Und natürlich ist dieser Marketing-Coup, den die Gebrüder Nuti, Besitzer des Ende des 19. Jahrhunderts nur fünf Kilometer vom Meer in der Provinz Pisa gegründeten Gutes mit 25 Hektar Weinbergens lancierten, einer mit großem medialem Echo. Schließlich ist Ronaldinho nicht irgendwer: 2004 sowie 2005 FIFA-Weltfußballer des Jahres, 2005 Gewinner des Ballon d’Or als „Europas Fußballer des Jahres“, Fußballer des Jahres in Südamerika 2013, dazu offiziell 97-facher Nationalspieler für Brasilien, U-17-Weltmeister mit Brasilien 1997 und Weltmeister mit Brasilien 2002. Hinzu kommen seine imponierenden Fußballerjahre beim AC Milan, Paris Saint-Germain und Barcelona mit zig weiteren Titeln. Ronaldinho Gaúcho gab es 2006 bis 2015 zudem in Brasilien als Comic-Serie, die zudem als TV-Serie adaptiert wurde. Und zur WM 2014 kam er nochmals in der animierten Serie „Pelezinho in Planet Soccer“ (Kleiner Pele auf dem Planeten Fußball) zum Einsatz.
Nun hat Fußball eher wenig mit Wein zu tun. Bekanntlich muss beim Fußball das Runde ins Eckige, beim Wein ist das genaue Gegenteil der Fall. Aber dies stört vermutlich einen nicht, der tatsächlich hauptverantwortlich für die neue italienische Weinserie „The Wines of the Champions“: Fabio Cordella, selbst Winzer mit Familiengut, das bis zurück ins Jahr 1911 reicht, und erklärter Fußballfan. Er hat schon eine ganze Reihe von Stars des runden Leders mit italienischen Weinen aus verschiedensten Regionen in Verbindung gebracht. Darunter sind die Weltstars wie Roberto Carlos, Wesley Snijder, Amoroso, Julio Cesar und jetzt eben Ronaldinho, aber auch legendäre Balltreter wie Italiens „Eisenfuß“ der WM 2006, Materazzi, oder aus deutscher Sicht Nationalspieler Kevin Kuranyi. Mittlerweile ediert Fabio Cordella sogar auch die Kombination Fußball und Olivenöl mit der Reihe „The Oil of the Champions“.
Den Kontakt zu Ronaldinho schuf 2023 ein anderer italo-brasilianischer Spieler, der bei Juventus Turin 2008 bis 2012 reüssierte Stürmer Amauri. Er stand für die Erstedition des Amauri IGT Costa Toscana 2019 aus dem Hause La Regola und ist ein Cru aus Cabernet Sauvignon und Sangiovese mit 14 Prozent Alkoholgehalt. Der „Ronaldinho“ (14 Prozent) ist hingegen ein gelungener Blend aus Cabernet Sauvignon, Sangiovese und Cabernet Franc, reifte zwölf Monate in französischen Eichen-Barriques der zweiten und dritten Passage und weitere zwölf Monat auf der Flasche. Die handgelesenen Trauben reiften in 150 – 200 Metern Höhe auf mediterranem Untergrund mit reichlich Steinen. Er gilt als ideal zu gereiftem, vier bis sechs Monate altem Käse, Braten und Fleischgerichten, also auch etwa der Bistecca fiorentina.
Nötig hat das Weingut La Regola diese eher auf den italienischen Markt zielende Fußballerwerbung eher nicht, sieht man einmal davon ab, dass sich die Familie Nuti seit jeher darum bemüht, ihre Weine und die weiteren aus Riparbella gegen das übermächtige, nahebei liegende Wein-Mekka Bolgheri besser in Position zu bringen. 1990 übernahm Luca Nuti, promoviert in Agrarwissenschaften, das Gut in vierter Generation. Er kümmert sich bis heute um die detaillierte Arbeit im Weinberg.
2000 stieß Bruder Flavio, Rechtsanwalt und mit Diplom in Ökonomie hinzu, Experte also Sommelier und heute auch für Marketing zuständig. Ihm zur Seite stehen seit 2018 Sohn Valentino als Önologe sowie die Geschwister Nicolo und Vittoria. Und unter dem Wahlspruch „Territorium, Natur, Menschen und Kunst“ geht es weiter vorwärts. Seit 2015 produziert man rein biologisch, pflanzt zu den Standard-Rebsorten Sangiove4se und Vermentino auch französiche Rebsorten, allen voran Cabernet Franc. Heraus kommen dabei Spitzenweine wie das Flaggschiff, der Cru „La Regola“, dazu ein Passito aus Trebbiano, Malvasia und Colombana, genannt „Il Sondrete“, dazu gleich drei Spumante nach klassischer Methode aus Manseng, Chardonnay und Pinot Noir.
Verarbeitet wird dies alles in der neuen, hochmodernen Cantina, die der renommierte Architekt Sergio Scienza, der schon bedeutende Weinkeller in Bolgheri, La Morra (Piemont) und im Trentino schuf. Für die künstlerische Ausgestaltung der Barricaia, des Fasslagers, sorgte dann Maestro Stefano Tonelli. Die Werke des Künstlers, insbesondere seine 2tanzenden Figuren“, können selbstverständlich bei einer Gutsbesichtigung mit Degustation bewundert werden. Dabei könnte auch eine Verkostung der neuen Weinriehe „Somnium“ angestrebt werden. Sie sind – wie auch Tonellis Kunst – eien Hommage an die Etrusker, die hier schon vor 2500 Jahren für Weinanbau sorgten. Den „Somnium“ (Traum) gibt es als IGT Cabernet Costa Toscana Rosso, als reinen Sangiovese, als Rosato, als Vermentino und als Brut Metodo Classico „La Regola“.
Verkosten kann man die Weine auch während der regelmäßig stattfindenden Sommerevents auf dem Gut sowie während der im November stattfindenden Winzerkurse (ab 300 Euro). Ganz nebenbei edieren die Gebrüder Nuti auch einen Literaturpreis und bieten Agriturismo: Das Ferienhaus liegt nur zwei Kilometer vom leicht per Rad zu erreichenden Strand „Le Gorette“.
Es locken die grandiose Pineta, das biogenetische Reservat „La Mazzanta“, und vor der Haustür der große Garten mit Barbecue und der 9 x 7 Meter große Swimming Pool. Und natürlich könnte dann auch ein Fläschchen „Ronaldinho“ auf dem Tisch stehen. Allerdings. Zuletzt bekleckerte sich das Fußballgenie nicht mit Ruhm. Erst unterstütze er den Rechtspopulisten Bolsanaro, dann wurde er 2018 mit 2,2 Mio. € an den Staat wegen Umweltschäden auf Baugrundstücken verdonnert, zudem 2020 mit seinem Bruder an der Grenze zu Paraguay mit falschen Pässen erwischt, was die zwei ins Gefängnis brachte und erst nach Zahlung von ca. 160.000 Euro wieder hinaus beförderte.
Immerhin: Im Knast in Paraguay soll es ein Fußballspiel gegeben haben, das Ronaldinhos Team mit 11:2 gewann. Er selbst soll fünf Tore erzielt und die andere sechs vorbereitet haben. Chapeau – ein Fußballgigant, der auf engstem Raum zaubert, ist Ronaldinho immer noch!
Informationen:
Podere La Regola: www.laregola.com
Fabio Cordella Cantine: www.fabiocordella.com
The Wine oft he Champions: www.thewineofthechampions.it
Fotos: La Regola

