Doch noch mehr sorgte der zweite Sitz des Familienunternehmens im Dörfchen Montefalco für diese wichtige Aufwertung. Hier, wo Lungarotti seit dem Jahr 2000 samt einer damals nagelneuen unterirdisch angelegten Cantina 16 Hektar Weinberge und dazu Olivenhaine mit Passion und Leidenschaft betreibt, entstehen seither sagenhafte Weine aus autochthonen Rebsorten. Nun hat sich Lungarotti zu einer besonderen Aufwertung dieses zweiten Gutes entschlossen. Aus der Liegenschaft in Montefalco wird die Tenuta Brancalupo.
Der neue Gutsname „Tenuta Brancalupo“ und damit auch das neue Branding für Lungarottis Weine aus Montefalco entstand aus dem Wunsch der Erneuerung und Aktualisierung jener Vision, die Gutsmanagerin Chiara Lungarotti und ihre Schwester Teresa bei der Gründung im Millenniumjahr hatte. Es ging um die Erneuerung und Erweiterung der seit einem Vierteljahrhundert weiterentwickelten agronomischen und önologischen Ansprüche an die Montefalco-Weine, zudem aber auch um eine bessere Nutzung des Gutes, Indoor wie Outdoor. Dieser Wiederentdeckungsprozess bedeutet einen wichtigen Schritt bei der Neupositionierung der Weingüter, die die Lungarotti-Familie seit 2024 erfolgreich unternimmt.
Sagrantino und Trebbiano Spoletino
Hauptgrund für die natürliche Evolution, keineswegs einen Bruch mit der Vergangenheit, ist es, dem Anwesen Montefalco einen eigenen Namen, ein Gesicht, eine Seele zu geben, die vor allem Lungarottis Interpretation der ikonischen Rebsorte Sagrantino mehr Aufmerksamkeit und Anerkennung verleiht. „Sagratino“, so Chiara Lungarotti, „ist schwierig zu zähmen, aber auch eine Rebsorte, die immense Befriedigung gibt.“
Zweite hier zu Wein veredelte autochthone Rebsorte ist zudem Trebbiano Spoletino, eine über 1000 Jahre alte Rebsorte mit einzigartigen Merkmalen und einer markantesten Nischenposition auf dem italienischen Weißweinmarkt. Er zeichnet sich durch große Eleganz und Balance aus und debütierte mit der 2024er Ernte. Und auch die legendären Sagrantino-Rotweine firmieren seit dem Jahrgang 2024 unter der Bezeichnung Tenuta Brancalupo.
Die Namensfindung: Blick zurück in die Zukunft
Wichtigster Bezugspunkt war erst einmal ein Heiliger: Franz von Assisi. Zu Ehren dieses wegen seines einfachen Lebens und der Verbundenheit mit der Natur – Werte, die Lungarotti seit je teilt – hochverehrten Volksheiligen, der mit den Vögeln und Tieren sprach und lange in Umbrien wirkte, finden in diesem Jahr unzählige Veranstaltungen statt. Denn 2026 ist sein 800. Todesjahr. Wichtiger aber ist eine der berühmtesten Legenden um den Heiligen: Bei dem nahen Gubbio zähmte er einen wilden Wolf, der schon Menschen angefallen hatte, und überzeugte ihn zur zukünftigen Friedfertigkeit.
Und natürlich hat dies ohnehin sehr schöne umbrische Städtchen Gubbio diesem „Ereignis“ eine besonders schöne Bronzeskulptur gewidmet – und ihn zur universalen „Pop-Ikone erhoben. „Brancalupo“ steht aber auch für eine Pflanze, deren Blätter an eine Wolfstatze erinnern: ihr lateinischer Name ist „Acanthus mollis“, in Deutschland als „Wahrer Bärenklau“ bzw. „Weicher Akanthus“. Und diese Wolfstatze (= brancalupo) steht ebenso für Lungarottis nun seit 1962 fortgesetztes tägliches Bemühen um Stärke, Balance und Terroir, das sich dann in einem Glas Wein widerspiegelt.
Die Brancalupo-Experience: Weine „mit dem Wolf“
Als Pioniere hatten Giorgio Lungarotti und Gattin 1962 diese Eckpfeiler für das Familienunternehmen gesetzt. Heute setzt General Managerin Chiara Lungarotti dies fort: „Man pflanzt nicht nur einen Weinberg, man pflanzt auch Sensitivität.“ Und: „Sagrantino hat eine hundertprozentige umbrische Seele, stolz, tief und nicht nachahmbar.“
Und natürlich sollte man bei einem Besuch in der Tenuta Brancalupo einen der neuen Roten testen, deren Etikett nun ein prächtiger Wolf ziert: natürlich den reinen Tenuta Brancalupo Montefalco Sagrantino DOCG 2021 biologico, natürlich ein Biowein, aber mit 15 Prozent Alkoholgehalt, und perfekt ausbalanciert die Essenz der Arbeit in Montefalco. Oder man wählt den Tenuta Brancalupo Montefalco DOC Rosso 2023 (14 Prozent Alkoholgehalt), einen formidablen Blend aus Sangiovese, Merlot und Sagrantino. Er lagerte zwölf Monate in Barriques bzw. 30-Hektoliter-Fässern und dann zehn Monate auf der Flasche und passt perfekt zu Traditionsgerichten wie Porchetta oder Spanferkel mit Steinpilzen, aber auch zu vegetarischen Gemüsegerichten oder zur Getreidesuppe Zuppa di Farro.
Und natürlich darf auch der weiße Tenuta Brancalupo Spoleto DOC Trebbiano Spoletino 2024 nicht fehlen! Sechs Monate in Stahl und mit zwölf Prozent Alkoholgehalt ausgestattet, ist dieser reine Trebbiano Spoletino perfekt zu Gemüsetorten, passierten Cicoria (Platterbsen) oder herzhaften Bratwürsten aus dem umbrischen Norcia. Und selbstverständlich gehört auch ein Besuch des restaurierten unterirdischen Weinkellers dazu, ebenso die Besichtigung der Villa, vielleicht auch das angebotene Picknick oder gar Trekking in den Weinbergen. Für einen herzhaften Aperitif oder auch ein Mittagessen sollte es allemal reichen…
Informationen:
Cantine Lungarotti in Torgiano: www.lungarotti.it/ita
Tenuta Brancalupo in Montefalco: www.lungarotti.it/ita/tenutabrancalupo
Fotos: Cantine Lungarotti

