Wiedersehen macht Freude. So weiß es bis heute der Volksmund zu berichten. Und wer sich bei der Einschiffung in Ushuaia, der südlichsten Stadt der Welt umsieht, erkennt gleich mehrere Gründe dafür. Zum einen hat das neue Schiff schon eine kleine Schar von Stammkunden gewonnen, die bislang mit der SH Diana die nördliche Arktis bereist haben, zum anderen kennen viele Gäste die 90.000 Seelen Stadt aus vergangenen Reisen in Richtung des südlichsten Kontinents.
Die Charter Maschine aus Buenos Aires kommend landet am späten Vormittag und die wenigen Stunden bis zum Ablegen des Schiffes gegen 17h werden für einen Stadtbummel genutzt. Wer hätte gedacht, dass sich ein nicht unerheblicher Teil der Passagiere gleich als Stadtführer anbieten würde? Man kennt sich aus und bereist die Region zum wiederholten Mal.
Der in den jüngsten Jahren trotz vergangener Pandemieschmerzen wachsende Markt an Expeditionskreuzfahrten konzentriert sich in den Monaten November bis März auf das Südpolarmeer. Allein in der zurückliegenden Saison 2025/26 haben ca. 60 Schiffe die Antarktis touristisch besucht. Auch deshalb ist die freiwillige Mitgliedschaft der Reiseanbieter in der IAATO (International Association Antarctica Tour Operators) ein Vorteil, da eine zentrale Routenkoordination verhindern soll, am Ende der Welt in einen Stau zu geraten. Im Regelfall werden für einen Anlandungsslot mit Schiffen von einer Passagierkapazität von unter 200 Gästen 4 Zeitstunden gebucht.
Größere Schiffe mit über 200 Gästen nehmen meist gleich 2 Slots, um eine sichere Anlandung für alle zu gewährleisten. Damit müssen in diesen Fällen 8 Zeitstunden für jede Destination vor Ort einkalkuliert werden. Dies wird später noch von Belang sein.
Wichtig ist die Größe des Schiffes
Mit der SH Diana positioniert Swan Hellenic ein Schiff der Luxusklasse, das mit einer maximalen Kapazität von 192 Gästen unterhalb dieser magischen Schwelle bleibt. Um die Operationen leichter zu gestalten, wird man aber meist lediglich mit ca. 150 Gästen die Antarktis ansteuern. Grundsätzlich teilen sich antarktische Expeditionen in zwei verschiedene Reiserouten auf. Die größeren Touren inkludieren die Falkland Inseln und Südgeorgien, die kürzeren Touren durchqueren direkt die Drake Passage und konzentrieren sich auf die antarktische Halbinsel. Diese beiden Kategorien zusammen machen ca. 95% des Routenangebotes aus. Hier werden in der näheren Zukunft dringend notwendige Differenzierungen zu erwarten sein. Doch auch dazu später mehr.
Die Falkland Inseln sind nach knapp 2 See Tagen erreicht und bis heute gemahnt deren jüngste Geschichte an die Notwendigkeit eines friedlichen Miteinanders. Neben den historischen Stätten und dem sehr guten Museum in Port Stanley sind v.a. die brütenden Albatroß Kolonien auf der West Point Insel von großem Seltenheitswert. Mir ist kaum eine andere Destination auf der Welt bekannt, die Ähnliches bietet. Mehrere Wanderungen werden zeitgleich angeboten, je nachdem, wie gut die Gäste zu Fuß sind, kann die individuell passende Route gewählt werden.
Mit Südgeorgien wird ein erster großer Höhepunkt der Reise erreicht. Gut 2 Tage dauert die Passage und für viele Reisende ist dieser Teilabschnitt der Route der Grund ihrer Buchung gewesen. Die Insel steht ebenfalls unter britischer Verwaltung, mit Grytviken (der ehemals zentralen Siedlung) steht ein Freiluftmuseum aus den Zeiten des Walfangs zur Besichtigung.
Die letzte Station auf der Insel musste im Jahr 1967 schließen. Nicht aus Einsicht der geschundenen Tiere wegen, sondern mangels ökonomischer Perspektiven; enough war enough. Postamt und Souvenirshop finden großen Anklang bei den Passagieren und die lokalen Akteure vor Ort freuen sich über den Umsatz.
Der Grund für das große Interesse, die Insel zu bereisen, liegt in den weltgrößten Kolonien der Königspinguine. Es stehen gleich diverse zur Auswahl, die Expeditionsleiterin Nicki d’Souza entscheidet sich in Absprache mit dem Kapitän für Fortuna Bay. Der Standort erlaubt es zu dem, sich bei einer kleinen Wanderung in Küstennähe die Beine zu vertreten. Vieles hier erinnert an ein Paradies, würden nicht die schmelzenden Gletscher auch über die aktuellen Gefahren unserer Zeit informieren.
Andere Expeditionen mit den mitgeführten Zodiacs gelten Felsenpinguinen, die dank der Schlauchboote aus nächster Nähe, aber mit Umsicht, beobachtet werden können. Vier volle Tage verweilt die SH Diana auf Südgeorgien, bevor die Reise in Richtung der Südsandwich Inseln und Elephant Island fortgesetzt wird.
Die zahlreichen Vorträge der Lektoren informieren bilderstark und praxisnah über Flora, Fauna und Geschichte aller Sehenswürdigkeiten. Elephant Island ist vielen Gästen bereits ein Begriff, da Sir Ernest Shakletons Rettung bei seiner gescheiterten Mission, den Südpol zu erreichen, hier ihr für alle glückliches Ende fand. Chile hat zu Ehren des Kapitäns, der seinerzeit mit seinem Schiff Yelcho die Crew des Polarforschers rettete, ein Denkmal in Form einer Büste gespendet.
Informationen:
Fotos: Frank Dieter Sistenich, Swan Hellenic








