Foodie

Giardino Ascona – ein Hotel wie ein Sommerduft

Es gibt Häuser, die schenken einem das Gefühl des Ankommens, noch bevor der Koffer abgestellt ist. Diese Form der Gastfreundschaft ist selten. Daniela und Philippe Frutiger beherrschen sie seit Jahren. Mit ihrer Giardino-Gruppe findet das Ehepaar immer wieder Orte mit besonderem Charakter, wie das alpine Giardino Mountain in St. Moritz, das urbane Giardino Lago in Minusio und das sinnliche Giardino Ascona – leicht, elegant und von leiser Herzlichkeit getragen.

Ein Farbspektakel, das sofort fesselt: Üppige Blumen empfangen den Gast und erzählen Geschichten – die Lobby wird zum ersten Erlebnis. Foto: Birgit Werner
Ein Farbspektakel, das sofort fesselt: Üppige Blumen empfangen den Gast und erzählen Geschichten – die Lobby wird zum ersten Erlebnis. Foto: Birgit Werner

Schon beim Check-in spürt man, worum es hier wirklich geht. Es geht nicht nur um die üblichen Abläufe, sondern um dieses feine Gefühl, willkommen zu sein. Auf der Terrasse wartet ein Begrüßungsdrink, kühl in der Hand. Der Blick schweift über Palmen, zum stillen Seerosenteich und weiter in einen Garten, der Claude Monet vermutlich spontan zum Skizzieren verführt hätte.

Wolfram Merkert, General Manager des Hauses, versteht es, diese besondere Atmosphäre nicht nur zu bewahren, sondern zum eigentlichen Inhalt des Aufenthalts zu machen. Charmant, präsent, aber nie aufdringlich. „Wahre Gastfreundschaft ist leise“, sagt er, während er durch den üppigen Garten des Hotels geht. „Sie passiert im richtigen Moment.“ Auch sein Team lebt diese Haltung, aufmerksam, nicht aufgesetzt und ehrlich zugewandt.

Mediterrane Leichtigkeit erfüllt den Moment, während der Blick über den üppigen Garten mit seinem glitzernden Seerosenteich und den anmutigen Kois schweift Foto: Andreas Bienert
Mediterrane Leichtigkeit erfüllt den Moment, während der Blick über den üppigen Garten mit seinem glitzernden Seerosenteich und den anmutigen Kois schweift Foto: Andreas Bienert

Ecco Ascona – Küche mit Erinnerungswert

Kulinarisches Herzstück ist das Restaurant Ecco. Seit Frühjahr 2025 steht der 33-jährige Reto Brändli, der unter anderem im Berliner Adlon gekocht hat, wieder am Herd. Der gebürtige Schweizer bringt nicht nur zwei Michelin-Sterne mit, sondern auch eine spürbare Hingabe und ein Temperament, dem man sich kaum entziehen kann. Mit unglaublichem Elan und klaren Visionen führt er seine Küche, seine Redegewalt füllt den Raum, ebenso wie seine Leidenschaft. „Giardino war nie nur ein Job“, sagt er. „Es war immer auch ein Zuhause.“

Und genau das spiegelt sich in seinen Gerichten wider. Jeder Gang ist eine Einladung zum Staunen, getragen von klassischer französischer Technik, modernen Akzenten und kompromissloser Produktqualität. Brändli ist ein Perfektionist, aber kein Dogmatiker. 

Mit Pinzette und höchster Präzision zaubert Reto Brändli Kunstwerke auf den Teller – jedes Detail ein Statement seiner Leidenschaft. Foto: Birgit Werner
Mit Pinzette und höchster Präzision zaubert Reto Brändli Kunstwerke auf den Teller – jedes Detail ein Statement seiner Leidenschaft. Foto: Birgit Werner

Südafrikanische Languste trifft auf Mango, geeiste Entenleber begegnet grünem Apfel und Estragon, Rotbarbe flirtet mit Tomate und pikanter Sobrasada. Selbst die Desserts erzählen Geschichten – etwa Erdbeere auf Grießflammerie mit Yuzu-Sake und Zimtblüte. Das Menü ist mutig, tief im Geschmack, aber nie überladen. Jeder Teller trägt eine eigene Handschrift. Hier wird nicht nur gekocht, hier wird erzählt. 

Ein Ensemble mit spürbarer Leidenschaft

Natürlich ist ein großartiger Küchenchef nur so gut wie sein Team. Brändlis Brigade agiert wie ein eingespieltes Orchester und hat wirklich echte Freude an der Sache. Jeder darf sich einbringen. „Ohne meine Leute wäre meine Arbeit nichts“, sagt Brändli. Das zeigt sich auch beim süßen Finale, wenn Pastry Chef Antje Hauser, deren Desserts nicht nur schmecken, sondern fast bildhauerisch wirken, mit ihren Kreationen verzaubert. In Kopenhagen lernte sie im legendären Restaurant Kong Hans Kælder, wie man mit Vanille flüstert und Schokolade leuchten lässt.

Geeiste Entenleber: ein echtes Highlight. Foto: Birgit Werner
Geeiste Entenleber: ein echtes Highlight. Foto: Birgit Werner

Souverän und herzlich begleitet Sommelière und Restaurantleiterin Theresa Windhofer durch den Abend. Die gebürtige Steirerin besitzt ein feines Gespür für Timing und Weinauswahl. „Das Ecco ist eine Bühne“, sagt sie. „Und jeder Gast gehört dazu.“

Hide & Seek – entspannt, kreativ, weltoffen

Wer es ungezwungener liebt, ist im Hide & Seek richtig. Küchenchef Francesco Leone, gebürtiger Sizilianer aus Messina, kocht weltoffen, frisch und leicht. Seine Küche vereint mediterrane Wurzeln mit französischer Präzision und internationalem Flair.

Die Speisekarte ist saisonal, bunt, oft vegetarisch, auf Wunsch vegan oder glutenfrei. Immer ausbalanciert, aromatisch und ideenreich. Typisch: hausgemachte Tagliolini mit Amalfi-Zitrone und rotem Garnelentatar – eine gelungene Verbindung von Tradition und Gegenwart.

dipiù Spa – tiefer als Wellness

Im dipiù Spa geht es nicht um mehr, sondern um Tiefe. Der Name bedeutet im Italienischen „mehr“, aber nicht im quantitativen Sinn. Es geht um echtes Wohlbefinden, um Achtsamkeit und Erdung.

Das dipiù Spa verbindet natürliche Materialien mit innovativen Anwendungen – ein Rückzugsort, der Körper und Sinne auf einzigartige Weise belebt. Foto: Giardino Hotel
Das dipiù Spa verbindet natürliche Materialien mit innovativen Anwendungen – ein Rückzugsort, der Körper und Sinne auf einzigartige Weise belebt. Foto: Giardino Hotel

Daniela Frutiger, CEO der Giardino Group und ausgebildete Kosmetikspezialistin, hat eine eigene Naturkosmetiklinie entwickelt. Die Produkte basieren auf regionalen Zutaten wie Mandeln, Limetten und Merlot-Traubenkernöl. Die Behandlungen sind sanft, die Düfte dezent – fast wie ein Wechsel der Frequenz. „Unsere Philosophie ist Achtsamkeit“, sagt Frutiger.

Seit 2016 ergänzt ein Ayurveda-Kompetenzzentrum das Angebot. Die uralte indische Heilkunst wird hier auf moderne Weise interpretiert – ganzheitlich, individuell und wirkungsvoll.

Claudio – der Mann mit den Geschichten

Das Giardino Ascona ist der ideale Ausgangspunkt, um auch das Leben außerhalb zu entdecken. Und genau hier kommt Claudio ins Spiel.

Claudio Caser, Concierge der ersten Stunde und Concierge des Jahres 2019, ist weit mehr als ein Wegweiser – er ist eine Institution. Seit der Eröffnung 1986 prägt der gebürtige Südtiroler das Haus mit Charme, Diskretion und seinem feinen Gespür für das Wesentliche. Wenn Claudio auf seiner geliebten Piazza an der Seepromenade steht, gerät er ins Schwärmen.

Claudio Caser vor dem Lago, umgeben von der malerischen Kulisse Asconas. Mit spürbarer Leidenschaft erzählt er von einem Ort, der mehr ist als nur Landschaft – ein Zuhause voller Geschichten und Begegnungen. Foto: Andreas Bienert
Claudio Caser vor dem Lago, umgeben von der malerischen Kulisse Asconas. Mit spürbarer Leidenschaft erzählt er von einem Ort, der mehr ist als nur Landschaft – ein Zuhause voller Geschichten und Begegnungen. Foto: Andreas Bienert

Er kennt nicht nur die besten Tische der Stadt, sondern auch die Geschichten dahinter. „Das Echte“, sagt Claudio, „liegt selten im Offensichtlichen – es liegt im Erzählen.“ Wer ihm zuhört, entdeckt Ascona neu: eine Galerie im Hinterhof, ein unscheinbares Lokal mit hervorragender Küche oder eine versteckte Bank mit dem besten Blick auf den Lago.

Claudios Empfehlungen sind keine klassischen Tipps. Sie sind kleine Fluchten aus der Zeit.

Ein Ort, den man nicht verlässt – sondern mitnimmt

Ja, es waren auch Prominente hier: Carlos Santana, Sarah Connor, die deutsche Nationalmannschaft. Es gibt Anekdoten, wie jene, in der Hoteldirektor Merkert einem Gast spontan seinen Anzug lieh. „Zum Glück die gleiche Größe“, sagt er und lacht.

Aber das Giardino braucht keine Geschichten, um besonders zu sein. Es berührt auf andere Weise – durch Nähe, durch Stil, durch Stille. Wenn morgens der Garten noch im Halbschatten liegt, die Kois langsam ihre Kreise ziehen und das Licht weich über die Terrasse streicht, stellt sich eine Frage, die keiner aussprechen muss. Warum überhaupt abreisen? Vielleicht nur, um wiederzukehren.


Informationen: 

www.giardinohotels.ch  

www.giardinohotels.ch/de/ascona

Fotos: Andreas Bienert, Birgit Werner, Giardino Hotel 

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