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Romagnas Weinwelt auf der großen Bühne

Das 1962 gegründete Consorzio Vini di Romagna vereint Winzer, Genossenschaften und Abfüller, die gemeinsam die Herkunftsbezeichnungen der Region schützen und weiterentwickeln. Dank konsequenter Qualitätsarbeit hat sich die Romagna fest auf Italiens Weinlandkarte etabliert. Die Jubiläumsausgabe von Vini ad Arte unterstreicht, wie der Romagna Sangiovese heute als großer italienischer Rotwein neben Barolo oder Chianti Classico bestehen kann – charmant zugänglich, zugleich tiefgründig und von klarer regionaler Identität. „Unsere Sangiovese-Stilistik erreicht ihre Trinkreife vergleichsweise früh, besitzt weniger Tannine und bleibt dennoch charaktervoll“, erklärt Konsortiumspräsident Roberto Monti.

Terroir als Mosaik

Die Romagna zeigt, wie vielfältig Sangiovese sein kann. Hinter dem Konsortium stehen acht Genossenschaften, 107 private Weingüter, vier Abfüller und rund 5.200 Hektar Rebfläche, die unter DOC- und DOCG-Siegel registriert sind. Dieses Netzwerk bringt ein Kaleidoskop an Böden, Mikroklimata und Lagen hervor, das sich in immer differenzierteren Weinstilen niederschlägt.

Neue Landkarten der Herkunft

Für Aufmerksamkeit sorgte in diesem Jahr der Weinkartograph Alessandro Masnaghetti, der seine neueste Karte der Unterzonen des Romagna Sangiovese vorstellte. Masnaghetti, bekannt für seine akribischen Arbeiten zu Barolo, Barbaresco, Chianti Classico, Bolgheri und Valpolicella, hat die Weinlandschaft der Romagna bis ins geologische Detail vermessen. Seine Karten sind längst unverzichtbare Werkzeuge für Produzenten, Sommeliers und passionierte Weinliebhaber, die den Ursprung eines Sangiovese nicht nur erschmecken, sondern auch geografisch verorten möchten. Die offiziell definierten Untergebiete – vom kalkreichen Predappio über das kühle Modigliana bis zu den mineralischen Hängen von Brisighella, den geschichtsträchtigen Weinbergen von Castrocaro oder dem eleganten Bertinoro – erzählen jeweils ihre eigene Geschichte aus Klima, Höhenlage und Tradition. So entsteht eine sensorische Landkarte, die Entdeckern Orientierung und Inspiration zugleich bietet.

„Meterweise“ Verkostung in der Villa Abbondanzi. Foto: Carola Faber
„Meterweise“ Verkostung in der Villa Abbondanzi. Foto: Carola Faber

Reifeprüfung bestanden

Ein weiterer Höhepunkt war die Verkostung gereifter Sangiovese – Flaschen aus den 1990er Jahren bis heute, die das beachtliche Lagerpotenzial der Rebsorte eindrucksvoll belegten. Besonders beeindruckend: ein Pietramora Sangiovese di Romagna Superiore Riserva 1985 von Cristina Geminiani und ein Drei Dona Vigna Pruno Sangiovese Superiore Riserva 1993. „Schließt man die Augen, spürt man die Energie von Tanninen und Säure – dieser Wein wirkt alles andere als dreißig Jahre alt“, schwärmt Andrea Duni von der AIS Piemont.

Albana – die weiße Ikone

Neben dem Sangiovese glänzt der Romagna Albana DOCG als weiteres Aushängeschild. 1987 als erster italienischer Weißwein mit dem DOCG-Status geadelt, verbindet er Eleganz und Struktur und überrascht in trockener Ausprägung mit Tiefe und Frische. Ob als Albana Secco aus Stahl oder Amphore, als Amabile, Dolce, Passito, Passito Riserva oder Spumante – die Vielgestaltigkeit dieses Weins spiegelt die kreative Energie der Region. „Der Albana ist ein Identitätswein für unsere Winzer und für die Romagna selbst – ein Wein, der sowohl Speisen begleitet als auch für sich allein glänzt“, betont Konsortiumsdirektor Filberto Mazzanti.

Fotos: Carola Faber

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