Foodie

Skåne: Der Geschmack der Regionalität

Die kulinarische Vielfalt Skånes ist beeindruckend. Ob rustikal gegrilltes Fleisch, innovative vegetarische Kreationen, handwerklich gebrautes Bier oder naturbelassene Weine – überall spürt man den Anspruch, Qualität mit Atmosphäre zu verbinden. Kleine Manufakturen, Hofläden und Restaurants arbeiten eng mit regionalen Produzenten zusammen. Das Ergebnis ist eine Genusslandschaft, die authentisch wirkt und dabei angenehm unaufgeregt bleibt.

Pizza im Gewächshaus

Ein besonderer Ort dieser neuen skandinavischen Esskultur ist das Stenmarks Restaurang & Växthus in Skegrie. Das Restaurant verbindet nachhaltige Architektur mit kulinarischer Kreativität. Untergebracht in einem vollständig aus Holz gebauten Gewächshaus wirkt das Ambiente gleichzeitig modern und warm. Die überschüssige Wärme des holzbefeuerten Ofens wird genutzt, um das Gewächshaus zu beheizen, in dem sogar Gemüse auf der Dachterrasse wächst. Temperaturunterschied im Sommer zwischen außen und innen beträgt nur ein Grad. 

Ich habe mich dazu enzschlossen, weil ich Nachhaltigkeit sehr wichtig finde, sagt Inhaber Claes Stenmark. Serviert werden aromatische, im Holzofen gebackene Pizzen aus regionalem Mehl, dessen Teig über viele Stunden fermentiert wird. Ergänzt wird das Menü durch schmackhafte Vorspeisen, Desserts und Getränke kleiner schwedischer Craft-Produzenten. Alles wirkt durchdacht, aber niemals inszeniert.

Kreativ, innovativ: Restaurant und Gewächshaus in einem. Foto: Carola Faber
Kreativ, innovativ: Restaurant und Gewächshaus in einem. Foto: Carola Faber

Kulinarik zwischen Hügeln und Meer

Weiter entlang der Südküste wartet mit Sydkustens at Pillehill ein Hotel, das Genuss und Entschleunigung auf wunderbare Weise verbindet. Von der Terrasse aus öffnet sich über die sanft geschwungene Landschaft ein Panoramablick. Hügel, die von der Eiszeit geformt wurden, verleihen der Region eine weiche, beinahe malerische Topografie. Besonders faszinierend sind die tiefen Furchen der fruchtbaren Äcker, deren Böden in unterschiedlichsten Farbtönen changieren: von dunkler Erde über warme Brauntöne bis hin zu sattem Grün. Wälder und Wiesen leuchten in zahlreichen Nuancen und verleihen der Gegend eine fast meditative Ruhe.

Riesige, leuchtend gelbe Rapsfelder schmiegen sich in das Relief, während der blaue Himmel und das klare Licht die weißen Fassaden der Häuser strahlen lassen. Fliederhecken, Büsche, historische Grabhügel und ehemalige Richtstätten fügen sich eindrucksvoll in die Landschaft ein – ebenso wie überraschend feine kulinarische Adressen, die zwischen Natur und Geschichte ihren Platz gefunden haben.

Kulinarik im Sydkustens at Pillehill. Foto: Carola Faber
Kulinarik im Sydkustens at Pillehill. Foto: Carola Faber

Die Atmosphäre im Boutiquehotel ist familiär, die Zimmer großzügig geschnitten. Eines von ihnen verfügt sogar über eine freistehende Badewanne mit Blick auf die mit Blick über die offene Weite Skånes – als stünde sie mitten in einem Kornfeld. Besonders geschätzt wird jedoch das Restaurant, das sich konsequent regionalen und ökologischen Zutaten widmet. Dazu kommt ein beeindruckender Weinkeller, der zu den renommiertesten der Region zählt. Wer hier am Abend ein mehrgängiges Menü genießt und später den Sonnenuntergang beobachtet, versteht schnell, warum Skåne als Geheimtipp für Food-Liebhaber gilt. 

Es ist ein nachhaltiges Restaurant, in dem Geschmack und Herkunft untrennbar miteinander verbunden sind: Hier ist die Kulinarik nicht nur Leidenschaft, sondern konsequentes Konzept. Ein Teil der verwendeten Kräuter und des Gemüses stammt direkt aus dem hauseigenen Garten. Der Spargel wird von einem nur rund 200 Meter entfernten Feld bezogen. Jeden morgen wird von „Little Garden“ frischer Salat geliefert und das Brot wird in der eigenen Bäckerei gebacken. „Wenn möglich, werden Lamm, Zwiebeln und Kartoffeln ebenfalls regional bezogen“, erklärt Russell Taylor vom Management. 

Ein Teil der verwendeten Kräuter und des Gemüses stammt direkt aus dem hauseigenen Garten. Foto: Carola Faber
Ein Teil der verwendeten Kräuter und des Gemüses stammt direkt aus dem hauseigenen Garten. Foto: Carola Faber

So entsteht eine Küche, die nicht nur durch Geschmack überzeugt, sondern auch durch Transparenz und Nähe zur Natur – ein kulinarisches Erlebnis, das die Landschaft, aus der es kommt, konsequent widerspiegelt.

Zwischen Natur und Genuss

Die kulinarische Reise beginnt mit frisch geerntetem grünem Spargel von Dybeck, begleitet von einer klassischen Sandefjordsoße, feinen Bröseln von zitronengeräucherter Makrele und aromatischem Seehasenrogen. Dazu wird der Riesling 2024 von Sebastian Erbeldinger aus Rheinhessen gereicht, dessen lebendige Frische und feine Mineralität die nordischen Aromen elegant unterstreichen.

Es folgt „Pil Pil à la Pillehill“ – saftige Garnelen mit Knoblauch und Chili. Der dazu servierte Tantaka 2023 von Juanjo Tellaetxe aus dem baskischen Arabako Txakolina bringt mit seiner salzigen Frische und feainen Säure die maritime Würze des Gerichts wunderbar zur Geltung.

Pil Pil à la Pillehill. Foto: Carola Faber
Pil Pil à la Pillehill. Foto: Carola Faber

Vom Garten in die Küche

Der nächste Gang interpretiert die klassische Crème Ninon auf nordische Weise: mit gebeiztem Lachs, Crème fraîche, verfeinert durch den direkt im Vorgarten angebauten Solaris. Begleitet wird diese Komposition vom Garcia de Camaño 2022 des Weinguts Pazo de Rubianes aus Galicien, dessen elegante Frucht und Frische hervorragend mit dem Lachs harmonieren.

Im Hauptgang trifft zartes Lamm-Entrecôte auf kräutermarinierte Kartoffeln und intensives Liebstöckelpesto. Der Saint-Joseph „Pierres d’Isterand“ 2023 von Jean-François Jacouton aus der Rhône verleiht dem Gericht mit seiner würzigen Tiefe und samtigen Struktur einen ausdrucksstarken Rahmen.

Den Abschluss bildet gebratener Rhabarber aus dem Garten mit Veilchen, cremigem Vanilleeis und knusprigen Streuseln sowie etwas Goldstaub. Dazu wird die Cuvée Armelle 2022 von Domaine des Aubusières aus Vouvray empfohlen. Es ist ein fein ausbalancierter, edelsüßer Wein mit reifer Frucht und lebendiger Eleganz, der das Dessert stimmungsvoll abrundet.

 

Informationen:

www.visitskane.com/de  

www.pillehill.se  

www.stenmarks.se  

Fotos: Carola Faber

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