Der Weinbau auf Teneriffa ist immer ein bisschen wild, ein bisschen eigenwillig, aber am Ende auch durchaus charmant. Die Spanier brachten vor Jahrhunderten schon Rebstöcke mit auf die Insel – und stellten schnell fest: Diese spezielle Mischung aus Höhenlagen, Passatwinden und Lavaasche ist wie ein Katalysator für Trauben, folgern eine ganz spezielle Aromatik in den Weinen.
Viele Rebstöcke stehen auf Teneriffa klassisch und durch die Inselgeografie bestimmt an steilen Hängen, in kleinen Parzellen, umgeben von Mauern und Terrassen. Dazu kommt der Wind, der mal sanft weht und mal so ordentlich pfeift, dass man sich fragt, wie die Reben da überhaupt standhaft bleiben. Logischerweise sind die Rebstöcke durch das windige und teils raue Klima zumeist niedrigwachsend.
Die Insel hat grob gesagt fünf Weinanbaugebiete, jedes mit seinem eigenen Charakter. Im Norden eher frisch und mineralisch, im Süden etwas kräftiger und sonniger. Besonders berühmt sind Sorten wie Listán Negro und Listán Blanco auf der Insel, welche fast überall zu finden sind. Wenn man ein Glas kanarischen Wein trinkt, meint man fast, man schmeckt die Insel: ein bisschen Salzluft, ein Hauch Vulkan und eine ordentliche Portion aus einem Mix zwischen autochthoner und klassischer Rebsorte.
Weingut Monje – Passatwind inklusive
Wer auf Teneriffa unterwegs ist und Lust auf echten Insel-Wein hat, kommt am Weingut Monje kaum vorbei. Das Weingut thront auf einer Anhöhe im Norden der Insel, mit Meerblick, Vulkanboden und dieser ganz eigenen Mischung aus Tradition und Inselbeschaffenheit. Schon wenn man auf den Hof fährt, merkt man: Das hier ist kein steriles Hochglanz-Weingut, sondern ein Ort, an dem zwischen Fässern und Rebstöcken Weine mit spezieller Charakteristik entstehen.
Die Familie Monje produziert seit mehreren Generationen kanarische Klassiker wie die bereits erwähnten Listán Negro und Listán Blanco – Trauben, die in dieser vulkanischen Erde besonders gut gedeihen und durch ihre kraftvolle Frucht bestechen. Wer Zeit hat, sollte sich einer der Touren anschließen, die das Weingut anbietet und dabei auch den Weinkeller besuchen, an den Fässern riechen, sich durch die Roten und Weißen probieren oder einfach auf der Terrasse sitzen. Ein fantastischer Ausblick wird begleitet vom Passatwind und dem einen oder anderen Teller Tappas – natürlich immer mit einem Monje Wein in der Hand.
Heute ist Felipe Monja für das Weingut verantwortlich, in welchem jährlich gut 160.000 Liter Rebsaft produziert werden. In fünfter Generation lebt Felipe nunmehr zwischen traditioneller Handwerkskunst und moderner Weingutstechnologie – und noch immer lagern alte Weinfässer im Keller, welche eben genau diesen charakterstarken Wein resultieren: eine vinophile Wanderung zwischen intensiver Johannisbeere, zarten Tanninen und der klassischen Charakteristik weiterer Rebsorten wie Negramoll, Tintilla, Bastardo Negro, Vijariego Negro und Moscatel.
Garachio – vorbei an Lavafeldern und steilen Klippen
Wenn man schon in der Gegend ist, sollte man sich unbedingt auf die Küstenstraßen rund um Garachico begeben. Ein besonderes Erlebnis, schlängeln sich die Straßen doch über Klippen, entlang von Lavafeldern und durch kleinere Dörfer. Während man kurvt, hat man rechts den Atlantik, links riesige grün bewachsene Hänge und hie und da eine Wolkenwand.
Irgendwann erreicht man den kleinen und pittoresken Ort Garachico. Einst war Garachico ein wichtiger Hafen der Insel – bis der Vulkan Trevejo 1706 ausbrach und ein Großteil der Stadt verschwand unter glühendem Gestein. Heute lebt der Ort von einer Mischung aus altkanarischen Häusern, kleineren Plätzen, Kopfsteinpflaster und einer absoluten Ruhe – zumindest jenseits der Hauptsaison…
Zu den Highlights gehört das Castillo de San Miguel, eine kleine Festung aus Lavastein direkt am Wasser. Dort wo die Brandung tobt, die Wellen auf die kleine Insel schlagen und versuchen die Felsen zu erklimmen, liegen auch die berühmten Naturschwimmbecken von Garachico. Entstanden durch den erwähnten Lavastrom kann man dort wunderbar baden, oder bei stärkerem Wellengang einfach suchend den einen oder anderen Krebs in den Becken beobachten. Und wer nach einem Spaziergang durch die kleinen Gassen Garachicos Hunger bekommt, findet überall Cafés und kleinere Restaurants mit frischem Fisch, Mojo und allem, was man braucht, um sich zu stärken.
Der Teide thront über allem
Doch egal, wo man auf Teneriffa ist – über allem thront der Teide. Zugegeben, eher ein touristischer Magnet, dennoch: Der Teide ist nicht nur der höchste Berg Spaniens, sondern ein Naturmonument sondergleichen. Wenn man den Teide hochfährt, ändert sich die vorbeiziehende Landschaft fast minütlich: Von Bäumen und Wäldern geht es rasch über in eine Mondlandschaft, bei der man beim ersten Blick und Betreten denkt, man sei gerade direkt auf dem Erdtrabanten gelandet.
Oben, in der Cañadas-Ebene, sieht alles so surreal aus, dass man aus dem Staunen und Fotografieren nicht herauskommt. In fast unzähliger Art und aus diversen Richtungen folgen Fotoaufnahmen der Erde und der abstrusesten Felsformationen.
Tatsächlich ist die Mischung aus Erde, Licht und Kraterlandschaft nicht nur surreal, es ist vielmehr mystisch, wenn Wolken das Bild ergänzen oder die Stille an diesem Ort nur durch das eine oder andere Geräusch eines Vogels unterbrochen wird. Oder auch von Bienen: Tatsächlich hat sich ein Imker aufgemacht und hat hier seine Bienenkörbe stehen, Resultat dürfte der vielleicht „höchste“ Bienenhonig Europas sein.
Vulkanwelt Montaña Blanca
Und wenn man beim Teide ist, dann darf ein weiterer erdgeschichtlicher Höhepunkt nicht fehlen: die Montaña Blanca. Diese hell leuchtenden Hügelformationen am Fuße des Teide wirkt auf den ersten Blick wie ein leicht überfüllter Sandspielplatz neben dem großen Vulkan. Tatsächlich strömen hierher gefühlt alle Besucher des Teide – Beleg dafür sind die vollen Parkplätze, und dies auch durchaus in der Nebensaison. Die Montaña Blanca ist aber auch wirklich sehens- und erlebenswert, es ist eine wahrlich beeindruckendes Stück Vulkanwelt. Der Name resultiert im Übrigen von der hellen Farbe des Bimssteins, der hier tonnenweise liegt oder als Felsen emporragt.
Rechts und links türmen sich bizarre Felsbrocken auf, hier auf einer Höhe von über 2700 Metern über dem Meeresspiegel. Der Lohn ist ein Panorama, das jede Anstrengung der Wanderung rechtfertigt. Man schaut über Lavafelder, die Cañadas-Ebene und an klaren Tagen sogar bis zur Nachbarinsel La Palma. Dieser Naturspielplatz gehört mit Abstand zu den wichtigsten must-see-Orten der Insel.
Alles zusammen – das romantische Weingut Monje, die dramatischen Küstenstraßen, das charmante Garachico, die sehenswerte Montaña Blanca und der eindrucksvolle Teide – ergibt ein Teneriffa, das sich schon recht beeindruckend präsentieren kann. Es ist rau und wild, aber auch entspannt und kulinarisch nett. Und genau deswegen lohnt sich jeder Kilometer entlang der Küste, jede Kurve an den Klippen und jeder Schluck Wein lokaler Rebsorten…
Informationen:
Weingut Monja: www.bodegasmonje.com/en
Meson del Norte: www.facebook.com/rstemesondelnorte
Tourismus Teneriffa: www.informacionturisticatenerife.com
Fotos: Michael Schabacker











