Fast endlos erscheint der Strand, welcher sich entlang der Küste Marokkos nördlich von Essaouira befindet. Das Meer ist hier kein seichtes vor sich hin schwappendes Gewässer, an vielen Tagen bricht sich die Brandung mit voller Wucht an den großen Felsformationen am Rande der Medina. Hier am Plage Assafi gibt es nur wenige Touristen. Die meisten Besucher Essaouiras bewegen sich eher durch die Medina oder befinden sich an dem mit Lokalen und Shops flankierten Plage d`Essaouira.
Dieser ist geschützt, befindet sich entlang einer Flaniermeile, welche sich am Hafen des Ortes finalisiert. Der Plage Assafi hingegen ist ein kilometerlanger Strandabschnitt der sich bis zum Jabrane Beach erstreckt. Naturbelassen, rough und fast ein wenig einsam. Den Busbahnhof des Ortes passierend erreicht man den Strandabschnitt. Nur wenige Menschen laufen hier durch den Sand, eher Einheimische trifft man hier.
Wenn die Gezeiten das Wasser vom Land fernhalten, sind die bei Flut nur partiell aus dem Atlantik ragenden Felsen ein beliebter Aussichtspunkt. Meist trockenen Fußes kann man diese erreichen und die etwa fünf Meter hohen Formationen erklimmen. Der vielleicht schönste Ort um seine Blicke über das Meer und die Wellen, welche sich sekündlich an den Felsen brechen, schweifen zu lassen.
Mausolée Haïm Pinto
Rückwärtig befinden sich die beiden großen Friedhöfe der Stadt. Auf dem Christian Cemetery steht das Mausolée Haïm Pinto. Haim Pinto war ein Rabbi im 18. Jahrhundert, der sich als Schriftsteller, Weiser und Wundertäter einen Namen machte. Er genoss sowohl bei Muslimen als auch Juden hohes Ansehen. Da Marokko eine recht große jüdische Gemeinde hat, findet man auch heute noch viele Davidstern Zeichen an den Türen der Häuser im Ort.
Noch auf den Felsformationen sitzend und nach links schauend zeigt sich die hohe Stadtmauer Essaouiras. Die Stadt kann nur durch drei riesige Tore betreten werden: nördlich, südlich und östlich vom Kern der Medina befindlich. Doch die Medina verlassen die meisten Besuchers nur selten, ist sie doch das Herzstück dieser alten Hafenstadt, die gerade Mal 80.000 Einwohner zählt.
Boheme-Dorf
In den 1960er Jahren muss es hier ein wahrlich ruhiges Örtchen gewesen sein. Fischer fuhren mit ihren Holzbooten hinaus und versorgten die Region mit frischem Fisch. Die Geschäfte in der Medina sahen fast nur Einheimische, Touristen waren hier noch weitestgehend eine Ausnahme. 1956 erlangte das Land seine Unabhängigkeit von den Kolonialmächten Frankreich und Spanien. In der Folge verließen mehr als 250.000 Juden das Land.
Dennoch war Marokko in den 1960er- bis 1980er-Jahren Sehnsuchtsort vieler Musiker, Maler und Schriftsteller. Es ranken sich die verschiedensten Mythen um die Präsenz des einen oder anderen Musikers. Zu ihnen soll auch Jimi Hendrix gehört haben. Einen richtigen Beleg dafür findet man im Ort allerdings kaum. Hendrix hat hier vermeintlich Inspiration für seine Songs gesammelt. Gleiches gilt für die Rolling Stones und auch Cat Stevens (Yusuf Islam), welche hier oft gesichtet worden sein sollen. Nicht zuletzt diese enge Verbindung von internationaler Musik zur Stadt verschaffte Essaouira den Ruf als Boheme-Dorf Marokkos.
Gnaoua and World Music Festival
Seit 1998 hat sich hier tief im Westen Marokkos ein Musik Festival etabliert, welches weit über die Grenzen des Landes Bekanntheit erlangt hat. Das Gnaoua and World Music Festival, gegründet von der marokkanischen Unternehmerin Neila Tazi, ist hauptsächlich eine musikalische Plattform für Gnawa-Musiker. Gnawa-Musik besteht aus einer Sammlung von lokalen Rhythmen und marokkanischen religiösen Liedern. An den drei Veranstaltungstagen zieht es mittlerweile bis zu 300.000 Besucher an, zahlreiche Veranstaltungen und Konzerte aus den Bereichen, Jazz, Pop, Rock und der World-Music sind sogar kostenlos zu besuchen.
Internationale Kunst
Doch nicht nur die Musik klingt hier durch die schmalen Gassen der Medina, es sind auch andere Künstler wie zum Beispiel Maler die Essaouira seit Jahrzehnten als Sehnsuchtsort auserkoren haben. Es scheint dieser orientalische Mix aus Medina, Geruch von Gewürzen, Licht und Meer zu sein der die Kreativen dieser Welt stets anzog. Beleg dafür sind die zahlreichen Shops und Galerien in denen Kunstwerke besichtigt oder auch gekauft werden können.
Überall in der Medina finden sich kleinere Läden die Werke von lokalen Künstlern feilbieten. Viel traditionelle Skulpturen und Bilder sind hier zu besichtigen, Werke mit gestalterischer Abstraktion ist hier allerdings eindeutig in der Minderheit. Zu finden sind abstrakte Kunst und neo-kulturelle Bilder und Kunstwerke natürlich dennoch, dazu sollte man sich allerdings in eine der größeren Galerien begeben.
Die Galerie d’art Damgaard befindet sich im Herzen der Medina und wurde von dem dänischen Sammler Frederic Damgaard gegründet. Gemälde und Skulpturen von größtenteils lokalen Künstlern sind hier zu finden. Die größte Galerie in Essaouira dürfte hingegen die Galerie la Kasbah sein. Auf 400 Quadratmetern Grundfläche ist hier Kunst jeglicher Couleur zu finden. Skulpturen lokaler Künstler, Schränke aus Syrien oder auch internationale Gemälde von Malern aus aller Welt befinden sich in den Räumlichkeiten der Galerie auf drei Ebenen verteilt. Rund 100 Künstler bieten hier ihre Werke an, auf dem Dach befindet sich zudem ein Atelier in welchem verschiedene Maler täglich arbeiten.
Ein Gang durch die schmalen Gassen der Medina lässt immer wieder verharren, den einen oder anderen Shop besuchend kann man Tage damit verbringen lokale Kunst zu bestaunen. Essaouira ist eben mehr als nur ein Küstenort am Rande der Westsahara – Essaouira ist ein Melting Pot für lokale Kultur, Musik und jeder Menge Geschichten…
Informationen:
Gnaoua and World Music Festival: www.festival-gnaoua.net/en/home
Galerie la Kasbah: www.galerielakasbah.net
Visit Marocco: www.visitmorocco.com/de
Foto: Michael Schabacker











