Es ist der 15. März 2026, als wir am Flughafen Salalah landen. Der Irankrieg geht in die dritte Woche. Ein Tauchurlauber aus Salzburg und wir sind die einzigen Europäer, die gerade dorthin reisen, von wo alle anderen wegwollen. Ja, auch Oman hat einige wenige Drohnen abbekommen – über der Hafenanlage von Salalah steht eine hohe Rauchsäule. Aber es waren eben gezielte Angriffe auf Öllager, nicht auf die touristische Infrastruktur. Rechtfertigt das die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes? Schwierige Frage.
Vermutlich ja, wenn man verängstigte Urlauber mit Steuergeldern in die Heimat zurückholt. Nein, wenn man bedenkt, dass im ganzen Sultanat „nur“ zwei Menschen infolge des Krieges gestorben sind, darunter kein einziger Tourist, eine solche Warnung aber die Existenz sehr vieler Menschen gefährdet, die vom Geschäft mit den Reisenden leben. Pikant dabei: Die Reisewarnung sprechen Beamte des AA aus, die selbst nie arbeitslos werden können und ebenfalls mit Steuergeldern bezahlt werden.
Weißes Gold
Klar, Gäste, die in den Süden des Sultanats, in die Provinz Dhofar, kommen, wollen keinen echten Rauch sehen, sondern Weihrauch schnuppern, das „weiße Gold Omans“. Und deshalb sind auch im „Al Baleed Resort Salalah by Anantara“, dem besten Haus am Ort, nur etwa zehn Prozent der 136 Villen und Zimmer belegt. Dazu kommt: Es ist Ramadan, das Rad des Lebens dreht sich noch einmal etwas langsamer als sonst. Der je nach persönlichem Angsthasen-Level nahe oder ferne Krieg irritiert uns nur dann kurz, wenn ich beim Schwimmen im 44 Meter langen Infinity-Pool, dem Herzstück des Resorts, kurz am Beckenrand verschnaufe und zum noch immer brennenden Öllager hinüberblicke.
Jeder Gast des Anantara hat einen „Villa Host“, einen persönlichen Kümmerer, mit dem er über WhatsApp kommuniziert. Unserer heißt Gabor. Er hat in Germania gelebt, spricht fast akzentfrei Deutsch und weiß, wie man einen simplen Hotelaufenthalt zu einem besonderen Erlebnis macht. Zum Beispiel arrangiert er für uns eine Führung durch den Gemüse- und Obstgarten der Anlage. Solche „Farm2Table“-Gigs sind aktuell ja sehr angesagt, aber der hier ist mit mehr als 4.000 Quadratmetern richtig groß und mehr als ein Nachhaltigkeits-Feigenblatt.
Das ist vor allem das Verdienst von Adil Hussain. Der sympathische Pakistaner mit dem grünen Daumen stieß 2022 zum Team und kümmert sich seither als „Farm-Guru“ engagiert darum, dass den Küchenchefs stets frische Gemüsesorten und Kräuter aus eigenem Anbau zur Verfügung stehen, aber auch süße Früchte von Granatäpfeln bis zu Kakis. Außerdem gibt es Kokosnüsse, deren Wasser ein willkommener und gesunder Durstlöscher ist.
Andrea und Andrea
Natürlich interessiert uns vor allem die Kulinarik des Hauses. Hoteldirektor Andrea Orrù stammt aus Italien und hat mit dem anderen Andrea (Carroni) einen Landsmann als „Culinary Director“ engagiert. Das sind schon mal gute Nachrichten, denn Kochtopf-Jongleure aus Bella Italia stehen in der Regel für Qualität. Der Sarde Andrea II ist verantwortlich für 33 Mitarbeiter, die drei Lokalitäten bespielen: Das Hauptrestaurant Sakalan bietet jeden Abend Buffets zu wechselnden Themen und Länderküchen, wobei Gerichte aus dem Mittleren Osten und vom indischen Subkontinent gesetzt sind.
Dazu gibt es einen Holzkohlegrill, an dem man sich frischen Fisch, Meeresfrüchte und Fleisch brutzeln lassen kann. Das Al Mina mit seiner mediterran geprägten Karte ist quasi die kulinarische Heimat von Andrea II, doch beschränkt sich die Auswahl keineswegs auf Italien, denn es werden auch Klassiker von der Côte d’Azur bis Griechenland serviert.
Andrea II lässt es sich nicht nehmen, uns hier ein Überraschungsmenü zu kredenzen. „Wir bekommen jeden Tag fangfrischen Fisch direkt vom Markt im Hafen“, schwärmt er. „Und zwar zu Preisen, von denen wir in Europa nur träumen können.“ Entsprechend köstlich munden das Carpaccio vom Gelbflossentun mit gerösteten Haselnüssen und die mit Krustentierfleisch gefüllten schwarzen Tortellini (handgemacht!) auf luftig-leichtem Pecorino-Schaum.
Leider ist das Mekong, das dritte Restaurant, wo sich sonst fernöstliche Aromen aus Thailand, Vietnam und China entfalten dürfen, aufgrund der Buchungslage geschlossen. Andrea II macht dieser Dreiklang an Lokalen und Regionalküchen erstens Spaß. Und zweitens passt er auch zu den unterschiedlichen Gästegruppen, die er glücklich machen muss. Die Region Dhofar hat nämlich zwei sehr verschiedene Saisonzeiten: Im Frühjahr und Herbst kommen vornehmlich Europäer, um die fast immer vom blauen Himmel lachende Sonne zu genießen.
Von Mitte Juni bis Mitte September ist jedoch Khareef, Monsunzeit im Süden Omans. Die karge Wüstenlandschaft um Salalah verwandelt sich dann in eine üppig grüne, kühle Oase. Bei Nieselregen und Nebel sinken die Temperaturen, was die Region zu einem beliebten Reiseziel für Touristen aus den glühend heißen Golfstaaten macht. Und deren kulinarische Wünsche wollen eben auch erfüllt werden.
Dass die Küche der arabischen Halbinsel Gerichte mit großer Finesse zu bieten hat, beweisen die „Spice-Spoons“-Kochkurse, die Gäste des Anantara erleben können. Mit Hut und Schürze bereite ich etwa geräucherten Labneh zu. Dazu lässt man den Frischkäse zuerst abtropfen und räuchert ihn sodann im Smoker oder Grill mit Hickory-Holz. Schmeckt hervorragend als Dip, auf Fladenbrot oder zu Ofengemüse. Als Hauptgang schmoren wir mit unserem Mentor eine Lammkeule, die so zart ist, dass das Fleisch fast von allein vom Knochen fällt. Und zum Dessert gibt es Kunafa, eine warme Süßspeise von der Levante aus einem besonderen Käse und Engelshaar (Kadaifi).
Nach so viel Völlerei wird es Zeit für einen Ausflug. Durch die Dhofar-Region führte einst die legendäre Weihrauchstraße. Gleich neben dem Hotel liegen das Weihrauch-Museum und der Archäologie-Park Al Baleed, wo die Geschichte des antiken Handels mit dem kostbaren Harz erlebbar wird. Danach fährt uns Guide Ahmed in die Dhofar-Berge hinauf. Wir machen Halt bei einer 210 Meter tiefen Doline, die in der Regenzeit fast vollständig mit Wasser gefüllt ist, und im berühmten Wadi Darbat, wo dann Wasserfälle über Felsen stürzen und Kinder in Tretbooten über den See schaukeln, während die Eltern unter Bäumen mit frischen Trieben im kniehohen Gras picknicken. Für Urlauber von der arabischen Halbinsel ist das satte Grün ein Riesenspektakel.
Jetzt, in der Trockenzeit, kann man sich kaum vorstellen, dass sich die karge Landschaft so grundlegend verwandelt. Und dass es hier wirklich eng werden kann. Denn wir sind die einzigen Touristen weit und breit.
Planschen im Privat-Pool
Nach dem Sightseeing gönnen wir uns einen faulen Nachmittag, naschen Datteln und Pistazien in unserer großzügigen Villa. Deren Planschbecken ist groß genug, um uns abzukühlen, wenn wir keine Lust haben, bis zum großen Pool oder ins Meer zu gehen. Dabei ist das durchaus zu empfehlen, denn der 250 Meter breite Privatstrand ist mit bequemen Cabanas und Liegestühlen ausgestattet, auf denen man die Füße in den feinen Sand stecken kann. So geht Barfußluxus auf omanische Art. So geht Urlaub mit Meer-Wert. In den kühleren Monaten würden wir wohl auch das marokkanische Hamam nutzen. Oder uns eine vierhändige Massage mit aromatischem Harzöl im Anantara Spa gönnen.
Am – viel zu schnellen Ende – unseres Aufenthalts wissen wir: Es war die richtige Entscheidung, die Reise nicht zu verschieben. Sultan Haitham bin Tariq Al Said, der Herrscher Omans, hält sich aus den meisten politischen Konflikten der Region heraus – das gilt für den Bürgerkrieg beim Nachbarn Jemen genauso wie jetzt beim Konflikt zwischen den USA und Israel mit Iran.
Mittelfristig dürfte Omans aufstrebende Tourismusindustrie davon profitieren, vor allem die Region Dhofar als Ganzjahresdestination. Und: Der Sultan weiß, dass er sein Land auf die Zeit nach dem Öl vorbereiten muss. Die Geschichte aus 1001 Nacht wird weitergehen. Genauso wie es mit dem Reisen nach der Pandemie weiterging.
Informationen:
Al Baleed Resort Salalah by Anantara: www.anantara.com/de/al-baleed-salalah
Tipp 1: Im Herbst findet wieder ein Kulinarik-Event mit internationalen Sterneköchen statt: www.anantara.com/en/al-baleed-salalah/culinary-festival-2026
Tipp 2: Man sollte auch das Schwester-Hotel, das Anantara Al Jabal Al Akhdar Resort besuchen, das auf 2.000 Metern Höhe im Hadschar-Gebirge Omans liegt: www.anantara.com/en/jabal-akhdar
Fotos: Minor Hotels / Al Baleed Resort Salalah by Anantara










