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Ostseebad Sopot an der polnischen Riviera

Sopot hieß einst Zoppot und war eine slawische Siedlung (Zoppot bedeutet „Quelle“). Sie wurde 1283 wie andere Ansiedlungen von Herzog Mscuwój II an den Zisterzienserorden von Oliva gegeben. Bis 1772 war Zoppot im Besitz der Zisterzienser, die geschäftstüchtig Grund für Sommerresidenzen an Adelsfamilien und reiche Bürger Danzigs verpachteten. 1785 ist Zoppot als preußisch- königliches Fischerdorf an der Ostsee mit 38 Feuerstellen (Haushaltungen) registriert.  Im Zuge des Aufkommens der Seebadkultur im 19. Jh., als Mediziner dem Meer, frischer Seeluft, Sonnenbad und Bewegung heilsame Wirkung zuschrieben, schlug die Stunde Zoppots. 1819 erteilte Danzigs Verwaltung dem ehemaligen Militärarzt Napoleons, Johann Georg Haffner, der in Sopot heiratete und blieb, den Auftrag eine Badeanstalt samt eines 31,5 m langen Seestegs zu errichten. Haffner verkündete er wolle „in der paradiesischen Gegend eine Seebadeanstalt begründen, die allen Anforderungen der Arzneikunde, des Geschmacks und des Vergnügens entspricht“. Voilà das mondäne Seebad Sopot mit vielen neuen Sommervillen im Stil der Bäderarchitektur war geboren.

In der Belle Epoque avancierte Sopot zum Kur- und Bade Hot Spot des europäischen Geldadels. 1901 verlieh Kaiser Wilhelm II dem Badeort das Stadtrecht und damit beste Möglichkeiten, sich weiter zu entfalten: 1910 zählte Sopot schon 14.000 Einwohner. Bald schon verfügte das Seebad über eine Pferde- und Radrennbahn, ein Spielkasino (1919), die Waldoper (1909), Theater, luxuriöse Hotels, ein attraktives Sommerprogramm mit Sportveranstaltungen (Segelregatten) und Kulturfestivals (Theater, Tanz, Musik). All die Attraktionen machten Sopot zum Monte Carlo des Nordens.

Seebrücke von Sopot. Foto: Jürgen Sorges
Seebrücke von Sopot. Foto: Jürgen Sorges

Promenade zum Verlustieren

Entlang des weißen Sandstrands erstreckt sich die 10 km lange Promenade für Fußgänger, Jogger und Radfahrer. Sie wird von alten Bäumen und viel Grün flankiert, landeinwärts finden sich Gartengrundstücke mit Pensionen und Hotels. Zur besseren Orientierung sind Strand und Promenade nach Posten durchnummeriert. Ob Strandbesucher oder Spaziergänger, es lohnt sich sehr in der Tawerna Rybaki an der Promenade einzukehren: Fisch in vielen Varianten ganz frisch zubereitet ist die Spezialität des Hauses und der absolute Renner. In der Hochsaison bildet sich eine lange Schlange Strandgäste stehen 1 Stunde an um einen der begehrten Tische im einstöckigen Restaurant zu erhaschen, erzählt Tomasz Rytlewski. Im Juni 2022 feiert die Tawerne ihr 20-Jähriges Jubiläum.

Als Vorspeisen serviert die Küche leckeren Hering in grünem Pesto mit saurer Sahne; Frischlachstatar, Öl von geräuchertem Gemüse, Chili-Zitronensaft, eingelegte Gürkchen, frittiertes Reispapier, Balsamico-Essig, weißer Fischrogen, Brunnenkresse; Salsa aus Tomaten, Zwiebeln, süßsauer; Geräucherte Forellenpaste mit in Wein eingelegten Zwiebeln; Paprikasch-Tomatenreis mit Schwarzkümmel; Kabeljau nach Großmutters Art. Die Liste der Köstlichkeiten geht weiter: Junghering-Tatar, eingelegte Schimeji (kleine regionale Pilze), Limettensoße, vakuumierter Grünapfel, saure Sahne, Schnittlauch. Natürlich gibt es am Tresen der Tawerna auch ein traditionelles Räucherfischbrötchen, der Fisch kommt aus dem hauseigenen Rauchfang, auf die Hand. Es lässt sich genüsslich am Strand, zwischen den kleinen Fischerbooten verspeisen. Und weiter geht´s auf der Promenade in nördlicher Richtung. Nach 400 m liegt linkerhand in einer Stadtvilla das Stadtmuseum. Der Danziger Zuckerfabrikant Ernst August Claaszen ließ sich 1903 die Sommerresidenz errichten.

Boote am Strand von Sopot. Foto: Jürgen Sorges
Boote am Strand von Sopot. Foto: Jürgen Sorges

Heute werden in dem 2003 aufwendig restaurierten Gebäude (mit großem Garten) wechselnde Kunstausstellungen präsentiert und historische Fotos erzählen von Meereslust, Strand- und Promenadenleben der goldenen Zeit: die Damen Claaszen in langen Kleidern oder Badegäste in modernem Ringel-look, junge Männer in schwarzem Turndress, die im Sand liegen, Frauen und Kinder in Matrosenanzüge. 200 m weiter stößt man auf das Südbad, ein imposantes Holzhaus (1907) mit Türmchen, Schnitzwerk (Drachen und Greifen) im norwegischen Stil, das skandinavischen Sagen nachempfunden ist. Es bot Umkleiden und Service an, z.B. Barbershop und beherbergte Restaurants und Cafés. Daneben liegt der Südpark mit einem Brunnen und der 1919 erbauten Heilandskirche. Wir haben die Seebrücke fast erreicht. Südlich davon stoßen wir auf weitere wichtige Gebäude des historischen Sopot: den Badepalast (1904), ein Lustschlösschen. Der mittlere Turm ist der Leuchtturm, der einen schönen Panoramablick über die ganze Bucht erlaubt. Sopots „Adalbertsquelle“ liegt gleich daneben. Der 800 m tiefe Brunnen bringt (für jeden gratis) ein sehr salziges Mineralwasserquelle zu Tage.

Seebrücke, Kaschubische Küche

Egal bei welchem Wetter auf dem mit 511,5 m längsten Steg der Ostsee weht immer eine steife Meerbrise. Europas längste Holzbrücke (polnisch: Molo) aufs Meer ersetzte die 1824 von Haffner gebaute weiße Mole, die damals für den Winter abgebaut wurde um nicht durch Sturm und Eis Schaden zu nehmen. Seit 2011 gibt es eine Marina am Steg-Ende. Der breite Steg ist ideal zum Flanieren, den Blick auf das blaue Meer gerichtet. Es gibt auch ein Café und ein Restaurant sowie eine Anlegestelle für Ausflugsboote. Im Sommer liefert zudem ein Musik- und Filmprogramm schöne Unterhaltung. Von der Seebrücke blickt man in nördliche Richtung auf die Adlerklippen der nahen Steilküste. Meeresluft macht Appetit.

Gericht in der Tawerna Rybaki. Foto: Jürgen Sorges
Gericht in der Tawerna Rybaki. Foto: Jürgen Sorges

Ein Besuch im Restaurant Polskie Smaki (Polens Geschmack), der Dependance des Sheraton Hotels, das nicht für Hotelgäste, sondern das breite Publikum geöffnet ist, empfiehlt sich sehr. Man blickt mit Ausblick auf die Mole und den Strand. Die Spezialitäten feinster kaschubischer Küche finden ihr ästhetisches Echo in dekorativen Elementen der langen Bar und an den Wänden des großen Speisesaals: Dekoteller mit Motiven kaschubischer Volkskunst und Wandbehänge. Typische Vorspeisen kaschubischer Tradition, die mit einem modernen Twist daherkommt, sind eine Palette von Köstlichkeiten: geräucherter Hirsch im Speckmantel mit Preiselbeermarmelade; lokaler leicht geräucherter Ziegenkäse, dazu rotes Zwiebel-Chutney und Salat-Deko; in Wodka 24 Stunden marinierter Frischlachs; sahniger Frischkäsemix mit Meerrettich. Dazu wird hausgemachtes Brot serviert. Unter den Hauptspeisen gibt es auch exzellente vegane Gerichte zu entdecken: Gegrillter Blumenkohl, feinster Spinatsalat mit frittiertem Knoblauch, gebackene Kartöffelchen mit Meerrettich, karamellisierte Nüsse. Es darf auch etwas Deftiges sein: ein klassisches Wiener Schnitzel mit Kartoffelpüree und Sauerkraut.

Typisch für die kaschubische Küche ist natürlich Fisch: Gebratener Lachs mit Salat und gekochten Kartoffeln oder frittierter Kabeljau, der im Frühling und Sommer mit Spargel, Spinatsalat, gedünsteten Erbsenschoten, roter Beete und Babykartoffeln sowie -karotten auf den Tisch kommt. Ein Gedicht! In der Glasvitrine neben der langen Bar verlocken Desserts (auch laktosefreie Angebote): Schokotörtchen mit Erdbeerblüten-Deko und Mandelkrustenrand und weiße Schoko-Törtchen und vieles mehr.

Das Schiefe Haus, eine von Gaudi inspirierte Architektur. Foto: Jürgen Sorges
Das Schiefe Haus, eine von Gaudi inspirierte Architektur. Foto: Jürgen Sorges
An das Restaurant hinten schließt eine kleine Shoppingmal an durch die man auf den großen Platz, Plac Zdrojowy, und die Flaniermeile Bohaterów Monte Cassino tritt. Dieser große Platz war bis zu seiner jüngsten Renovierung und modernen Umgestaltung eine grüne Oase. Nun ist daraus ein unattraktiver Ort geworden wie so mancher Platz in Fußgängerzonen europäischer Städte. Am Platz wurde 2012 ein gewaltiges, neues Kurhaus gebaut. Doch zum Glück wird der Platz von bummelnden Menschen belebt, die auf der autofreien Straße Bohaterów Monte Cassino (von den Einheimischen Monciak genannt) zwischen Ober- und Unterstadt unterwegs sind. Gesäumt wird dieser zentrale Laufsteg Sopots von Terrassencafés und -restaurants. Beliebt ist eine italienische Eisdiele, die von einem italienischen Soldaten, der in Sopot hängengeblieben war, sich verliebte und heiratete in den 50er Jahren ins Leben gerufen wurde.

Skurril ist das „Schiefe Haus“, eine von Gaudi inspirierte Architektur. In der Mociak hat auch die Club- und Night-Life-Szene ihr zuhause: das alte kuriose Lokal „Blauer Pudel“ bietet drei kleine Räume, Sofas, Nischen, eine Bar. Ein Hingucker ist die Skulptur des „Seiltänzers“, der hoch oben in der Seitenstraße sein Unwesen treibt. Bald ist der Bahnhof Sopots erreicht. Lohnend ist auch ein Spaziergang durch die Straßen des oberen Sopot, des bewaldeten Hügels der Stadt. Hier stehen besonders schöne Sommervillen wie die Dworek Sierakowskich aus dem 18 Jh., sie fungiert heute als Kulturzentrum (mit attraktivem Ausstellungs- und Musikprogramm).


Informationen:

Polnisches Fremdenverkehrsamt, www.polen.travel

Pomorska Regionalna Organizacja Turystyczna (PROT), www.pomorskie.travel/en

Gdansk Centre of Tourist Information, www.visitgdansk.com/de

Sopot Tourist Information, www.visit.sopot.pl/en

Tawerna Rybaki, www.pomorskie-prestige.eu/en/food-stories-en/culinary-partners/tawerna-rybaki-2

Restauracja Polski Smaki, www.restauracjapolskiesmaki.com/en

Fotos: Jürgen Sorges, pixabay
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