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Superber Spumante: Der Saignée della Rocca von Conte Vistarino

Diesmal ist es ein reiner, hundertprozentiger Pinot Nero Rosé Brut, der unter den Fittichen von Ottavia Giorgi Vimercati di Vistarino und ihrem Team um den Önologen Beppe Caviola und den Agronomen Paolo Fiocchi Spitzenergebnisse bei der internationalen Weinkritik erzielt und mühelos 92 Punkte und mehr erreicht. Ein Grund dürfte u. a. die 2015 bis 2018 neugeschaffene Cantina sein, in der exklusiv nur das Aushängeschild des Weingutes, die roten und weißen Trauben des Pinot Nero auch als Basis für den Spumante gekeltert werden.

Und auch der Saignée della Rocca entstand hier neben den drei Spitzen-Crus „Pernice“, „Bertone“ und „Tavernetto“, dem Pinot Nero Costa del Nero und dem Metodo Classico „1865“. Im Juni 2020 abgefüllt, ist er, ob in der 0,75-l-Flasche oder auch in der Magnum-Version, eine echte Wucht. Wer ihn entdecken möchte, sollte sich umgehend in die Lombardei ins Oltrepo Pavese begeben und dem Weingut Conte Vistarino im winzigen, aktuell nur 67 Einwohner zählenden Weiler Rocca de` Giorgi, lokal kurz „La Preda“ genannt, die Aufwartung machen. Dort lockt die Besichtigung mit Degustation.

Und natürlich sollte man bei der Gelegenheit die Chance nutzen, auch dem Tal des 30 km langen Scuropasso-Flusses die Referenz zu erweisen. Denn hier reifen – in 200 bis 400 m Höhe – die perfekten Pinot-Noir-Trauben! Und natürlich muss man auch zur in 350 m Höhe aufragenden Burg, dem Castello di Rocca de‘ Giorgi, das auch Castello di Messer Fiorello oder Roccafirella genannt wird. Eine Befestigung existierte hier bereits im Hochmittelalter, um 1164 wurde sie auch Rocca di Aimerico genannt. Nach dem Aussterben der Adelsfamilie Beccaria im Jahr 1629 ging sie samt Dorf schließlich in Besitz der Conti Giorgi di Vistarino. Und so weist der Name des herrlichen, durch seine Zwiebelschalenfarbe beeindruckenden Saignée della Rocca auch auf die Burg hin.

Die Familie Vistarino. Foto: Conte Vistarino Società Agricola
Die Familie Vistarino. Foto: Conte Vistarino Società Agricola

Übersetzen könnte man diesen Weinnamen etwa mit „Aderlass der Burg“! Wer es profaner mag, darf sich auch mit „Zapfstelle der Burg“ anfreunden! In jedem Fall überzeugt der Saignée della Rocca auch durch seine Perlage und seine komplexen Aromen mit Noten von roten Früchten und Beeren, z. B. Himbeere. Wer indes keine Zeit hat, die Lombardei zu durchstreifen, kann diesen und weitere Spitzenweine von Conte Vistarino auch direkt online vom Gut oder bei ausgewählten deutschen Weinhändlern ordern. Das Preisniveau bewegt sich um die 20 Euro pro 0,75-l-Flasche

Immerhin 400 000 Flaschen werden jährlich auf dem Weingut Conte Vistarino abgefüllt. Platz genug ist dafür da. Und natürlich sorgt Ottavia Giorgi Vimercati di Vistarino seit einigen Jahren mit großer Verantwortung und mit dem Ziel zur Nachhaltigkeit dafür, dass das Weingut immer neue Akzente auf dem nationalen wie internationalen Weinmarkt zu setzen vermag. Seit nun 22 Jahren steht sie diesem imposanten Großunternehmen vor, das sich auf 826 ha auf dem seit Mitte des 15. Jahrhunderts existierenden einstigen Gut Tenuta Rocca de` Giorgi erstreckt. Hier baut Conte Vistarino seit 1674 Wein an. 200 ha Weinberge sind dafür reserviert.

Aber für Nachhaltigkeit, den Schutz der Umwelt und der Natur sowie der Biodiversität sorgen neben vielen von Ottavia Vistarino eingeführten neuen Regeln auch die zahlreichen Wiesen, die 100 ha naturbelassener Wald, die 120 ha Baumpflanzungen und die für die Waldwirtschaft genutzten 100 ha. Denn was den Pinot Nero bzw. Pinot Noir angeht, darf Conte Vistarino für sich in Anspruch nehmen, in Italien für diese Traube führend in der Qualität zu sein. 140 ha der Weinberge sind für ihn reserviert. Auf den weiteren 60 ha wachsen autochthone Trauben und internationale Varietäten: Pinot Grigio, Rheinriesling, Croatina, Cabernet Sauvignon, Merlot, Barbera, Chardonnay oder Moscato. Oberstes Ziel von Ottavia Giorgi Vimercati di Vistarino ist es indes, beständig die Qualität ihrer Weine zu verfeinern.

Die Weinberge und die Villa Fornace. Foto: Conte Vistarino Società Agricola
Die Weinberge und die Villa Fornace. Foto: Conte Vistarino Società Agricola

Basis all dieser Unternehmungen ist die 4-Millionen-Euro-Investition in den hochmodernen Weinkeller, der sich neben dem ehrwürdigen, von der Familie bis heute bewohnten Domizil der historischen Villa Fornace entstand. Für diesen Hightech-Weinkeller mussten direkt neben der Villa Fornace, die der Hausarchitekt König Umbertos I., Achille Majnoni (1855 – 1935) samt Orangerie und englischem Garten schuf, die alten, schon im Jahr 1904 errichteten Wirtschaftsgebäude umgebaut und erweitert werden. Die neue Avantgarde-Kelterei nutzt vor allem auch die Schwerkraft. Gewidmet ist die Cantina dem Pionier der Familie, Conte (Graf) Augusto Carlo Giorgi di Vistarino.

Ab 1850 importierte er die ersten Pinot-Nero-Klone nach Italien ins lombardische Weinbaugebiet Oltrepo Pavese. Rasch erkannte er, dass sich das Scuropasso-Tal perfekt für Pinot Noir eignet. Anfangs schickte man die Trauben nach Savoyen und Frankreich. Doch 1865 schuf Graf Vistarino auf Empfehlung von Carlo Gancia den ersten Schaumwein Italiens, einen Spumante „Metodo Classico Brut“. Und so ist der Metodo Classico „1865“ von Conte Vistarino heute auch eine Hommage an den Gründer!

Und auch die Trauben des Saignée della Rocca profitieren von der Pionierzeit. Sie gedeihen in 200 bis 400 m Höhe auf den Hügeln im Scuropasso-Tal, wachsen auf kalkhaltigem Boden und werden von Hand in Kisten von 20 kg Fassungsvermögen geerntet. Dafür ideal ist die letzte Woche im August. Anschließend werden die Trauben in einem 10°C kalten Raum für 12 Stunden gelagert. Es folgt ein kurzer Aufenthalt in der Weinpresse, um die typische Farbe der Zwiebelschale zu extrahieren. 45 Prozent des Ernteertrags wandert dann in Stahl, dessen Temperatur kontrolliert wird. Dann bleibt der Wein auf seinem Weintrub bis zum Ende der Fermentierung im nächsten Frühling. Mindestens 24 Monate lagert er dann auf der Hefe, ehe die Abfüllung bei einer Dosierung von 7 Gramm Zucker pro Liter erfolgt. Das Ergebnis ist ein Wein mit brillantem Rosé und Apricot-Tönen, fruchtig und vielschichtig zugleich.

Etikett des Saignée della Rocca von Conte Vistarino. Foto: Conte Vistarino Società Agricola
Etikett des Saignée della Rocca von Conte Vistarino. Foto: Conte Vistarino Società Agricola

Natürlich überzeugt Conte Vistarino auch mit weiteren Spitzenweinen. Da ist z. B. der Costa del Nero Pinot Nero Oltrepo Pavese DOC (100 Prozent Pinot Nero, 14 % Alk.). Ganz oben im Sortiment stehen die drei Spitzen-IGT-Crus mit je satten 14 % Alkoholgehalt. Es sind die nach ihren jeweiligen Weinbergen benannten „Pernice”, „Bertone” und „Tavernetto”. Aktuell erreicht der „Tavenetto Pinot Nero 2016” hohe Bewertungen. Bedeutend sind auch die authochtonen Trauben: Dies beweist der feurige Rotwein „Buttafuoco” dell`Oltrepo Pavese DOC (14 % Alkohol) mit Trauben aus Croatina, Barbera und weiteren seltenen Rebsorten. Für das Spitzen-Renomée sorgen dann die Schaumweine von Conte Vistarino. Als Metodo Classico produziert, ragen der „1865” und aktuell der Saignee della Rocca und der vom Gambero Rosso mit „drei Gläsern” gewürdigte „Cépage Brut” heraus. Schließlich gibt es auch noch den Interesse weckenden Rheinriesling „Ries”.


Information:

Conte Vistarino Società Agricola, www.contevistarino.it 

Fotos: Conte Vistarino Società Agricola