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Weingut May – Herkunft als Haltung, Präzision als Stil

Heute bewirtschaftet die Familie May rund 17 Hektar Rebfläche. Im Fokus steht der Silvaner, flankiert von Spätburgunder, Weißburgunder, Riesling und Rieslaner. Die Weinberge liegen in einigen der renommiertesten Lagen Retzstadts: Große Gewächse wachsen in Himmelspfad und Rothlauf, ergänzt durch Erste Lagen wie Rossthalberg, Langenberg, Schäfer und Benediktusberg. Gemeinsam ist ihnen allen eines – karge, steinige Böden, die den Reben viel abverlangen und den Weinen ihre straffe, präzise Art verleihen.

Seit 2015 arbeitet das Weingut konsequent ökologisch. Nicht aus Trendbewusstsein, sondern aus innerer Überzeugung. Gesunde Böden sind für die Familie May die Voraussetzung für authentische Weine. Kunstdünger, Herbizide und synthetische Pflanzenschutzmittel haben hier keinen Platz. Stattdessen wird mit eigenem Kompost gearbeitet, Unkraut mechanisch entfernt – notfalls von Hand. Steillagen schrecken dabei nicht ab, im Gegenteil: Sie sind Herausforderung und Ansporn zugleich.

Auch im Keller herrscht Zurückhaltung. Spontangärung mit natürlichen Hefen, Geduld und Vertrauen prägen die Arbeit. Eingriffe werden auf ein Minimum reduziert, damit der Wein erzählen kann, woher er kommt. Das Ergebnis sind Weine ohne lautes Fruchtspiel, dafür mit Tiefe, Struktur und einer ehrlichen Mineralität.

Was das Weingut May antreibt, ist eine Mischung aus Ehrgeiz, Handwerk und Leidenschaft. Zufriedenheit stellt sich erst ein, wenn jede Traube stimmt und kein Kompromiss gemacht wurde. Retzstadt ist damit zum Ursprung einer Weinstilistik geworden, die Terroir nicht erklärt, sondern schmeckbar macht – klar, pur und unverstellt.

Feinste Perlage

Dass Silvaner ein enormes Potenzial hat, beweist der Brut Nature eindrucksvoll. Als VDP.SEKT.PRESTIGE® gehört er zur Spitze deutscher Sekte und verbindet fränkische Herkunft mit handwerklicher Präzision. Die Trauben stammen aus dem Retzstadter Langenberg, einer steilen, von Muschelkalk geprägten Lage mit bis zu 70 Prozent Neigung. Alte Reben und ein geschütztes Mikroklima liefern die Grundlage für Spannung und Tiefe.

Rudolf und Benedikt May. Foto: Manoel Eisenbacher
Rudolf und Benedikt May. Foto: Manoel Eisenbacher

Nach selektiver Handlese und behutsamer Pressung vergärt der Grundwein spontan, bevor er ganze 48 Monate auf der Hefe in traditioneller Flaschengärung reift. Das Ergebnis ist ein Sekt von bemerkenswerter Eleganz: feines, lebendiges Mousseux, klare Säure und mineralische Präzision. Dezente Brioche-Noten verleihen Komplexität, ohne die Herkunft zu überdecken. Ein Silvaner, der zeigt, wie eigenständig und anspruchsvoll fränkischer Sekt sein kann – pur, trocken und kompromisslos.

Tiefe und Gelassenheit

Dass das Weingut May weit mehr beherrscht als Silvaner, zeigt der Chardonnay „Alte Reben“ aus Retzbach mit beeindruckender Klarheit. Seine Herkunft ist der Benediktusberg, ein historisch geprägter Weinberg mit kargem Muschelkalk, der dem Wein Struktur und Spannung verleiht. Die Reben wurzeln hier seit Jahrzehnten tief im Boden – ursprünglich 1968 gepflanzt und später behutsam auf Chardonnay umgestellt.

Der Ausbau über 18 Monate im französischen Tonneau verleiht dem Wein Ruhe und Tiefe, ohne ihn zu überformen. Feine Holznoten treffen auf Anklänge von weißem Pfirsich und einen Hauch Kräuterwürze. Am Gaumen wirkt der Chardonnay saftig und zugleich präzise, mit cremiger Textur und langem, mineralischem Nachhall. Ein Ortswein, der Eleganz und Herkunft souverän verbindet und den fränkischen Chardonnay neu definiert.

Kühle Eleganz

Der Benediktusberg gehört zu den markantesten Weinlagen im nördlichen Maintal. Zwischen den renommierten Nachbarlagen Rothlauf und Würzburger Stein gelegen, prägt vor allem der offene Felsabbruch das Bild: freigelegter Wellenkalk, steil ansteigende Hänge und eine konsequente Süd- bis Südwestexposition. Diese Kombination aus kargem Muschelkalk, Sonne und Neigung verleiht den Weinen eine klare, eigenständige Handschrift.

Der Spätburgunder 2021 aus dieser VDP.Ersten Lage zeigt eindrucksvoll, wie präzise und fein Pinot in Franken sein kann. Ein kühler Jahrgang, der auf Zurückhaltung und Tiefe setzt. Nach behutsamer Vinifikation und langer Reife in gebrauchten Barriques wirkt der Wein ruhig und fokussiert. Aromen von roter Kirsche und dunklen Beeren verbinden sich mit einer frischen, spannungsvollen Struktur. Elegant, langlebig und mit viel innerer Kraft.


Informationen:

www.weingut-may.de

Fotos: Carola Faber, Manoel Eisenbacher

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