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Südmähren zwischen Kellergassen und Kulturerbe

Und dann ist da noch der Wein – samtig, fruchtig, charaktervoll. Er wächst unter der milden Sonne Südmährens und wird in Kellergassen ausgeschenkt, in denen das Leben stillzustehen scheint. Brünn, die pulsierende Kulturhauptstadt der Region, überrascht mit einer innovativen Kulturszene.

Kultur, Keller und Kulisse

Während das Holzboot lautlos über die Wasserflächen im Park von Schloss Lednice gleitet, ist viel zu entdecken. Blaue Libellen tanzen über Teppichen aus gelben Seerosen, ein Reh grast am Ufer, Enten queren die Wasserstraße und Greifvögel kreisen auf der Suche nach Beute über frisch gemähten Wiesen. Ringsum entfaltet sich eine Szenerie wie aus einem Gemälde: Mehr als 500 Pflanzenarten, hauptsächlich riesige Bäume aus aller Welt, regen zum Staunen an. Das historische Palmenhaus mit einem etwa 400 Jahre alten Palmfarn (Encephalartos altensteinii) wurde in den Jahren 1843–1845 erbaut. 

Schloss Lednice. Foto: Carola Faber
Schloss Lednice. Foto: Carola Faber

Nach dem neogotischen Umbau im 19. Jahrhundert beeindruckt das Schloss, das einem Märchen entsprungen sein könnte, mit seinem feudalen Interieur und reich verzierten Holzdecken aus Walnuss, Eiche oder Pinie. Dank der einzigartigen Verbindung von Baudenkmälern mit der umliegenden, vom Menschen geformten Natur wurde das gesamte Areal von Lednice–Valtice (Feldsberg) im Jahre 1996 in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen.

Weinberge und Welterbe

Die Radtour führt weiter – eine Ringelnatter wärmt sich auf dem Asphalt, Hasen huschen über den Weg, Schwäne mit ihren Jungen gleiten durch die Teiche und Kraniche schreiten durch das Schilf. Es geht vorbei an Sumpfgebieten, durch dichte Wälder, vorbei an Seen, an Aussichtstürmen. Und immer wieder säumen alte, imposante Herrensitze den Weg. Sie sind eingerahmt von Weingärten, Obstwiesen und Feldern mit Getreide oder weißem Mohn. Es ist eine sanft gewellte Landschaft, einfach nur schön!

Auf dem Weg durch das Gebiet Lednice-Valtice lassen sich einige besonders beeindruckende Bauwerke entdecken: Die Kolonnade Reistna mit ihren mächtigen Säulen erinnert an einen römischen Triumphbogen und bietet einen herrlichen Ausblick auf die Umgebung. Das charmante Jagdschloss diente einst den Fürsten von Liechtenstein als stilvoller Rückzugsort während der Jagd. 

Im Park von Schloss Lednice. Foto: Carola Faber
Im Park von Schloss Lednice. Foto: Carola Faber

Und ein weiteres Highlight ist der Drei-Grazien-Tempel, ein kleiner klassizistischer Pavillon mit einer Skulptur der drei Grazien – Symbolfigur Schloss Valtice, einstiger Sitz der Fürsten von Liechtenstein, beeindruckt noch heute mit prachtvoller Barockarchitektur und reicher Geschichte. Im 17. und 18. Jahrhundert wurde die Burg zu einem repräsentativen Schloss umgebaut. Heute gehört es zum UNESCO-Welterbe Lednice-Valtice. Ein besonderes Highlight: Im historischen Weinkeller befindet sich der Nationale Weinsalon Tschechiens, in dem die höchstprämierten tschechischen Weine verkostet werden können.

Mikulov verzaubert mit seinem ganz besonderen Charme: bunte Bürgerhäuser im Renaissance-Stil, ein historisches jüdisches Viertel und das prachtvolle Barockschloss, das mit einer spannenden Ausstellung zur Weinkultur beeindruckt. Auch die gotisch-renaissancezeitliche St.-Wenzels-Kirche und die stimmungsvollen Plätze der Stadt laden zum Verweilen ein. Wer gern wandert, sollte sich den Heiligen Hügel nicht entgehen lassen – ein Naturreservat und bedeutender Wallfahrtsort zugleich. 

Schon aus der Ferne sind die Kirche St. Sebastian, der Glockenturm und die reich verzierten Kreuzwegkapellen zu sehen. Mikulov ist ein Ort, an dem sich Geschichte in der Architektur spiegelt, wo Natur und Kultur Hand in Hand gehen – und wo ein gutes Glas Wein die Seele streichelt.

Auf dem Weg zur Kirche St. Sebastian. Foto: Carola Faber
Auf dem Weg zur Kirche St. Sebastian. Foto: Carola Faber

Märchenhafte Kellergassen

Die gut ausgeschilderte Radtour durch die Blauen Berge (Modré hory) in Südmähren, ausgehend von Velké Pavlovice, ist eine beliebte Route, die durch die Weinberge und beschaulichen Landschaft der Region führt. Typisch für Südmähren und ein echtes Kulturerbe: die Kellergassen. Mancherorts sind sie so beeindruckend, dass sie heute unter Denkmalschutz stehen. Besonders eindrucksvoll zeigt sich das in Vrbica. 

Dort, am Hang des Hügels Stráž, reihen sich in mehreren Etagen die „Hobbit-Keller“ aneinander – liebevoll so genannt wegen ihrer niedrigen Eingänge, der Grasdächer aus denen kleine Schornsteine ragen und der märchenhaften Atmosphäre. Diese außergewöhnliche Kellerlandschaft ist eines der Highlights in der Region Modré hory. Die Kellerkolonie „Unter dem Stražnicer Hügel“ besteht aus zahlreichen Sandsteinkellern – jedes Stockwerk mit eigenem Namen, aber in einheitlichem Stil. Die Eingänge erinnern mit ihren spitz zulaufenden Bögen an gotische Architektur und verleihen dem Ensemble eine fast sakrale Wirkung.

Mit seinen malerischen Landschaften bietet Südmähren auch ein breites Spektrum an Radtouren. Foto: Carola Faber
Mit seinen malerischen Landschaften bietet Südmähren auch ein breites Spektrum an Radtouren. Foto: Carola Faber

Über allem thront die Kirche des Heiligen Ägidius, erbaut Anfang des 20. Jahrhunderts. Vom Hügel aus bietet sich ein weiter Blick über die rebenreiche Landschaft. Nicht weit entfernt steht ein Bauwerk, das sich deutlich von traditionellen Aussichtstürmen abhebt: der sogenannte „Weinturm“ auf dem Kobylí vrch – auch als „Homole“ (Zuckerhut) bekannt. Mit 334 Metern über dem Meeresspiegel ist dies der höchste Punkt der Umgebung.

Symbol Lebenszyklus

Die Aussichtsplattform in der Nähe von Boretice ist ein architektonisches Statement. Keine senkrechte Konstruktion, sondern eine kreisförmige Rampe, deren Form an ein Schneckenhaus erinnert – Symbol für den natürlichen Lebenszyklus. Wer hinaufgeht, begegnet einem bodennahen Informationssystem, das als Zeitstrahl konzipiert wurde und Orientierung im Raum bietet. Dies ist auch die Heimat von Winzerin Zuzka Bukovská. Sie hat sich ihren Platz in einer Männerdomäne erobert. Auf 2,5 Hektar Land baut sie seit 2016 Reben für ihre Bioweine an.

Winzerin Zuzka Bukovská. Foto: Carola Faber
Winzerin Zuzka Bukovská. Foto: Carola Faber

„Die Arbeit ist hart. Ich genieße es, dass jeder Jahrgang anders ist und gerade das ist der Zauber. Um den Weinen Raum zu geben, versuche ich nicht, einheitliche Weine zu machen, sondern so wenig wie möglich einzugreifen. Ich bin fasziniert von der Vielfalt. Für mich ist die Weinherstellung ein Handwerk, bei dem Neugier, Hartnäckigkeit und Bescheidenheit mehr als gefragt sind“, erklärt die einzige Winzerin des Dorfes.

Die Tour endet nicht auf dem Gipfel – sie führt weiter durch das idyllische Landschaftsrelief, über Wege, gesäumt von üppigen Kirsch- und Maulbeerbäumen, bis in die Weinstadt Velké Pavlovice. Es ist eine Region, in der sich Natur, Geschichte und Wein zu einem sinnlichen Erlebnis verbinden.

Informationen:

Korek Mikolov,  www.korekmikulov.cz

Villa Daniela, www.sklepuvaly.cz

Pivovar Lednice, www.gourmetsouthmoravia.eu/podniky/pivovar-lednice-2

Hotel Lotrinsky, www.hotel-lotrinsky.cz/de

Winery Sonberk, www.sonberk.cz/en

Vinařství Tři Čtvrtě, www.tri-ctvrte.cz

Region Südmähren, www.sued-maehren.de

Tschechien allg., www.visitczechia.com

Fotos: Carola Faber

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