Foodie

Liebstöckelbrand und Tannensprossen

Zu sehen sind alte Kellereigeräte wie Zestenmacher, Korkenzieher, Flaschenformen, Destillierapparate und Dokumente. Die Sammlung umfasst etwa 8000 gefüllte Miniaturflaschen und 2000 Schnaps-, Likör-, Whisky-, Gin-, Absinth-, Cognac-, Wodka- und Tequilaflaschen. Inhaber René de Miscault kennt zu jedem Exponat eine Geschichte. Die Destillerie hat inzwischen sein Sohn Hugues de Miscault. Zusammen destillieren sie etwa 500 Tonnen Obst pro Jahr für mehr als 40 Obstbrände, 26 Liköre und acht verschiedene Absinths.

Im Verkaufsraum des Museums können einige der klassischen und ungewöhnlichen Edeltropfen gekostet werden. Neben der Williamsbirne, Mirabelle, Wilden Himbeere, stehen Sorten, wie Tannenknospen, Schwarze Johannisbeere, Quitte, Hagebutte, Hopfenblüte, Erdbeere, Enzian, Ingwer oder Schwarzer Holunder im Regal. „Eine Herausforderung waren das Eau de Vie aus Ilex oder Liebstöckl. Nach einem mehrgängigen Menü würde ich Stechpalme empfehlen. Liebstöckl könnte ich mir sehr gut als Ergänzung zu einem Tomatensorbet vorstellen“, rät der experimentierfreudige Genussfachmann, der für seine Produkte schon zahlreiche Preise erhalten hat.

Im Musée des Eaux de Vie. Foto: Carola Faber
Im Musée des Eaux de Vie. Foto: Carola Faber

Unbedingt lohnenswert ist die Fahrt über die Elsässische Weinstraße mit seinen mittelalterlichen Schatzkammern. Kaysersberg, die Geburtsstadt von Albert Schweitzer begeistert mit seinen gepflasterten Gassen, murmelnden Bächen, verwinkelten historischen Bauten und architektonischen Reichtum. Wie eine Reise in eine andere Zeit wirkt ein Spaziergang durch das pittoreske Städtchen. Besonders an einem der vielen malerischen Plätzen, wie im Restaurant Caveau le Schlossberg, wenn dort eine traditionelle Trachtengruppe zur Livemusik auftritt.

„Wir wissen, welche Schätze hier zu entdecken sind, deshalb haben sich die Hoteliers des Tals zusammengetan und flexible Wandertouren mit Gepäcktransfer entwickelt“, freut sich Mitbegründerin Christiane Keller über die Entwicklung des Angebots bei „Horizons d`Alsace“.

Wein und Marmelade

Die Ortschaften entlang der Weinstraße lassen die Seele jubeln, denn jede dieser Perlen berührt mit einer eigenen charmanten Charakteristik. Mal ist es die Lage, mal sind es die Bauwerke, die Häuser, kleine Höfe, blumengeschmückten Straßen oder sogar das gesamte Stadtbild mit seinen Angeboten und Produkten.

Nicole Bott. Foto: Carola Faber
Nicole Bott. Foto: Carola Faber

Beispielhaft für die qualitativ hohe Weinkultur dürfte das Bott Freres in Ribeauvillée sein. Bereits seit sieben Generationen befindet es sich im Familienbesitz. Auf 20 Hektar wachsen sieben Rebsorten (Sylvaner, Weißburgunder, Grauburgunder, Riesling, Muskat, Gewürztraminer und Spätburgunder) die die Charakteristik des Terroirs vom Elsass spiegeln. Jeder Wein überzeugt durch seine eigene spezielle und unverwechselbare Stilistik. Alle verbindet eine enorm hohe Qualität, die wahrscheinlich ausschlaggebend für die Sommeliers vieler Gourmetrestaurants waren und deshalb gern die Produkte von Bott Freres in ihre Weinkarte aufgenommen haben.

Die Haut-Koenigsbourg zählt zu den Symbolen des Elsass. Der mächtige, 270 Meter lange Bau auf einer Höhe von 757 Metern über dem Meeresspiegel wurde schon 1147 erwähnt und nach 1479 neu aufgebaut. Eine starke Zerstörung erfolgte während dreißigjährigen Kriegs im Jahr 1633. Erst durch Kaiser Wilhelm II erfolgte ab 1900 die achtjährige Restaurierung. Sehenswert ist die eindrucksvolle Burganlage mit ihrem Turm, dem Festsaal, einer Sammlung von Möbeln, Waffen aus dem 15. bis 17. Jahrhundert und den Fresken.

Marmeladen von Les Confitures de Nicole. Foto: Carola Faber
Marmeladen von Les Confitures de Nicole. Foto: Carola Faber

Zurück auf der Weinstraße gilt „Les Confitures de Nicole“ als weithin bekannte Adresse für köstliche Marmeladen, Gelees, süße Senfe und Chutneys. Wie schon ihre Großmutter steht Sophie Weymann in ihrem Betrieb in der Küche und rührt die Früchte in einem Kupferkessel, bis sie die richtige Konsistenz erhalten haben. Anschließend wird die fein duftende Fruchtmischung in Gläser gefüllt – wie damals, auch ganz in Handarbeit. Hauptsächlich werden regionale Früchte verarbeitet. „Das ist uns wirklich sehr wichtig“, bestätigt die Marmeladenköchin, die neben Marillen, auch Rosen-, Tannensprossen-, Noisette-, Lebkuchen- oder Confit de Crémant zu Marmelade verarbeitet. 

Magie des Odilienbergs

Schließlich gilt der Odilienberg als magischer Anziehungspunkt. Mehrere Jahrhunderte lang war er Sitz des Klosters der Heiligen Odilie. Gläubige wie Nichtgläubige, Pilger und Urlauber schätzen den Ort gleichermaßen. Zahlreiche markierte Wanderwege in einer üppigen Natur und ein wunderbarer Panoramablick, umfasst von allen Seiten den Komplex, zu den mehrere Kapellen, ein Hotel und diverse Restaurants gehören. Wer dort im Wald die Wunderquelle von Sankt Odilie besucht, wird auch hier einen Zauber spüren.

Es heißt, dass Odilie eines Tages auf dem Weg zur Abtei einen von Müdigkeit und Durst geplagten Leprakranken fand. Nicht wissend, wie sie ihm helfen kann, schlug sie mit ihrem Stock an den Felsen neben dem Kranken. Daraufhin sprudelte aus dem Stein das Wasser einer bisher nie versiegten Quelle, die den Namen der Heiligen erhielt und die von Gläubigen mit Augenkrankheiten auf der Suche nach Heilung aufgesucht wird. Die Besucher spüren die Magie. Sie sind still, lauschen dem Plätschern des Wassers, genießen den Ort und die Erlebnisse ganz in Ruhe.


Informationen:

Explore Massif des Vosges, www.explore.massif-des-vosges.com/de

Musée des Eaux de Vie,  www.musee-eaux-de-vie.com/en

Freres Bott, www.bott-freres.fr/de

Les Confitures de Nicole, www.confiture-alsace.fr

Fotos: Carola Faber

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