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Wie viel deutsche Geschichte steckt in Guatemalas Kaffee?

Morgens hängt der Nebel noch tief über den Bergwäldern von Alta Verapaz. Im Schatten hoher Bäume reifen an den Hängen rund um Cobán die Kaffeekirschen, nicht weit entfernt schimmern die türkisfarbenen Naturbecken von Semuc Champey. Hier, im feuchten Hochland im Norden Guatemalas, beginnt eine Geschichte, die mehr als 9.000 Kilometer entfernt weitergeschrieben wurde: in den Kontoren von Hamburg und Bremen.

Aufbruch ins Hochland

Vor allem ab den 1870er-Jahren kamen deutsche Einwanderer nach Guatemala und trugen maßgeblich zur Expansion des Kaffeeanbaus bei. Ihr Schwerpunkt lag in Alta Verapaz, wo sich Cobán zu einem der wichtigsten Zentren der Kaffeeproduktion entwickelte. Weitere deutsche Fincas entstanden im Südwesten des Landes. Wo zuvor Bergwald und kleine Felder das Bild bestimmten, wuchsen nun Kaffeepflanzungen – und mit ihnen Wege, Lagerhäuser und Siedlungen.

Von der Finca in die Hansestadt

Damit die Bohnen ihren Weg nach Europa fanden, knüpften deutsche Unternehmer enge Handelsbeziehungen zu Kaufmannshäusern in Hamburg und Bremen. Rund um Cobán prägte der Aufstieg der Kaffee-Fincas zugleich Transportwege, Architektur und die Organisation ganzer Landstriche. Die deutsch-guatemaltekischen Handelsbeziehungen trugen so wesentlich dazu bei, Kaffee als zentralen Wirtschaftszweig des Landes zu etablieren.

Viele Hände, eine Kaffeekultur

Doch Guatemalas Kaffeegeschichte ist weit mehr als dieser deutsch-guatemaltekische Austausch. Getragen wurde und wird sie ebenso von guatemaltekischen Produzenten, lokalen Gemeinschaften und dem Wissen jener Menschen, die Anbau, Verarbeitung und Kaffeekultur über Generationen weiterentwickelt haben. Der nationale Kaffeeverband Anacafé unterscheidet heute acht Anbauregionen – von Huehuetenango im westlichen Hochland bis Nuevo Oriente im Osten. In der Region Antigua etwa wächst der Kaffee zwischen den Vulkanen Agua, Fuego und Acatenango auf mineralreichen Böden in über 1.500 Metern Höhe, am Atitlán-See an den Hängen der Vulkane rund um das Ufer. Guatemaltekischer Kaffee steht damit für regionale Vielfalt, vulkanische Landschaften und die enge Verbindung von Landwirtschaft, Kultur und Identität.

Foto: INGUAT

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