000 Flaschen.

Welche Rebsorten bauen Sie an und wie viele verschiedene Etiketten gibt es in dem Weingut?

Riesling, Muscat, Gewürztraminer, Pinot Blanc, Pinot Noir, Pinot gris…

Jean-Christophe Weislinger. Foto: Carola Faber
Jean-Christophe Weislinger. Foto: Carola Faber

Betreiben Sie biologisch-dynamischen Weinbau?

Dies Jahr noch nicht aber ab nächstes Jahr werden wird den Anbau umgestellt haben…

Zurzeit arbeiten Sie als Sommelier im Sternerestaurant Bodendorf`s auf Sylt. Wie lassen sich die beiden zeitaufwändigen Berufe kombinieren?

In meiner freien Zeit beschäftige ich mich mit dem Weingut im Elsass. Wenn möglich, fliege ich dorthin. Und im Restaurant rede ich natürlich einfach immer wieder gerne mit den Gästen über den Wein, meine Geschichte und die Weinregion.

Sie führen ein beachtliches Sortiment an gereiften Weinen. Was würden Sie zum Alsace Riesling Vendanges Tardives 2000 empfehlen?

Entenleberterrine mit Quitten-Gelée und gesalzenem Kugelkopf.

Wie würden Sie ihn beschreiben?

Sowohl die Nase als auch der Gaumen offenbaren Komplexität in aller Ausgewogenheit. Exotische Früchte und kandierte Zitrusfrüchte verleihen Rundheit und Nachhaltigkeit im Mund. Dieser Wein mit einer seltenen Kraft und seiner leicht würzigen Seite zeigt eine perfekte Balance zwischen Mineralität, Fruchtigkeit und Säure. Für mich ist er eine Rarität.

Haben sie einen Lieblingswein?

Ja, ich mag den Riesling Vendange Tardive sehr, aber auch der Gewürztraminer 2003 mit seiner blumigen Nase sowie Aromen von Akazie und Honig, ist ein Favorit von mir. Er hat zeigt eine schöne, weiche Balance am Gaumen sowie Komplexität. Im Abgang sind Noten von Mirabellenmarmelade zu vernehmen.

Zu welchem Gericht würde er harmonieren?

Zu einem Käseteller oder zur asiatischen Umami-Küche.


Informationen:

www.vam-wine.com

Fotos: Carola Faber

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