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Liegnitz – ein Zugpferd in Niederschlesiens neuer Blütezeit

Im grünen mit prachtvollen Villen samt parkähnlichen Gärten ausgestatteten des zur Wende des 19. Bis 20. Jahrhunderts entstandenen Stadtviertels, das ganz nah am Zentrum liegt, errichtete nach dem Krieg die sowjetische Armee ihr Hauptquartier. Im auch „Kwadrat“ (Quadrat) genannten von einer hohen Mauer umgrenzten Viertel, das von der polnischen Bevölkerung bis 1993, dem Abzug der russischen Armee, nicht betreten werden durfte, liegt die von der lokalen Familie Kopcza betriebene „Rezydencja“ Willa Park & Restauracja, ein Hotel mit großem Garten und Restaurant. 

Zum Familienunternehmen Kopcza, das 1990 mit diesem Familienbrand startete, gehören weitere Restaurants („Tradycja“, „Don Giovanni“), das Kleks Café im Schloss, die Pasta-Fabrik Makarony Kopcza und der Ballsaal Sala Balowa Krysztalowa in Liegnitz. 

Liegnitz: Stadt mit gotischer und barocker Architektur. Foto: Jürgen Sorges
Liegnitz: Stadt mit gotischer und barocker Architektur. Foto: Jürgen Sorges

Die Klassizistische von Fritz Hesse gebaute Villa „Rezydencja“ im Willa Park im begehrten Wohnviertel gehörte ehemals dem Fabrikanten Teichert. 1925 diente sie hochrangigen Militärs und Politikern als Gästehaus. Nach Abzug der Russen kaufte und restaurierte die Familie Kopcza das repräsentative Haus aufwendig. In der Lobby warten Seidenstickbildern auf, das Interieur ist im klassizistischen Stil gehalten, elegante Jugendstil-Glastüren erfreuen die Augen, in einem Salon sind die Tische mit Goldgeschirr gedeckt. Für die Restaurierung der Villa wurde die Unternehmerfamilie 1999 mit dem polnischen Wettbewerbspreis „Modernisierung“ bedacht.  

Gäste genießen ein sehr gutes vielfältiges Frühstück (köstlich die Naleśnik, dünne crepeartige Pfannkuchen), unter dem Sonnendach im Park kann bei einem guten polnischen Bier oder köstlicher hausgemachter Limonade gechillt werden. Zehn stilvoll, bequem eingerichtete Zimmer und Apartments bieten sich auch für Hochzeiten und Events an. Im sonnenverwöhnten niederschlesischen Sommer garantiert die Klimaanlage in Restaurant und Haus einen angenehmen Aufenthalt. Kulinarische highlights des Hotelrestaurants sind Rindertartar mit Steinpilzen, Pasteten, Wild- Fleischgerichte mit Knödeln, Entenbrust und Lachs und Forelle, frische Salate und feine Gemüse. Auch die Weinauswahl ist hervorragend. 

Zum Dessert serviert die sympathische junge Kellnerin Dagmara Wroblewska einen sehr leckeren amerikanischen Käsekuchen mit frischen Früchten.

Restaurant in der Villa Rezydencja im Willa Park. Foto: Jürgen Sorges
Restaurant in der Villa Rezydencja im Willa Park. Foto: Jürgen Sorges

Liegnitz´ Marktplatz im historischen Zentrum 

Vom grünen Villenviertel Tarninów erreicht man die Altstadt zu Fuß in zehn Minuten.  Der weitläufige, rechteckige Marktplatz im 13. Jahrhundert angelegt, bildet den historischen Stadtkern, den Liegnitzer Ring. Im Süden steht das Alte Rathaus, im Norden die Heringsbuden, ein Laubengang aus acht bunten, schmalen Häusern aus dem 16. Bis 17. Jahrhundert. Im Westen prangt das Stadttheater, ein Neorenaissance-Bau, der an Stelle der abgerissenen Tuchhäuser errichtet wurde, um den sozialen und kulturellen Bedürfnissen der Beamten- und Offiziersfamilien der Garnisonstadt zu entsprechen. Nördlich des Theaters zieht das Haus zum Wachtelkorb mit seinem runden Erker und den Sgrafittoverzierungen den Blick auf sich. 

Liegnitzer Gurken, Liegnitzer Bombe und mehr

Beste traditionelle polnische Küche am Rynek bietet das Restaurant Tradycja. Die Hausfassade ist prächtig restauriert, rechts nebenan prangt ein goldener Baum über dem Eingang.  Zu empfehlen sind frische eingelegte weithin berühmte Liegnitzer Gurken mit Schmalz als Vorspeise. Die Speisekarte bietet deftig-herzhaftes:  Gegrillte altpolnische Blutwurst, Pastete altpolnisch, Rinder-Tatar und Sauerkrautsuppe in Speck, Rippchen und Püree. Natürlich fehlen auch die typischen Gerichte Zurek mit Ei und Piroggen nicht. Zwei Klassiker waren unschlagbar gut zubereitet: Schlesische Rinderroulade in Steinpilzsauce mit Knödel und Rotkraut und Gänsemägen, gekochtes Gemüse und schlesische Knödel. Als Dessert gab es Apfelstrudel mit Vanillesauce.

Das Restaurant Tradycja. Foto: Jürgen Sorges
Das Restaurant Tradycja. Foto: Jürgen Sorges

In der Burg in Legnica am Schlossplatz 1 betreibt die Familie Kopcza das schöne Café Kleks (Klubokawiarnia Kleks). Die Dachterrasse lockt mit ihrem Burgblick. Serviert werden Snacks wie Baguette (wahlweise mit Tomaten, Champignons, Schinken, Salzgurke und Wurst belegt), Cracker, Salzstangen und Nüsse, Torten und Kuchen zu warmen und kalten Getränken. Doch das highlight ist sicher die Bomba Lenicka, die Liegnitzer Bombe: ein weicher gefüllter Lebkuchen. 

Um Ursprung und Geschichte der köstlichen Backware ranken sich viele Erzählungen. Dass sie von dem Liegnitzer Konditor Eduard Müller wie allgemein verbreitet 1853 kreiert wurde, hielt jüngsten Recherchen nicht stand. Wohl aber wurde die Süßigkeit von den Brüdern Müller gebacken als und symbolisches Geschenk an den Kaiser zur Siegesfeier der preußischen Armee bei dessen Besuch in Liegnitz überreicht. Doch in der Fülle der Geschenke ging die Bombe unter und fand keinen Platz auf der Banketttafel. Sie wurde nicht patentiert und Anfang der 1880er Jahre boten verschiedene Liegnitzer Konditoren den Lebkuchen an. 

Liegnitzer Bombe. Foto: Jürgen Sorges
Liegnitzer Bombe. Foto: Jürgen Sorges

Ab 1884 produzierte die Firma Meyenburg die Liegnitzer Bombe in nahezu industriellem Maßstab. Sie wurde zum highlight unter den niederschlesischen Lebkuchen und gehörte schmuck verpackt in der Advents- und Weihnachtszeit zu einem beliebten Geschenk. Heute bietet sie die Firma „Pierniki Wrocławskie“ an und wird in eleganter Verpackung im Café Klecks verkauft.  


Informationen: 

Tourismus in Legnica: www.legnica.travel

Touristische Organisation Niederschlesien: www.dolnyslask.travel

Polnisches Fremdenverkehrsamt: www.polen.travel/de

Rezydencja Villa Park & Restauracja:  www.rezydencja-hotel.pl

Restauracja Tradycja: www.tradycja.legnica.pl

Klubokawiarnia Kleks, Café Kleks:  www.centrumzamek.pl/cafe-kleks

Fotos: Jürgen Sorges

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