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Barolo und Barbaresco vom Feinsten! (Teil 2)

2018 wird in die Weingeschichte des Gutes eingehen als ein wirklich klassischer Jahrgang mit vier Bilderbuchjahreszeiten! Und seine große Qualität macht ihn zum Ausnahmejahrgang. Die Nebbiolo-Trauben für Barbaresco und Barolo wurden spät, zwischen dem 5. und 13. Oktober geerntet. Nach der Mazeration (30 Tage9 begann der dreijährige Ausbau, davon mindestens 24 Monate in Fässern aus französischer und slawonischer Eiche und nur einer kleinen Passage in Barriques im erste Reifejahr. Dabei ist es Haustradition, dass der Barbaresco Pio genauso lange reift wie der Barolo Pio. Der Grund ist einfach: beide Weine basieren auf der Nebbiolo-Traube, sind also „Geschwister“. Zudem benötigt der Barbaresco Pio mehr Zeit, weil die Trauben aus höheren Lagen mit kühlerem Klima stammen. Und so beeindrucken beide Weine durch ihre präzisen und samtigen Tannine, ihre großartige Struktur und aromatische Komplexität – mit leichten Vorteilen für den Barolo Pio.

Den Barolo Pio wiederum sollte man niemals als „normalen“ oder „regulären“ Barolo bezeichnen. Denn das wäre eine Abwertung. Cesare Pio bevorzugt lieber die Wortschöpfung „klassischer Barolo“. Denn einerseits stammen die Trauben aus dem fünf Gemeinden des klassischen Barolo-Gebietes. Andererseits kann sich der Barolo so deutlich besser gegen jene „Single vineyard“-Weine Barolo „Ornato“ und Barolo „Mosconi“, die Pio Cesare natürlich auch produziert: den ersten seit 1985, den zweiten seit 2014. Und dem klassischen Barbaresco Pio 2018 steht ebenso der Parzellenwein Barbaresco „Il Bricco“ von den gleichnamigen Weinbergen in Treiso gegenüber.

Dennoch ist erstaunlich, wie groß der Unterschied zwischen dem noch jungen Pio Cesare Barolo Pio 2018 und etwa dem jungen Parzellenspitzenwein Pio Cesare Barolo „Ornato“ DOCG 2018 ist. Dieser starke, herausragende Wein von der Cascina Ornato in Serralunga d`Alba zeigt offenbar schon früh seine Qualitäten mit großartiger Struktur, herrlichen Tanninen, Frische und Langlebigkeit. Und die liegt, wie auch beim Barolo Pio 2018, nicht etwa bei herkömmlich eh schon langen 15 bis 30 Jahren. Für den 2018er Jahrgang werden sogar 45 bis zu 60 Jahre apostrophiert – mit dem Höhepunkt nach ca. 12 Jahren Lagerung – also 2030! Wohl dem also, der frühzeitig ordert und dann in der Lage ist, der Öffnung dieser Weine über lange Jahre zu widerstehen.

Pio Cesare Barolo Ornato. Foto: Pio Cesare
Pio Cesare Barolo Ornato. Foto: Pio Cesare

Der Unterschied zwischen dem aktuellen Barolo Pio und den zwei weiteren erlesenen Weinberg-Weinen schwindet übrigens nach einigen Jahren. Alle drei erreichen höchste Qualität, wie beinahe auch die Barbaresco-Weine. In jedem Fall passten bei dieser Verkostung „en primeur“ (die Weine sind im Herbst 2022 im Handel) sowohl der Pio Cesare Barolo „Ornato“ DOCG 2018 (mein Favorit) und der aromatischere, durch Eleganz und Komplexität bestechende Barolo „Mosconi“ DOCG perfekt zu Dim Sum vom gebratenen Schwein, zu gerösteter Ente mit chinesischen Kräutern, Saisongemüse und Duftreis.

400.000 Flaschen füllt Pio Cesare jährlich ab. Dies scheint viel, doch verteilt sich die Gesamtsumme auf 15 verschiedene Weine, die sämtlich aufgrund der Gründerphilosophie vor allem durch die hohe Qualitätsgarantie im Weinberg entstehen. Nichtsdestotrotz muss auch Pio Cesare an die Zukunft denken. Und da will Federica Boffa Pio im Weinberg mit ihrem Team um die Agronomen Claudio Pirra und Dario Mulattieri und in der Cantina mit dem Team um die Önologen Paolo Fenocchio (seit 1981 dabei!), Beppe Natta und Marco Artusio weiter hoch hinaus. Dies ist wörtlich zu nehmen, denn man will Weinberge in höheren Lagen. Grund ist der Klimawandel. Und so wurden erstmals außerhalb des Barolo- und Barbaresco-Gebiets in den Colli Tortonesi in der Alta Langa Weinberge angekauft, auf denen nun in 380 bis 390 m Höhe über dem Meeresspiegel Nebbiolo in höheren Lagen wachsen soll. Unter 400 Höhenmeter muss man bleiben, denn alles über der 400-m-Marke gilt nicht mehr als Nebbiolo. Ein Risiko ist es dennoch, aber die Zukunft wird wohl auch bei der Reglementierung des Nebbiolo Änderungen mit sich bringen.

Schließlich wurde zu den eingangs erwähnten scharfen Rinderfiletspitzen ein Wein aufgetischt, der gar nicht im Handel ist. Es handelt sich um den Pio Cesare Barolo Riserva 2000. Dieser Millennium-Wein lagerte die letzten zwei Dekaden im gut versperrten Familienweinkeller von Cesare Pio. Sein Etikett zeigt im unteren Teil einen archaischen großen Kellertürschlüssel, den Großmutter Rosy einst stets als Halsschmuck trug. Heute ist er im Besitz von Federica Boffa Pio. Der Wein wurde 2021 zum 140. Gutsjubiläum aus dem Familienkeller geholt und wird nun zu besonderen Anlässen aufgetischt. Und er bewältigt, besser gesagt, pariert auch die äußerst scharfe Konkurrenz der Chilinoten. Aber dieser Test zeigte auch, dass der chinesisch-asiatischen Küche ab einer gewissen Schärfe doch Grenzen beim Servieren mit Extraklasse-Rotweinen gesetzt sind.

Pio Cesare Barolo Riserva 2000. Foto: Pio Cesare
Pio Cesare Barolo Riserva 2000. Foto: Pio Cesare

Der Kuriositäten nicht genug, ließ Federica Boffa Pio als Digestif dann auch noch einen Pio Cesare „Barolo Chinato“ öffnen. Auch das Familienrezept für diesen 16 bis 17 % Alkoholgehalt aufbietenden aromatisierten Spezialwein aus Barolo DOCG ist handschriftlich überliefert (für die Herstellung von jeweils 6 Liter). Jährlich werden nur 1000 Flaschen dieses auf der Basis von geringen Mengen China Calisaia (Chinarinde), Succirubra (roter Chinarinde), Rhabarber, Zimt, süßer und bitterer Orange und weiteren Zutaten komponierten Kräuterwein-Delikatesse hergestellt. Diese „Infusion“ lagert mindestens vier Monate im Stahltank und weiterer zwei Monate in der Flasche, ehe die Marktreife erreicht ist. Er ist eben wie alle Weine von Pio Cesare: klassisch piemontesisch und nach alter, ausgefeilter Familientradition hergestellt!

Und natürlich haben die Weine von Pio Cesare schon allerhöchste Auszeichnungen und Notierungen erfahren. So erhielten diverse Pio Cesare Barolo „Ornato“ DOCG und Barolo „Mosconi“ DOCG schon 98 Punkte. Der Pio Cesare Barolo „Ornato“ DOCG 2016 wurde vom Gambero Rosso sogar zum besten Rotwein des Jahres gekürt. Und auch der Barolo Pio DOCG erreicht mühelos sensationelle 96 Punkte. Die Barbaresco-Weine von Pio Cesare erhielten von der internationalen Weinkritik bisher 91 bis 95 Punkte, der Barbaresco „Il Bricco“ sogar bis 97 Punkte. Der Chardonnay „Piodilei“ schaffte es schon bis auf 96 Punkte. Und auch Vermouth und Barolo Chinato wurden schon mit 93 bzw. 94 Punkten bewertet.

 

Information:

Tenuta Pio Cesare: Via C. Balbo 4, www.piocesare.it 

Fotos: Pio Cesare, Jürgen Sorges