Travel

Von Bergen bis Kirkenes und zurück

Lautlos und zügig zieht die “Havila Castor” an der norwegischen Atlantikküste ihre Bahn, durch abertausende Inseln und Schären. Insgesamt 24 Häfen läuft sie an auf Ihrer Tour über neun Breitengrade bis Kirkenes – fest eingegliedert in den Fahrplan der Hurtigruten – und dasselbe auch auf dem Rückweg, in alter Tradition als Passagier-Postschiff.

Grün sind nicht nur die Nordlichter, grün ist auch das Bau- und Betriebskonzept der HAVILA-Schiffe. Das besonders gestaltete Rumpf- und Bugdesign weist äußerlich darauf hin, dass es sich um ein energieeffizientes Schiff handelt. Mit 124 Meter Länge und knapp 23 Meter Breite ist es für die Reisenden angenehm überschaubar, auf keinerlei Komfort muss verzichtet werden. Spätestens nach vier Stunden werden die Schiffsbatterien entlang der Route mit sauberer Wasserkraft aufgeladen.

Impression auf hoher See. Foto: Havila Voyages
Impression auf hoher See. Foto: Havila Voyages

Havila/Hevila steht im “Buch Genesis” für ein Land im Garten Eden. Seit ihrer Indienststellung fährt sie nun nagelneu als jüngste von insgesamt vier Schwestern Pollux, Polaris und Capella aus der Kystruten Reederei “Havila Voyages” des Selfmademanns Per Sævik. Alle vier sind die modernsten und unter Umweltaspekten in der saubersten Flotte im norwegischen Küstenverkehr – und setzen damit auch international Maßstäbe.

Das Schiffs-Interieur besteht aus hellen, schlichten nordischen Hölzern und sanftem Farbspiel aus dem Spektrum Meer, Eis, Nebel, Licht und Schatten. Dort, wo Teppichware liegt, vermeint man, vom Wasser verspülten Sand zu sehen. Von den geräumigen “Lighthouse-Suites” aus hat man fast größeren Überblick als wie von der Brücke. Keine Platzverschwendung für Entertainment, Spielhöllen oder ähnliche Vergnügungen, allein die Natur zählt. Man verpasst sie auch nicht im Vier-Personen-Gym oder in der Sauna. An Deck wird es im Sommer Liegen geben, ein kleiner Pool sorgt dann für Erfrischung, denn auch in Norwegen kann es richtig warm werden.

Schlicht, chic, nordisch: Das HILDRING Fine Dining. Foto: Havila Voyages
Schlicht, chic, nordisch: Das HILDRING Fine Dining. Foto: Havila Voyages

Große Panoramafenster mit bequemen Sitzensembles ermöglichen überall, nichts zu verpassen, was draußen geschieht und vorüberzieht: Eine faszinierende, unberührt anmutende Küsten- und Bergwelt, rauschende Wasserfälle, seltene Seevögel wechseln mit dem bloßen Auge schwer erkennbaren, versteckten Ortschaften oder vereinzelt bunten Holzhäuschen an den Ufern, keine Menschen außer in den Häfen. Nur Experten sehen und wissen, dass in Norwegen der Klimawandel bereits deutlicher als anderswo wirksam ist.

An Bord bemerkt man nichts von der kniffligen Kunst der Seefahrt, die Kapitäne Eivind Olsen und Ulf Wernberg sind auch durch schwere See nicht aus der Ruhe zu bringen. Die Havila Castor ist das erste Passagierschiff mit der neuen Raven INSTM von Norwegian Electric Systems – einer voll integrierten Brücke mit intelligenten Funktionen wie Datenerfassung und -analyse für die kontinuierliche Entwicklung eines besseren und effizienteren Betriebs.

Rentierfilet mit Sprossensalat und Kräutermayonaise im HAVRAND. Foto: Uta Petersen
Rentierfilet mit Sprossensalat und Kräutermayonaise im HAVRAND. Foto: Uta Petersen

Frokost, Lunsj und Middag

Norwegens berühmtester Koch Gunnar Hvarnes (Bocuse d’Or) hat mit Castor-Chefs Eivind Olsenund Ulf Wernberg (Restaurant HAVRAND als Hauptrestaurant, HILDRING Fine Dining sowie das HAVLY Café und die HAVBLIKK Bar ein sehr umweltfreundliches Food Konzept erdacht! Es geht von 75g pro Portion aus und verschwendet so gut wie keine Nahrungsmittel. Im Laufe eines Jahres und auf den vier Schiffen wird die Lebensmittelverschwendung so um bis zu 60 Tonnen reduziert.

Kein Buffet mehr, bei dem sich alle meist zu viel aufladen, das dann entsorgt werden muss, sondern drei beliebte, typisch norwegische Gerichte bleiben auf beiden Strecken auf der Karte.

Das Angebot bestimmt die Region, die gerade durchfahren wird. Diese Gerichte sind stets kleine Portionen in Schälchen oder auf kleinen Tellern. Keine Sorge, niemand bleibt hungrig! Es darf nachgeordert und alles probiert werden. Zudem hat das Café und die bar rund um die Uhr leckere Snacks und Gerichte. Zum “Frokost”/Frühstück duften die frischgebackenen Brötchen, zum “Lunsj”/Lunch eine abwechslungsreiche Auswahl kleiner Köstlichkeiten – und Abendessen heißt auf Norwegisch “Middag”.

Norwegens kulinarische Vielfalt

Durch diese Einteilung erhält man einen ausgezeichneten Geschmackseindruck der Vielfalt der norwegischen Küche. Da sind etwa ein Waldpilz-Cappucino, Seeforellen-Sashimi mit Sanddorn, eine besonders lange geschmorte Lammkeule, zarte Scheiben Rentierfilet, rosa gebraten mit Sprossensalat. Fantasievoll belegtes Smørbrød, geröstete Drillingskartoffeln mit Rotalgendip, knusprige Tarte mit Heilbutt oder ein Rindercarpaccio mit kräftigen Bufar-Käse. Achtung: hoher Suchtfaktor bei dem berühmten braunen “Gudbrandsdalsost”, ein Karamellkäse mit leichtem Lakritzaroma aus dem mit 320 km längsten Tal Norwegens.

Rosen-Baiser-Dessert vor Trondheim. Foto: Uta Petersen
Rosen-Baiser-Dessert vor Trondheim. Foto: Uta Petersen

Die Äpfel aus Hardanger verarbeiten die Chefs zu saftigem Apfelkuchen oder zu Salat mit Walnüssen und weichem Ostegården-Brie. Veganer kommen auch auf den Geschmack durch ideenreiche Küche mit knusprigem Erbsenschnitzel oder Sauerteigtoast mit Topinambur-Püree und “Fenalår” – das traditionell gesalzene und getrocknete Lammfleisch kommt aus Tind auf den Lofoten.

Zweifelsohne fühlt man sich mit dem köstlichen Fischeintopf aus Westnorwegen jederzeit adäquat versorgt, enthält er doch Garnelen, Kammmuscheln, Fenchel und Miesmuscheln. Etwas nördlicher kommt dann noch die Fischsuppe aus Bergen mit gegrillter Kammmuschel hinzu. In Höhe der Lofoten schmecken Skrei, Dorsch und Kabeljau erst so richtig authentisch.

Das HILDRING Fine Dining ist erkennbar den Sternen nahe. Ebenso elegant wie schlicht, nur leicht größere Portionen, auf das feinste abgeschmeckt, mit reichem Seafood und Meeresaromen. Hervorragende Weinberatung: die über 40 feinsten Posten inklusive der Champagner haben eine lange Anreise hinter sich. Aus den besten Gütern Italiens, Spaniens, Argentiniens oder gar Südafrikas. Im HAVRAND gehört das Erdbeer-Rosen-Baiser zu den Dessert-Favoriten, im HILDRING ist es die Meeres-Sanddorn-Creme mit Moltebeeren, fein mit Meersalz abgeschmeckt – köstlich!

Scallops mit Meerrettichvinaigrette und Sprossen auf Seetang im HILDRING Fine Dining. Foto: Uta Petersen
Scallops mit Meerrettichvinaigrette und Sprossen auf Seetang im HILDRING Fine Dining. Foto: Uta Petersen

Alles wird frisch vom Team einsehbar in der relativ kleinen Küche zubereitet. Gar nicht satt sehen kann man sich an der betörend faszinierenden Landschaft und ihrem außergewöhnlichen Licht, dem Sternenzelt nachts und – bei ganz viel Glück – die “Aurora Borealis”, die grünen Nordlichter.

Man passiert u.a. berühmte Leuchtfeuer wie das kleine, rote “Kjeungskjaer” auf einer Schäre vor Ørland. Der nördliche Polarkreis ist nur erkennbar als Messpunkt durch eine reale Stahlkugel aus Längen und Breitengraden. Ein großer Moment, der natürlich gebührend gefeiert wird! Ganz Unerschrockene lassen sich vom nordischen König “Njord” taufen, mit einer Kelle Eiswürfel in den Kragen.

Die Königskrabben können eine Spannweite von 1,80m haben. Sie sind vor geraumer Zeit aus russischen Kamtschatka-Gewässern eingewandert – und geblieben. Ein lukullisches Erlebnis ist ein “Königskrabbenessen satt” bei Honningsvåg – frisch gefangen und serviert um ein offenes Feuer herum. Diese gigantischen Allesfresser aus dem Varangerfjord vermehren sich schneller als erwünscht. Essbar sind nur die Inhalte der gewaltigen Scheren und der Beine. Die Norweger lieben sie mit Weißbrot und Zitronenmayonaise – im HILDRING Fine Dining serviert man sie mit Arktischer Ponzu Sauce.

Ein Tagesausflug in den 15 km langen Geirangerfjord beeindruckt tief! Einsamkeit pur, hier und dort eine Lachsfarm, am Ende ein historischer wie moderner Ort mit Holzhütten, einem modernen Havila-Hotel mit fulminanter Aussicht und der in ganz Norwegen beliebten Bier- Bryggeri/Brauerei und auch mit dem faszinierenden Aussichtspunkt Preikestolen.

Die Kystruten gibt es dank mutiger Seefahrer in Norwegen schon seit 1838, die Strecke Bergen-Kirkenes wird seit 1908 befahren. Kleine Landausflüge wie u.a. die Husky-Schlittenfahrt, Rentierbeobachtungen oder ein Besuch von Trondheim mit dem über 800 Jahre alten Nidaros-Dom, (Pilger-Endstation der insgesamt acht Pilgerwege von 3000 km) runden den positiven Eindruck einer Nation ab, die eng mit ihrer imposanten Natur lebt.

Elfen und Trolle wurden nicht gesichtet. Doch das Troll Museum im arktischen Tromsø klärt auf, dass sie immer und überall in Norwegen anwesend sein sollen.


Informationen:

Havila Voyages, www.havilavoyages.com

Die Küstenkreuzfahrtschiffe von HAVILA, www.havhydrogen.no/hav-hydrogen/freeco2ast/

Visit Norway, www.visitnorway.de

Fotos: Havila Voyages, Uta Petersen