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Shooting-Stars: Fotosafari im Chobe-Nationalpark

Nein, Guts würde diese Portraitaufnahme von sich bestimmt nicht gut finden, wahrscheinlich sogar ausgesprochen schlecht. Das hat aber nichts mit Eitelkeit zu tun, sondern mit seinem hohen fotografischen Anspruch. Und ums Fotografieren dreht sich hier schließlich alles – eine Entschuldigung vorab erscheint also angebracht. 

Rückblende: Kasane, Botswana, an einem frühen Nachmittag. Vor der Pangolin Chobe Lodge erwartet das kleine Empfangskomitee winkend die Neuankömmlinge. Willkommen bei Pangolin Photo Safaris, einem der renommiertesten Anbieter von Fotosafaris unter professioneller Anleitung. Zur Begrüßung erhält jeder Teilnehmer erst einmal eine fabrikneue Canon R6 Mark II mit Canon-Teleobjektiv 100–500 Millimeter, beides mit einem Neupreis von je rund 2.500 Euro. Die Profifotoausrüstung wird in den kommenden Tagen unser ständiger Begleiter, Werkzeug und Lehrmaterial sein. 

Gerhard „Guts“ Swanepoel von Pangolin Photo Safaris. Foto: Jochen Hägele
Gerhard „Guts“ Swanepoel von Pangolin Photo Safaris. Foto: Jochen Hägele

Der Sucher eröffnet neue Perspektiven

Als Gerhard „Guts“ Swanepoel und sein Geschäftspartner Toby Jermyn vor mehr als zehn Jahren mit Pangolin starteten, erfanden sie ein völlig neues Konzept. Klar, Fotosafaris hatte es schon immer gegeben, aber früher mussten die Reisenden meist ihre Safariplanung mit der eines zusätzlich angeheuerten Fotografen abstimmen. Eine eigene Kamera brauchte es sowieso. Das wollten die beiden ändern. Ihre Gäste sollten nicht einfach an die besten Plätze für Tieraufnahmen und in die bestmögliche Foto-Position chauffiert werden. Vielmehr wollten sie ihnen den professionellen Umgang mit der Kamera beibringen und den Blick für das beste Motiv und Perspektive schärfen. 

Am Anfang stand ein eigenes Hausboot mit Platz für zehn Gäste, das noch heute seinen Stammplatz auf dem Chobe River hat. 2018 eröffnete dann das Pangolin Chobe Hotel, von dem aus die Gäste mit ihren Foto-Guides zu Touren mit den eigenen Booten und Geländewagen im Chobe Nationalpark aufbrechen.

Fotosafari per Boot auf dem Chobe River. Foto: Jochen Hägele
Fotosafari per Boot auf dem Chobe River. Foto: Jochen Hägele

Der Chobe Nationalpark bildet zusammen mit 35 weiteren Parks die länderübergreifende Kavango-Zambezi Transfrontier Conservation Area (kurz: „Kavango-Zambezi“). Mit rund 520.000 Quadratkilometern ist der 2011 gegründete Kavango-Zambezi das größte grenzübergreifende Tierschutzgebiet der Welt und umfasst Gebiete in Angola, Botswana, Namibia, Sambia und Simbabwe. Mit Kavango-Zambezi wollen die beteiligten Länder neue Wege beschreiten und nachhaltigen Tourismus mit Unterstützung der lokalen Bevölkerung und freien Wanderwegen für die großen Tierherden verbinden.

Der Chobe Nationalpark selbst hat eine enorme Elefanten-Population von bis zu 120.000 Tieren, je nach Jahreszeit, denn die Elefanten wandern innerhalb des Kavango-Zambezi von Park zu Park, dazu Nilpferde, Krokodile, Löwen, Geparden und eine unglaubliche Vielfalt von Vögeln, die Bird-Watcher aus der ganzen Welt anzieht.

Elefanten am Chobe River. Foto: Charl Stols
Elefanten am Chobe River. Foto: Charl Stols

Fotopirsch zu Wasser und zu Land

Guts selbst sammelte vor Pangolin Erfahrung als Fotograf und war unter anderem auch für die UN-Friedenstruppen im Mittleren Osten im Einsatz. Militärisch wirken auch die selbst-entwickelten, vollschwenkbaren Kamerastative, die Pangolin auf den acht eigenen Safaribooten einsetzt. Die Boote sind in den weitläufigen Wasserarmen für viele Aufnahmen und Perspektiven das ideale Gefährt. Sie ermöglichen ein fast geräuschloses Anpirschen und die flachen Winkel über der Wasserlinie erlauben oft einzigartige Perspektiven. 

Die Landschaft, Tierwelt und das Licht des Chobe verändern sich von der Trockenzeit von Juli bis November, in der die großen Tierherden ans Wasser kommen, bis zur Regenzeit von Februar bis April, wenn die Zugvögel in den Flussebenen gastieren.  Jede Jahreszeit bringt etwas Neues und Aufregendes und eine großartige Gelegenheit zum Fotografieren, erklärt unser Foto-Guide. Neben Familien kommen viele ältere Gäste, die im Ruhestand nicht nur die Welt entdecken und bereisen möchten, sondern dass auch mit einem inspirierenden Hobby verbinden – und so bei der Fotografie landen. Immer wieder kommen auch professionelle Tierfotografen und Filmteams. So drehte etwa BBC TV auf seinen Booten für die Planet Earth Serie.

Jacana (Blatthühnchen) im Chobe Nationalpark. Foto: Charl Stols
Jacana (Blatthühnchen) im Chobe Nationalpark. Foto: Charl Stols

Hochgesteckte Erwartungen

Viele Gäste kommen mit hochgesteckten Erwartungen. Und wo immer möglich, werden diese erfüllt. Einen der Gäste begleitete das Team einmal tagelang, um alle 27 Grasarten Botswanas zu fotografieren. Das sich die Natur der absoluten Kontrolle entzieht, macht einen Teil der Faszination aus: Wenn der Löwe auf der falschen Seite des Autos vorbeiläuft, dann gehört das eben dazu. Heikel kann es auch werden, wenn Vogelbegeisterte und „normale“ Tierfotografen zusammenkommen und die Entscheidung während der Safari Löwe oder Vogel lautet. Schon vorab wird daher jeder nach seinen Vorlieben gefragt.

Pangolin selbst stellt Kameras unterschiedlicher Hersteller zur Verfügung und auch, wer mit eigener Kamera anreist, wird fachkundig und individuell betreut. Die Trainer kennen sich mit allen gängigen Kameraherstellern wie Nikon, Canon oder Pentax aus. Auch das Smartphone wird nicht verachtet. „Mit dem iPhone lassen sich fantastische Sachen machen, wenn auch alles natürlich digital ist“, sagt auch Guts. Deshalb gibt es auch Tipps für Gäste, die ihre Bilder lieber mit dem Smartphone machen oder als Begleiter mitfahren.

Leopard im Sonnenuntergang. Foto: Charl Stols
Leopard im Sonnenuntergang. Foto: Charl Stols

40 Bilder pro Sekunde

Mit dem Boot geht es flussabwärts zu den Kasane-Stromschnellen mit einer unglaublichen Vielfalt von Vögeln und Nistplätzen. Vögel zu fotografieren, ist eine Herausforderung, erklärt der Guide: Du musst Dich anpirschen, ruhig verhalten und im richtigen Augenblick am Auslöser sein. „Shoot, shoot, shoot“, brüllt er, wenn sich einer der zahlreichen Reiher, Rotschnabel-Gimpel oder Eisvögel in die Luft erhebt. „Ich will eure Auslöser hören.“ 40-mal pro Sekunde hämmert der Verschluss. Da heißt es draufhalten und mit der Flugbahn mitziehen. 

Die Technik hilft dabei. Vor etwa zehn Jahren brachten die Hersteller die ersten Kameras auf den Markt, bei denen in manueller Einstellung alle drei Variablen – Blende, Verschlusszeit und Lichtempfindlichkeit – gewählt werden können. Das war eine Revolution. Genau wie das „Eye-Tracking“, bei dem die Kamera direkt auf das Auge des Zielobjekts fokussiert.

Long-toed Lapwing (Langzehenkiebitz). Foto: Jochen Hägele
Long-toed Lapwing (Langzehenkiebitz). Foto: Jochen Hägele

Am ersten Tag fotografieren wir noch in der Programm-Automatik, dann auf manueller Einstellung. Jetzt kommt das Zusammenwirken von Lichtempfindlichkeit, Verschlusszeit und Blende und das Histogramm ins Spiel. Die Helligkeitsverteilung soll ihren Höhepunkt nahe am rechten Rand der Verteilung haben, diesen aber nicht berühren. 

Dann sind alle Farben enthalten, aber die Weißtöne sind nicht verbrannt. Ist das Verteilungsmaximum zu weit links, dann fehlen wichtige Bildinformationen, die sich auch bei der Nachbearbeitung nicht mehr abrufen lassen. Bei der gemeinsamen Nachbearbeitung im Labor werden die Fotos dann verglichen, bearbeitet und der beste Ausschnitt gewählt.

Gray Heron (Graureiher). Foto: Jochen Hägele
Gray Heron (Graureiher). Foto: Jochen Hägele

Von Kasane aus werden auch Safaris in die Kalahari oder das Okavango-Delta unternommen. Pangolin Photo Camps werden auch mit Partner-Lodges im südlichen Afrika und der Masai Mara organisiert. Immer wieder führen auch Expeditionen über den afrikanischen Kontinent hinaus. „Fotografie lässt uns die Dinge anders sehen“, sagt Guts. Doch da hat uns die Welt im Sucher längst in ihren Bann gezogen. 


Informationen:

www.pangolinphoto.com

www.uncoverkavangozambezi.com

Fotos: Jochen Hägele, Charl Stols

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