Ammon Nystad ist ein cooler Typ, er betreibt mit seinem Bruder das Unternehmen sampipath, das erstklassige Outdooraktivitäten im östlichen Teil der Vidda (Finnmark) bietet, vor allem am Flusssystem des Anárjohka- und des Kárášjohka Deatnu-Flusses. Aus dem Zusammenfluss dieser beiden entsteht der Tana-Fluss (samisch: Deatnu, was großer Fluss bedeutet), der norwegisch-finnische Grenzfluss. Am Tana-Fjord fließt er in das Eismeer. Er bildet weltweit das wichtigste Habitat für Lachse.
1929 wurde ein 36 Kilogramm großer atlantischer Lachs im Deatnu gefangen. Ammon stammt aus einer traditionellen Fluss-Sami-Familie. Nach sechs Jahren Studium in Trondheim kehrte er in seine Heimat zurück um sein Sami-leben wieder aufzunehmen: „ein gutes Leben, alle haben Zeit, leben in und mit der Natur, Zelten, jagen fischen, machen Skitouren“ sagt er. Geleitet von Ammon, der eine schicke Stirnlampe trägt, stapfen wir nachmittags im Dunkeln hinunter zum Fluss, wo er auf dem Eis ein Lavvu (Samizelt) aufgebaut hat, um die hohe Kunst des Eisfischens zu erlernen.
Jjuoŋasteapmi
Mit einem Handeisbohrer schaffen wir es zwei Löcher durch die im Dezember noch relativ dünne Eisdecke zu bohren. Nach Loch drei und vier zeigt uns Ammon, wie man den quadratischen ausgesägten Eisblock Schwupps unter die Eisdecke drückt. Nun kommt moderne Technik zum Einsatz: die schwimmende finnische orangenfarbene Ice-Cat. Sie ersetzt das traditionelle Zug- oder Schubbrett (mit Schubfeder und Spannschnur) mit dessen Hilfe das zweite 20 Meter entfernte Eisloch angepeilt wird, um dann das Netz unter dem Eis auslegen zu können.
Ist die Eis-Cat mit Richtungsschub einmal unter dem Eis ausgesetzt, heißt es still sein für das Eishorchen. Wo kratzt die Eis-Katze unterm Eis? Wir fegen den Schnee vom Eis und sehen, wie sich das orangefarbene Teil unter dem Eis in Richtung zweites Eisloch bewegt, ziehen es heraus. Jetzt können wir dank der Spannschnur das Netz auslegen, dann heißt es zwei drei Tage warten bis zur Beute. Ammon hatte vor zwei Tagen schon ein Netz ausgelegt, doch es ist unterm Eis festgefroren und reißt, als wir es rausziehen, also haben wir keinen einzigen Barsch, Zander oder Hecht gefangen heute.
Aber: im auf dem Eis aufgeschlagenen Lavvu speisen wir samische Köstlichkeiten: rohe, leicht gesalzener arktische Maräne (samisch: čuovža), mit Sahne und Gemüse zubereitete Hechtsuppe, dann ein auf dem Feuer gebackener Fisch-Cake mit Hecht und natürlich frisch im Topf gebrühter Kaffee. Ammon ist ein Super Koch, charmanter Gastgeber und kluger Informant: so erfahren wir von der aktuellen „Lachs-Depression“, die vor allem die älteren Sami am Deatnu plagt.
Seit fünf Jahren herrscht in Kárášjohka Fangverbot für Lachse in Folge der Überfischung. Somit ist das einzige große Vergnügen der Alten, das Lachsfischen, auf Eis gelegt. Auch um alte samische Jagdrechte, Schneehuhn- und Entenjagd, gibt es Zoff. Um für all das Lösungen zu finden, kümmern sich zum Glück die Gremien im Sami-Parlament von Kárášjohka.
Wohnen im Wald
Er geht mit seinen über siebzig noch zur Jagd, Sven Engholm, Besitzer der Engholm Lodge und Engholm Husky, Hundeschlitten-Tourenanbieter. Das von ihm geschaffene einzigartige Blockhüttenensemble, eine Mischung aus traditioneller Sami-Kultur und modernem Design, liegt direkt am Karasjohka-Fluss, sechs Kilometer außerhalb von Karasjok.
Als junger „Aussteiger“ kam der ehemalige Hundeschlittenrennfahrer und Abenteurer in den 1960er Jahren mit seinen Hunden, ein Hippie in Sami-kluft (Rentierleder) gekleidet in Karasjok an, klopfte an eine Hütte, fragte, ob er sein Zelt aufschlagen dürfe. Es herrschte große Skepsis dem Fremden gegenüber, Türen wurden zugeschlagen, Petitionen gegen sein Bleiben angestrebt. Nach fünf Jahren beharrlichem Warten konnte er schließlich Land am Fluss kaufen (damals für eine norwegischer Krone pro Quadratmeter).
Er baute die erste Hütte, entwarf die Inneneinrichtung, Möbel alles aus Holz, Steinen und örtlichen Materialien. Um Lauf von 40 Jahren entstanden urgemütliche, individuelle Design-Blockhütten, alles selbst finanziert, ohne jemals einen Kredit aufgenommen zu haben. Zu seinem Fable für Schlittenhunde, heute besitzt er 50 ausgebildete Schlittenhunde für Langstreckenrennen und für Schlittentouren, -expeditionen, seiner Begeisterung für Jagen und Fischen, kamen im Lauf der Jahre Angebote für Outdoor-Aktivitäten wie Schneeschuhwandern, Cross-Country-Skitouren, Nordlichter-Jagen hinzu. Heute ist Sven Engholm eine Legende in Karasjok.
Nach abenteuerlichem Erleben der wilden Natur relaxen wir herrlich in den gemütlichen komfortablen Lodges und der holzbefeuerten Sauna, dem Hot Tub unter freiem Himmel, der Bibliothek. Nachts heulen manchmal die Hunde, was ein abenteuerlich-romantisches Flair verbreitet. Zum Frühstück, Mittag- und Abends serviert das rustikal eingerichtete Restaurant leckere Speisen. Selbstgeräucherter lokaler Wildlachs, hausgemachte Focaccia, Baccalau mit Kartoffeln und Oliven sind die Highlights. Oft steht frisch gefangener Barsch, Zander, Hecht auf dem Speiseplan. Sven Engholms Tochter und Schwiegersohn haben die Lodge inzwischen übernommen und führen mithilfe junger Hilfskräfte aus dem Ausland, das charmante, luxuriöse Gästedomizil in der inneren Finnmark erfolgreich weiter.
Juga Mikrobryggeri
Einen Katzensprung vom Flughafen Lakselv wartet Juga Mikrobryggeri – Mikro-Bierbrauerei Juga mit einer bemerkenswerten Auswahl lokal gefertigter Biere auf. Alf Emil Paulsen betreibt das junge Unternehmen seit 2019 in einem Blockhaus, es liegt direkt nehmen den historischen Offiziersbaracken, die kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs entstanden. Die Brauerei verfügt über dampfbeheizten 600-Liter-Maische- und Siedekesseln dazu gibt es Gär-, und Lagertanks und einer Zapfanlage. Vergoren wird bei niedrigen Temperaturen, die Lagerung liegt bei zwei Monaten, bis zur Abfüllung. Charakteristisch für Juga sind das samische Meeresflair und lokale Geschmacksnoten: Birke, Moltebeeren, die nah am Meer wachsen und Kräuter. Im Winter wird saisonal Juga Red Ale produziert, gewürzt mit Nisse-extrakt (Nisse: Zwerg, Wichtel).
Bei den verschiedenen Chargen kann es zu geschmacklichen Abweichungen kommen, da manuell gearbeitet wird. Der Bierausschank im historischen Saal der Offiziersbaracke ausgestattet mit Vintage-Möbeln und antiken Accessoire besitzt großen Charme. Dort serviert Alf Emil Paulsen auch wunderbare Lunchs.
Informationen:
Scandic Hotel www.scandichotels.de/hotelsuche/norwegen/karasjok/scandic-karasjok
Lodge www.engholm.no/accommodation
Samipath www.samipath.com
Fotos: Baard Loeken, Bjarne Riesto, Ellen Spielmann / www.nordnorge.com

