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Legnica: Witelo, Ritter und Piroggen

Arkadiusz Muta hat große Pläne und noch dazu viel vor. Wir sitzen mit dem neuen Direktor des Witelon-Zentrum, zuvor Direktor des Museums in Jawor, im lichtdurchfluteten Atrium des Zentrums, einem vollverglasten Wintergarten, der dem Café des Hauses angeschlossen ist. Herrliche Kuchen, Drinks und vor allem leckeres Eis zieren die Speisekarte, denn das Hauptklientel des Zentrums bilden derzeit Kinder und Jugendliche mit ihren Eltern. Noch! 

Denn das im Herbst 2024 eröffnete Zentrum zu Ehren des „ersten polnischen Wissenschaftlers“ Witelo verzeichnete im zurückliegenden Jahr zwar beachtliche 9000 Besucher. Doch Arkadiusz Muta will die Besucherzahl für die 2200 Quadratmeter Ausstellungsfläche deutlich erhöhen. Kluge Köpfe haben dem Zentrum eine Gesamtkapazität von jährlich 50.000 Besuchern attestiert. Und so locken Muta und Team derzeit nicht nur mit der permanenten Ausstellung „Eye. Future Perspective“. 

Arkadiusz Muta, Direktor des Museums in Liegnitz. Foto: Ellen Spielmann
Arkadiusz Muta, Direktor des Museums in Liegnitz. Foto: Ellen Spielmann

Die kleine, aber feine Sonderausstellung zu Drohnen soll nun auch ältere Semester in Scharen anlocken. Das Thema ist gut gewählt. Denn schließlich sind auch Drohnen ohne ihre visuellen Kapazitäten kaum denkbar. Und die wissenschaftlicher Akribie, aber auch Spiel und Spaß präsentierte physikalische Optik steht in diesem neuen Zentrum im Mittelpunkt des Geschehens. Der Ort ist perfekt gewählt. Denn es handelt sich um das für 7,5 Millionen Euro generalrestaurierte einstige „Schießhaus“ der schon 1414 gegründeten Liegnitzer Schützenbruderschaft. 

Witelo, Kopernikus, Kepler und Co.

Zuvor aber bewundern wir ein Faksimile der Schriften jenes Witelo, polnisch Witelon, italienisch Vitello, der wohl um 1230/35 in oder um Liegnitz als Sohn einer Polin und eines aus Thüringen Zugewanderten geboren wurde. Witelo studierte in Paris und Padua, ließ sich dann am damaligen päpstlichen Sitz in Viterbo nieder und verfasste wohl nach 1270 mit dem Werl „Perspectiva“, ursprünglich „Peri Optikes“ genannt, das dann über Jahrhunderte geltende Standardwerk zur Optik. 

Kopernikus konsultierte es, Johannes Kepler adelte das Meisterwerk 1604 durch seine Schrift „Ad Vitellionem Pariliplomena, Quibus Astronomiae Paars Optica Traditur“, ehe dann Isaac Newton wissenschaftlich das Kommando übernahm. Heute ist nach Witelo ein Mondkrater benannt, im Zentrum aber kann man spielerisch lernend optischen Gesetzen nachspürten, staunend visuelle Effekte erleben und im Labor sogar durch Mikroskope der Mikrowelt des Lebens auf die Spur kommen.

Das Witelon Center in Legnica. Foto: Ellen Spielmann
Das Witelon Center in Legnica. Foto: Ellen Spielmann

Im Stadtpark

Draußen vor der Tür fällt gegenüber sofort das Ende des 19. Jahrhunderts vom Fabrikanten Feodor Beer gestiftete historische Palmenhaus ins Auge. Demnächst soll es renoviert werden, denn es ist wie das Schießhaus eine Hauptattraktion im 50 Hektar großen Stadtpark, den in großen Teilen Landschaftsplaner Eduard Petzold ab 1863 anlegte. 

Den Ursprung bildete ab 1857 die am Schießhaus beginnende, von Kaufmann J. G. Baumgart gestiftete Lindenallee mit dann 1100 Bäumen. Es erfolgte die Erschließung des Areals zwischen dem Mühlenbach und der Katzbach, inklusive ab 1877 dem Ziegenteich mit baumbestandener Insel. 

Piroggen und mehr

Nach dem Spaziergang ist dann eine Stärkung fällig, zum Beispiel im Restauracja Pierogeria Wszelacy an der ul. Grunwaldzka 28/1, wo man drinnen wie draußen phantastische Portionen unterschiedlich gefüllter Piroggen erhält und dazu hausgemachte Limonade oder gleich „Kompott“, den herrlichen Mixfruchtsaft, bestellt. Es dürfen aber auch riesige Schnitzel, Lasagne und vieles mehr sein. 

Piroggen im Restauracja Pierogeria Wszelacy. Foto: Ellen Spielmann
Piroggen im Restauracja Pierogeria Wszelacy. Foto: Ellen Spielmann

Clou sind die Regale an der Theke, wo man Einmachgläser gefüllt mit pikanten Liegnitzer Gurken und weiterem Gemüse, aber auch eine große Palette an Honig erwerben kann. In Legnica lockt dann das Kupfermuseum, denn 1957 wurde nahe Legnica riesige Kupfervorkommen entdeckt. Das Museum zeigt die Bedeutung des Kupfers in den Zeitläuften, zum Beispiel anhand von Glocken, aber auch einer gewaltigen Kupferbadewanne. 

Prima ist auch die herrliche Kostümsammlung aus dem 1842 von C. Langhaus erbauten Stadttheater. Clou schon im Eingangsbereich ist indes die Schau des integrierten Satiremuseums- den Legnica vergibt alljährlich einen vielbeachteten Satire-Preis. Vom Kupfermuseum verwaltet wird auch die sehenswerte Ausstellung moderne polnischer Kunst des 20. Und 21. Jahrhunderts in einem Flügel der restaurierten, 1708 gegründeten Ritterakademie. 

Weinhandlung und Restaurant

Außerhalb der Stadt, nördlich nahe der Staatsstraße 333, an der ul. Lubińska 3.  öffnen Zbigniew Gryszkiewicz und Gattin Kinga ihr kulinarisches Reich der Winiarnia Gryszkiewicz. Der aus Legnica stammende Zbigniew ging in jungen Jahren nach Deutschland und arbeitete im Weingut Peter Siener in Birkweiler in der Pfalz, um dann in Kaiserslautern erfolgreich zu studieren und dann sein berufliches Glück erst in Deutschland, dann in Polen zu machen. 

Heute ist er Hauptimporteur vom Flammkuchen in Polen und liefert an 300 Restaurants. Herzensangelegenheit ist und bleibt ihm aber der Wein, von dem gleich 400 Etiketten seine Weinhandlung schmücken. Hier wird nichts auf Kommission angeboten, alle Topweine, die 100 Whiskey- und Spirituosen-Sorten und dann der Riesenreigen an Delikatessen wurde von ihm erworben und steht – auch online – nun hier und in Polen zum, Verkauf. 

Zwischenmahlzeit: Fisch in der Winiarnia Gryszkiewicz. Foto: Ellen Spielmann
Zwischenmahlzeit: Fisch in der Winiarnia Gryszkiewicz. Foto: Ellen Spielmann

Darunter befinden sich Weltklassetopen wie Sassicaia und Ornellaia, von Nittardi die Spitzenweine „Ad Astra“ und Nectar Dei“, dazu edle Weine auch aus Frankreich und Spanien. Und natürlich hat Zbigniew Gryszkiewicz in Kooperation mit dem Weingut von Peter Siener einen eigenen Wein aus der Taufe gehoben, einen wunderbar mundenden „Zbigniew Gryszkiewicz Blanc des Blancs 2024“. 

Dazu servieren er und seine Gattin auch herrliche Appetizer und Fischgerichte. In naher Zukunft wollen die zwei mit ihrem Laden-Restaurant nahebei umziehen. Dann soll auch die Speisekarte um Rindfleischgerichte erweitert werden. Die Gryszkiewicz sind indes schon heute ein toller Tipp für Legnica-Besucher.


Informationen: 

Tourismus in Legnica: www.legnica.travel

Touristische Organisation Niederschlesien: www.dolnyslask.travel

Polnisches Fremdenverkehrsamt: www.polen.travel/de

Rezydencja Villa Park & Restauracja:  www.rezydencja-hotel.pl

Restauracja Pierogeria Wszelacy:  www.pierogeria.eu

Winiarnia Gryszkiewicz:  www.winiarniagryszkiewicz.pl

Kupfer- und Satiremuseum: www.muzeum-miedzi.art.pl

Ritterakademie Liegnitz (Akademia Rycerska w Legnicy):  www.zabytki.legnica.eu/akademia-rycerska

Witelon-Zentrum (Centrum Witelona):  www.centrumwitelona.tech/en

Fotos: Ellen Spielmann

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