Die gesamte Strecke des Alpe-Adria-Radweg umfasst rund 410 Radkilometer – gespickt mit etwa 2.400 Höhenmetern im Anstieg und rund 2.800 Höhenmetern bergab. Eine sportliche Herausforderung mit aussichtsreichen Erlebnissen.
Wo Wasser Wege schreibt
Ein schmaler Pfad führt hinein in ein Stück ungezähmter Natur. Die Luft wird kühler, feuchter, das Rauschen des Wassers begleitet jeden Schritt. Plötzlich öffnet sich die Schlucht – und vor einem türmt sich ein Wasserfall auf, wild und kraftvoll. Mit bis zu 30 Metern Fallhöhe stürzen die Wassermassen tosend in die Tiefe.
Schon kurze Zeit danach schmiegt sich eine beeindruckende Steganlage aus Holz und Stahl direkt an die steilen Felswände, hoch über dem tosenden Bach entlang, direkt zur nächsten Naturattraktion: dem 40 Meter hohen Zechnerfall. Hier lädt eine Aussichtsplattform dazu ein, innezuhalten und das spektakuläre Schauspiel aus nächster Nähe zu bestaunen. Die Groppensteinschlucht ist ein Naturjuwel in Obervellach, mitten im Nationalpark Hohe Tauern.
Auf einer Strecke von 2,5 Kilometern erleben Besucher hier eine Wanderung der besonderen Art: Über Stege, Brücken und enge Felsdurchbrüche führt der Weg entlang wilder Stromschnellen. „Und auch historisch hat das Tal einiges zu erzählen: Bereits im Mittelalter verlief hier die Fuggerstraße, eine wichtige Handelsroute über den Korntauern.
Die Ruinen der alten Mautstation erinnern an eine Zeit, in der das Tosen der Schlucht nicht nur Naturspektakel, sondern auch Wegbegleiter des Handels war.“, berichtet der Einheimische Thomas Pacher, der sich für den Ausbau der Schlucht engagierte. Dieses versteckte Juwel gehört zu den Sehenswürdigkeiten am Alpe-Adria-Radweg, der in Salzburg beginnt.
Ausgangspunkt mit Klang und Geschichte
In Salzburg glänzen barocke Fassaden und der Duft von Kaffee und Apfelstrudel schwebt durch die schmucke Altstadt. In dieser geschichtsträchtigen Mozartstadt mit der imposanten Festung Hohensalzburg, startet eine der wohl abwechslungsreichsten Radtouren Europas.
Der Weg führt flussabwärts entlang der Salzach durch Auwälder und vorbei an alten Mühlen nach Hallein – einst blühende Keltenstadt, heute ein stilles Schmuckstück mit mittelalterlichem Flair. Von dort geht’s weiter Richtung Süden, mit Ausblick auf die Gipfel der Berchtesgadener Alpen.
Durchs Gasteinertal in die Hohen Tauern
Der Radweg führt weiter durch das malerische Salzachtal, vorbei an Golling mit seinem rauschenden Wasserfall und St. Johann mit seinen markanten Kirchtürmen. Hier ändert sich das Landschaftsbild: Die Berge rücken näher, der Fluss wird wilder, die Täler enger. Kurz hinter Schwarzach beginnt das Gasteinertal, das mit seinem Mix aus alpiner Dramatik und wohltuender Ruhe begeistert.
Über Dorfgastein und Bad Hofgastein erreicht man schließlich Bad Gastein – mondän und wildromantisch zugleich. Der berühmte Wasserfall mitten im Ort stürzt tosend in die Tiefe, flankiert von ehrwürdigen Kurhäusern aus der Belle Époque. Nur wenige Minuten später erreicht man Böckstein, von wo aus ein Zug-Shuttle durch die Tauernschleuse in nur zehn Minuten nach Mallnitz auf die Südseite der Alpen fährt.
Kärnten: Entspannte Fahrt in den Süden
Ab Mallnitz geht es angenehm bergab bis nach Obervellach mit der lohnenswerten Groppensteinschlucht. Durch das Mölltal rollen die Räder beinahe von selbst, begleitet vom Anblick sattgrüner Wiesen und dem Panorama der Hohen Tauern. In Möllbrücke mündet die Route ins Drautal, wo sich erstmals das südliche Flair Österreichs zeigt: milde Temperaturen, sanfte Landschaften, reife Obstbäume und Weinreben am Horizont.
Ein Stopp in Spittal an der Drau ist fast Pflicht – das Renaissance-Schloss Porcia mit seinem Arkadenhof zählt zu den schönsten Bauwerken nördlich der Alpen. Empfehlenswert ist auch ein Besuch des Römermuseums Teurnia mit seinen detaillierten Mosaikböden. Danach wartet Villach, eine Stadt mit südlichem Charme, gemütlichen Gastgärten und lauschigen Plätzen am Flussufer.
Über die Grenze nach Italien
Kurz nach Villach übernimmt der Zug die steileren Kilometer hinauf nach Tarvis. Dann beginnt der italienische Teil der Reise – und mit ihm ein neues Lebensgefühl. Auf einem ehemaligen Bahntrassenradweg geht es durch das Kanaltal, entlang schattiger Wälder und steinerner Viadukte, die an alte Zeiten erinnern. Dieser Abschnitt gehört zu den schönsten Bahntrassenradwegen.
Mit Mitteln der EU wurde auf der stillgelegten Bahnstrecke von Tarvisio nach Resiutta ein 47 Kilometer langer, sehr gut ausgebauter und asphaltierter Radweg angelegt, der am Fella-Fluss entlang durch die Berge von Friaul-Julisch Venetien führt. Besonders der Abschnitt zwischen Resiutta und Pietragliata ist mit Tunneln und Brücken gespickt. Die Ausblicke in das Flusstal oder die umgebenden Berge sind atemberaubend.
Wie Tarvis gehören Gemona del Friuli und Venzone zu den kleinen Orten, die mit verwinkelten Gassen, bunten Fassaden und überraschender Gelassenheit bestechen. In Gemona, das nach dem verheerenden Erdbeben 1976 nahezu originalgetreu wieder aufgebaut wurde, prägt der imposante Dom das Ortsbild. Auf dem Weg nach Udine zeigt sich die Landschaft zunehmend mediterran: Olivenbäume, Weinreben und der Duft von Rosmarin begleiten den Weg.
In Udine angekommen, ist „dolce vita“ mehr als nur ein Wort. Auf der Piazza sitzen die Menschen bei einem Espresso oder Aperitivo, während im Hintergrund Glocken läuten und sich die Fassaden im warmen Licht färben. Die Stadt vereint Renaissancearchitektur, slowenische Einflüsse und italienische Lebensfreude auf charmante Weise.
Endspurt ans Meer
Die letzte Etappe führt durch die weiten Ebenen Friauls, vorbei an Schilflandschaften, kleinen Kanälen und den Ruinen römischer Siedlungen. In Aquileia – einst wichtiges Zentrum des Römischen Reiches – lohnt sich ein Besuch der frühchristlichen Basilika mit ihrem einzigartigen Mosaikboden.
Dann, nach Tagen des Radelns, ist das Ziel erreicht: Grado. Ein Badeort mit venezianischer Seele, umgeben vom Meer, von Sandstränden und kleinen Laguneninseln. Die Altstadt mit ihren engen Gassen, bunten Häusern und Restaurants am Hafen lädt zum Verweilen ein – der perfekte Abschluss einer Reise, die Körper und Seele bewegt.
Tipps
Im Landhotel Pacher/ Obervellach, das bereits in dritter Generation von Annemarie und Thomas Pacher geführt wird, steht die Chefin persönlich am Herd und bereitet traditionelle Rezepte, wie Erdäpfel-Kräuterkrapfen mit neuen Ideen zu. Die Devise lautet: Von Hand geerntet und von Hand gemacht. So viele Produkte wie möglich, kommen aus der Region oder aus dem eigenen Garten. Besonders wird auf Saisonalität und Nachhalitgkeit geachtet. Schließlich hat sich das ganze Dorf der Nachhaltigkeit und Ursprünglichkeit verschrieben. Obervellach versteht sich als Botschafter der Slow Food Bewegung. In der familiengeführten Osteria 38° Parallelo in Gemona del Friuli bereitet Küchenchefin Eleonora Pittini nach Absprache köstliche traditionelle Menüs zu. Alles handgemacht.
Alpe-Adria-Radweg
Die Strecke ist durchgehend gut beschildert und führt meist über asphaltierte Radwege oder ruhige Nebenstraßen. Nur vereinzelt gibt es kurze Abschnitte auf stärker befahrenen oder unbefestigten Wegen. Die Topografie ist insgesamt angenehm: Sanfte Anstiege wechseln mit langen Abfahrten. Den anspruchsvollsten Abschnitt im Gasteinertal kann man bequem mit dem Zug umgehen – so wird die Tour für alle machbar. Auf Wunsch können zahlreiche Zusatzleistungen wie Gepäcktransfer und Räder gebucht werden.
Wer nicht die gesamten 410 Kilometer am Stück fahren möchte, findet bei Eurobike eine große Auswahl an Etappenreisen – ganz nach Lust, Laune und Fitnesslevel. Ob von Salzburg bis Villach, von Villach bis Grado oder sogar weiter nach Triest – jede Variante hat ihren ganz eigenen Reiz.
Informationen:
Fotos: Carola Faber











