Berühmt ist er, der Duero-Fluss. Viele Legenden ranken sich um das Geschehen an seinem Lauf. Bei Soria ganz im Osten steht beispielsweise das beeindruckende Monastero de San Juan de Duero mit einer gruseligen Historie aus unruhigen Zeiten, das einzige achteckige Kloster Europas. Von der Quelle in der Provinz Soria in der autonomen Region Kastilien-Léon durchfließt er auf etwa 897 Kilometern als zweitlängster Fluss Spaniens mehrere nordspanische und nordportugiesische Provinzen und mündet schließlich bei Porto in den Atlantik.
Antonio Machado, spanischer Lyriker, widmete dem Strom mit seinem tiefgründigen Epos „A Orillas del Duero“/An den Ufern des Duero und mit „Campos de Castilla“ eine Hommage an sein Volk und die Landschaft. Es gilt als Schlüsselwerk der spanischen Poesie des 20.Jahrhunderts.
7.419 Winzerinnen und Winzer
Der Weinanbau an seinen Ufern und beidseitig anliegenden Regionen wird schon seit über 400 Jahren gepflegt – viele Kellerstollen unter der Stadt Aranda del Duero, die im geografischen Zentrum liegt, zeugen von dieser langen Geschichte. Insgesamt sind es neun Provinzen mit 89 Gemeinden, 317 Weingüter auf Weinlagen zwischen 720 und 1000 Metern Höhe auf rund 28.000 Hektar Rebfläche. Elf Prozent der Reben sind über 50 Jahre alt, 7.419 Winzerinnen und Winzer arbeiten für höchste Qualität.
Toleranz gegenüber komplementären Weinsorten
Tempranillo – der „Tinta des País alias Tinto fino“ – wie die Tempranillo Traube am Duero üblicherweise genannt wird, ist die vorherrschende Rebsorte in der D.O. und stellt etwa 95 Prozent der gesamten Rebfläche. In der Region werden in geringem Umfang komplementäre Sorten wie Cabernet Sauvignon, Merlot, Malbec, Garnacha Tinta und Albillo Mayor toleriert. Genauer betrachtet jedoch seien diese internationalen Trauben eher Beiwerk.
Vor 1980 produzierte das Gebiet sogenannte Claretes im Verschnitt von weißen und roten Trauben. Ebenso wie tiefdunkle Tintos, die in Nordwestspanien hoch gehandelt wurden. Das Ende der Franco-Diktatur 1975 führte zur neuen Investitionseinflüssen in den ländlichen Gebieten und zur Gründung von Genossenschaften. Einige wenige Winzerfamilien begannen 1980, der Weinlandschaft an den Ufern des Duero neues Leben einzuhauchen.
Der Dominio del Pidio von 2020
Zu ihnen gehört das Weingut der Familie von Amalio Aragón, Cillar de Silos. Dort produzierten sie den Dominio del Pidio. Hauptanteil ist 95 Prozent Tinto Fino/Tempranillo, etwa fünf Prozent weißer Albillo Mayor von 100 Jahre alten Weinbergen in Quintanadel Pidio (Burgos). Nach der alkoholischen Gärung in Zementtanks reifte er 16 Monate in französischer Eiche.
Eindringliche Aromen – herzhafte Küche
Zu den deutlichen Aromen von schwarzer Kirsche, Lakritze und schwarzem Pfeffer machen sich Schokolade, Feigen und Veilchen bemerkbar – ein sehr blumiger Rotwein. Er überzeugt durch seine Tiefe und Ausgewogenheit, man kann ihn als körperreich, mit geschmeidiger Textur und langem Abgang beschreiben, er hinterlässt trotz Inhaltsschwere ein Gefühl von Leichtigkeit.
Ausgezeichnet munden die Weine der Quintana del Pidio zu den kulinarischen Spezialitäten von Castillo y Léon wie deftigem Spanferkel und Lamm, Cecon Rohschinken, Räucherfleisch oder Chorion oder durchaus zu dem berühmten Poncho Segoviano Biskuitkuchen mit Marzipanüberzug. Sein Preis bewegt sich zwischen 60 und 80 Euro. Präsentiert wird er in einem Kartonetui.
Viyuela Barrica 2022
Der Viyuela Barrica von 2022 stammt aus der Bodegas Viyuela in Boada de Roa (Burgos). Mit 75 Prozent Temperanillo-Anteil entspricht er ebenfalls der Forderung für den Erhalt eines Gütesiegels des Gebietes. Der Charakter reinen Tempranillos unterscheidet sich von anderen Temperanillo-Provenienzen darin, dass die beerige Frucht mehr Tannin aufweist und damit auch mehr Farbe. Der lange Reifezyklus auf der Hochebene von Boada de Roa fördert eine starke Polymetrisation der Tannine – das ist der ein natürlicher Prozess während der Flaschengärung – und damit süßere Gerbstoffe.
Typisch für den Wein sind intensive Aromen von roten Früchten, Kräutern, Mineralien und Eichennote. Sowohl Waldbeeren als auch Wildbeeren setzen sich durch und geben eine breite aromatische Intensität, reife rote Früchte, Gewürze wie Balsamico, Muskatnuss und Nelken. Süßholz – Veilchen und balsamische Barrique-Noten erst beim zweiten Schluck.
Er ist frisch am Gaumen, fleischig mit süßen Tanninen reifer Trauben. Der seidige Abgang hat seine Ursache in der Malo/malolaktischen Gärung/Biologischer Säureabbau im Fass. Das Bouquet ist komplex, es wird im Abgang durch feine Röstaromen ergänzt. Pizza und Käse, aber auch Grillgerichte rundet er perfekt ab. Mit um die 10 Euro sehr gute Preis-Leistungsverhältnis.
Conde San Cristóbal 2021
Der dritte Rote, Conde de San Cristóbal 2021, ein Vino Tinto de La Añada, wird hergestellt von der Bodega y Viñedos Conde de San Cristóbal. Das Weingut befindet sich auf einem historischen Anwesen, welches bereits im 16. Jahrhundert für den Weinanbau berühmt war und das Königshaus von Philipp II. mit seinen Weinen belieferte. Die 80ha Weinberge befinden sich nahe der Stadt Peñafiel (Valladolid) im Herzen der sogenannten „Goldenen Meile“ der D.O. Ribera del Duero und sind in eine Vielzahl an Mikro-Parzellen von reinsortigen Tempranillo-Trauben unterteilt.
Keine Pestizide und Herbizide
2008 gegründet, gehört das Weingut zur Gruppe Vinícola Marqués de Vargas. Die Reben wachsen auf einem sehr komplexen Terroir, bestehend aus sieben unterschiedlichen Bodenarten, in unterschiedlichen Höhenlagen und Ausrichtungen. Für die Bewirtschaftung der Weinberge wird gänzlich auf die Verwendung von umweltschädlichen Produkten wie Pestiziden und Herbiziden verzichtet, stattdessen werden natürliche Düngemittel eingesetzt.
Beim Conde von 2021 sind es bis zu 80% aus der Sorte Tinto, ein kleiner Prozentsatz von Cabernet Sauvignon und Merlot. Nach der Weinbereitung reift der Conde de San Cristóbal zwölf bis 14 Monate in neuen französischen, russischen und amerikanischen Barrique-Eichenfässern. Er hat zweifellos einen fruchtigen Charakter, passt rotem Fleisch und Wild wie auch zu Schokolade, sein Preis liegt bei 22 Euro.
Fotos: Ribera del Duero

