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Golf und Whisky – Genusswelten auf Islay

Golf und Whisky – auf Islay gehören sie zusammen. Das südlichste Eiland der Inneren Hebriden vor der schottischen Westküste ist gerade einmal rund 40 Kilometer lang und Heimat von etwa 3.000 Menschen. Dafür gibt es 23 Strände und zehn Whisky-Destillerien. Dazu kommen Produzenten von Gin, Rum und Craft Beer. 

Ardbeg, Ardnahoe, Bowmore, Bruichladdich, Bunnahabhain, Caol Ila, Kilchoman, Lagavulin oder Laphroaig sind Namen, die Whiskyfreunde rund um den Globus kennen. Hinzu kommt Port Ellen, die legendäre Brennerei, die nach mehr als 40 Jahren wieder zum Leben erweckt wurde. Und die Whisky-Landschaft wächst weiter: Elixir Distillers baut außerhalb von Port Ellen die neue Portintruan Distillery.

Wer allerdings nur wegen des „Wassers des Lebens“ nach Islay reist, verpasst einiges. Golfer finden an der Laggan Bay einen Platz, dessen Geschichte bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht: den Championship Links von Another Place, The Machrie.

Das zweite Another Place

The Machrie ist erst das zweite Hotel der kleinen britischen Another-Place-Kollektion. Das erste Hotel „Another Place, The Lake“, liegt am Ullswater im Lake District in Cumbria, ganz im Nordwesten Englands, an der Grenze zu Schottland und an der Irischen See. Zwei außergewöhnliche Standorte also, bei denen die Landschaft eine Hauptrolle spielt. 

Das Konzept setzt auf Natur, Aktivität, gutes Essen und ein entspanntes Hotelleben. Auf Islay kommt als besonderes Pfund der international bekannte Championship Links hinzu. Das historische Hotelgebäude wurde bei der grundlegenden Erneuerung geschickt in die moderne Anlage integriert. Der Blick geht über Dünen, Golfplatz und Atlantik.

Loch 6 des Golfplatzes. Foto: Another Place, The Machrie / Kevin Murray
Loch 6 des Golfplatzes. Foto: Another Place, The Machrie / Kevin Murray

Aus 17 blinden Schlägen wurden nur noch wenige

Golf wird auf The Machrie schon seit 1891 gespielt. Damals entwarf der schottische Golfprofessional Willie Campbell den ursprünglichen Links Course. Lange galt er als Geheimtipp. Doch irgendwann hatte die gesamte Anlage ihre besten Zeiten hinter sich. Das Hotel ging pleite, bis englische Investoren 2012 Herberge und Golfplatz erwarben und eine umfassende Erneuerung einleiteten. 

Vor allem der Golfplatz besaß eine Besonderheit, die man heute wohl keinem Golfarchitekten mehr durchgehen ließe. Sein Routing führte nicht durch, sondern immer wieder über die Dünen. Das Ergebnis waren sage und schreibe 17 blinde Schläge. Manchmal musste man nicht nur vom Tee, sondern sogar beim Schlag aufs Grün über Richtungsmasten zielen.

Mit der Überarbeitung wurde D. J. Russell beauftragt. Der Engländer spielte von 1973 bis 1996 insgesamt 466 Turniere auf der European Tour und gewann zweimal. Von 2013 bis 2020 arbeitete er daran, aus dem historischen Machrie einen modernen Dünenplatz zu machen, ohne dessen Charakter zu zerstören. 

Die Dünen, teilweise dramatische Höhenunterschiede und der Links-Charakter blieben. Die meisten Blindflüge verschwanden. Nur drei der ursprünglichen Grüns überstanden die Neugestaltung. Immerhin drei oder vier blinde Abschläge – je nachdem, wie groß der Golfer ist – erinnern noch an den alten Platz. 

Der Atlantik spielt immer mit

Russell schuf ein klassisches „in-out“-Design: Neun Löcher führen vom Clubhaus weg, neun wieder zurück. Immer wieder kommt der Atlantik ins Blickfeld. Etliche Abschläge und Spielbahnen verlaufen parallel zum „Big Strand“ an der Laggan Bay, einem mehr als elf Kilometer langen Sandstrand. Breite Fairways sorgen dafür, dass The Machrie auch für Durchschnittsgolfer spielbar bleibt. Wind, Dünen und Höhenunterschiede verhindern allerdings, dass die Runde zum Spaziergang wird. 

Schon Loch 1 macht Lust auf mehr. Vom Abschlag geht es zunächst auf ein relativ breites Fairway. Hat man die Hügelkuppe erreicht, öffnet sich plötzlich das Panorama und zeigt den Links in seiner ganzen Pracht.

Der Golfplatz mit wunderbarer Lage am Meer. Foto: Another Place, The Machrie / Visit Scotland
Der Golfplatz mit wunderbarer Lage am Meer. Foto: Another Place, The Machrie / Visit Scotland

Es fällt schwer, ein einzelnes Signature Hole auszuwählen. Besonders in Erinnerung bleibt Loch 7 entlang der Küste mit ihrem klassischen Risk-Reward-Design. Hier stellt sich jene Frage, die gute Golfarchitektur so reizvoll macht: Wie viel Risiko bin ich bereit einzugehen, um mir den nächsten Schlag zu erleichtern?

Eine besondere Beziehung zu The Machrie pflegt die Profigolferin Laura Fünfstück. Die im Golf-Club Neuhof groß gewordene Hessin repräsentiert das Resort auf der Ladies European Tour und kennt Islay seit Jahren. Sie schwärmt von der Insel als Rückzugsort, an dem man den ganzen Tag mit Golf verbringen könne. 

Ihr Lieblingsloch ist Loch 9, ein nur 128 Meter langes Par 3 Richtung Meer. Doch die geringe Länge täuscht. „Da man etwas erhöht aufteet und meistens windig ist, ist es gar nicht so einfach einzuschätzen“, erklärt Fünfstück. Je nach Fahnenposition und Wind könne die Bahn „richtig knackig“ werden. 

Vom Wee Course zu „The Hebrides“

Wer nach 18 Löchern noch nicht genug hat, findet mit dem „Wee Course“ eine ungewöhnliche Zugabe. Er besitzt sechs Grüns und lässt sich auf unterschiedliche Weise spielen. Ist niemand sonst unterwegs, kann von jedem Abschlag jedes der sechs Grüns angespielt werden. Dazu kommen eine überdachte Driving Range und die Golf Academy mit TrackMan 4. 

Eine jüngere Ergänzung ist „The Hebrides“. Dieser Putting Course bildet den historischen Machrie Course von 1891 im Maßstab 1:10 nach. Wellen und Konturen erinnern an das Original. In der Dämmerung wird die Anlage beleuchtet, gespielt werden kann sogar mit im Dunkeln leuchtenden Bällen. „Social Golf“ nennt Another Place das Konzept: erfahrene Golfer können hier nach der Runde noch ein wenig spielen, Familien und Anfänger ohne große Hemmschwelle Golf ausprobieren. 

Mehr als ein Golfresort

Wer einmal keinen Golfschläger anfassen möchte, findet genügend Alternativen. Im Garten gibt es Sauna, zwei große holzbefeuerte Hot Tubs, ein Kaltwasserbecken, Terrasse und Feuerstelle. Angeboten werden außerdem Wild Swimming, Fatbiking am Strand, E-Bike-Touren, Wanderungen und Wildlife-Bootstouren. Drei Feuerstellen laden anschließend zum Entspannen ein. Vom Beach Deck lässt sich mit etwas Glück sogar das Nordlicht beobachten. 

Loch Gruinart Austern. Foto: Another Place, The Machrie
Loch Gruinart Austern. Foto: Another Place, The Machrie

Auch kulinarisch passt das Konzept zur Insel. Das 18 Restaurant & Bar setzt auf frisches Seafood, Schalentiere und andere lokale Produkte, begleitet vom Blick auf den Sonnenuntergang über der Laggan Bay. Legerer geht es im Courtyard und in der Lounge zu. Dort stehen beispielsweise Islay-Venison-Burger, Austern aus Loch Gruinart und Lobster Mac’n’Cheese auf der Karte. 

Und dann wäre natürlich noch der Whisky. Auf kaum einer anderen schottischen Insel lassen sich eine Runde Links Golf und Besuche weltberühmter Destillerien so gut miteinander verbinden. Dabei bedeutet Islay keineswegs nur extrem rauchige und torfige Malts. Gerade eine Verkostung verschiedener Brennereien zeigt, wie unterschiedlich Whisky von derselben kleinen Insel schmecken kann.

Genau diese Kombination macht den Reiz aus. The Machrie allein wäre für einen Liebhaber klassischer Links Courses die Reise wert. Die Destillerien allein locken Whiskyfans aus aller Welt an. Zusammen liefern Golf und Whisky einen ziemlich überzeugenden Grund, auf Islay ein paar Tage länger zu bleiben.

Vielleicht ist das ohnehin das größte Kompliment, das man einem Golfplatz machen kann: Nach der 18 möchte man auf The Machrie am liebsten gleich wieder zum ersten Abschlag. Und wer dafür noch etwas Überzeugung braucht, findet sie spätestens bei einem Dram Islay Single Malt.


Informationen:

another.place/the-machrie

Fotos: Another Place, The Machrie

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