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Krispel: Charakterweine aus der Steiermark

Im Keller gilt: so wenig Eingriff wie nötig, so viel Zeit wie möglich. Reife hat Vorrang vor Technik. Ziel ist ein unverfälschter Ausdruck von Landschaft, Klima und Persönlichkeit – Weine, die Sonne und Herkunft spürbar machen. Kein Wunder, dass Krispel zu den profiliertesten Winzern des Landes zählt.

Auf den Lagen gedeihen vor allem Welschriesling, Weißburgunder, Sauvignon Blanc, Grauburgunder, Gelber Muskateller, Chardonnay sowie Zweigelt und Pinot Noir. Sie profitieren vom milden Klima und den vielschichtigen Böden aus Basalt, Muschelkalk, Sand, Ton, Schotter und Lehm.

Kraft mit Finesse

Der Chardonnay Ried Seindling 2023 zeigt reifen Apfel, Quitte und gelben Pfirsich, dazu Blüten, frische Kräuter und dezente Röstaromen. Rauchigkeit und steinige Noten spiegeln die Kalk- und Vulkanböden wider. Am Gaumen verbindet der Wein Kraft mit Finesse: cremig, dicht, präzise und getragen von saftiger Säure. Nuancen von Birne, Honig, kandierter Zitrusfrucht und Nuss verleihen Tiefe; eine feine Salzigkeit rundet ab. Die Trauben stammen aus der Ried Seindling, gelesen und schonend verarbeitet. Spontanvergärung, zehn Monate im kleinen, vier Monate im großen Holzfass, anschließend lange auf der Hefe – das sorgt für Komplexität, Balance und klare Herkunft.

Präzision

Wie präzise sich Herkunft auswirken kann, wird im Sauvignon Blanc „Ried Neusetzberg“ 2023 deutlich.  In der Ersten Lage mit Kalk- und Vulkanstein reifen die Trauben unter kühlen Nächten und sonnigen Tagen. Spontan vergoren und im großen Holz ausgebaut, verbinden sich Herkunft und Handwerk elegant. Saftige Limetten, Maracuja und schwarze Johannisbeere prägen den Duft, ergänzt von Stachelbeere, frischem Gras und Kräutern. Am Gaumen wirkt er straff, geschmeidig, mit lebendiger Säure. Zitrus, Grapefruit und gelbe Kiwi entfalten sich klar, begleitet von feiner Würze. Das Holz unterstützt subtil Struktur und Tiefe. Im langen Nachhall zeigen sich salzige Nuancen, Johannisbeere und geröstete Nüsse.

Verschiedene Weine des Weinguts. Foto: Carola Faber
Verschiedene Weine des Weinguts. Foto: Carola Faber

Differenziertes Aromenspiel

Der Grauburgunder „Ried Neusetzberg“ 2023 offenbart Tiefe: Dattel, kandierter Apfel, Birne und Quitte, dazu geröstete Nüsse und Brioche. Luft öffnet weitere Aromen: Orangenschale, Vanille, weißer Pfeffer und dezente Rauchigkeit. Am Gaumen verbinden sich Dichte und Präzision: cremige Textur, lebendige Säure, gelbe Früchte, Honigmelone und nussige Anklänge verschmelzen mit Röstaromen aus dem Holz. Das Finale zeigt mineralische, leicht rauchige Facetten und kräutrige Nuancen – ein Grauburgunder, der Fülle und Frische balanciert.

Konzentriert und geschmeidig

Komplex tritt der Grauburgunder „Hochstrandl Alte Reben“ 2022 auf: Aprikose, kandierte Zitruszeste, getrocknete Kräuter, feiner Rauch und Toastnoten prägen den Duft. Am Gaumen konzentriert und geschmeidig: Mirabelle, Birne und exotische Nuancen treffen auf lebendige Säure. Der Holzeinsatz steuert Toffee, Karamell, geröstete Mandeln und Vanille dezent bei. Die Textur ist dicht und seidig, mineralische Frische und feine Rauchnoten sorgen für Spannung. Im Nachhall bleiben salzige Anklänge, Nussaromen und Steinobst präsent – ein eleganter Grauburgunder mit markantem Profil.

Reife und Frische

Mit Spannung und Struktur beeindruckt der Sauvignon Blanc „Hochstrandl“ 2022:  Cassis, Stachelbeere, Limette, Grapefruit und gelbe Kiwi prägen das Bouquet, ergänzt von Kräutern und floralen Noten. Am Gaumen straff, druckvoll, mit dichter Struktur und präziser Säure. Zitrusfrucht, schwarze Johannisbeere und Pink Grapefruit treffen auf Salbei und Thymian; dezente Holznoten fügen sich unaufdringlich ein. Der lange Nachhall wirkt salzig, kühl und würzig – ein charakterstarker Sauvignon Blanc mit Substanz und Reifepotenzial.

Florian Schütky vom Weingut Krispel. Foto: Carola Faber
Florian Schütky vom Weingut Krispel. Foto: Carola Faber

Ausnahmewein

„Basalt No. 1“ vom Weingut Krispel ist ein Ausnahmewein, der sich Schicht für Schicht erschließt. Bereits im Duft zeigt sich eine klare Handschrift: reife Birne und gelber Apfel treffen auf einen Hauch Maracuja, der dem Ganzen eine exotische Note verleiht. Mit etwas Zeit im Glas folgen würzige Anklänge – weißer Pfeffer, getrocknete Kräuter und eine feine, rauchige Nuance, die an warmes Gestein nach einem Sommerregen erinnert. Am Gaumen wirkt die Cuvée kraftvoll, zugleich präzise geführt. Gelbfruchtige Aromen verbinden sich mit frischer Zitrusanklängen, getragen von feiner Säure. 

Die Struktur ist dicht, mit einer leicht cremigen Textur und feinem Griff, der dem Wein Substanz verleiht. Der Holzeinsatz bleibt dezent im Hintergrund und steuert lediglich zarte Röstaromen bei. Im Abgang zeigt sich die Herkunft besonders deutlich: salzige Mineralität, ein kühler, steiniger Zug und ein langes, würziges Echo prägen das Finale. Die Verbindung aus Grauburgunder, Sauvignon Blanc und Weißburgunder ergibt ein vielschichtiges Gesamtbild – charaktervoll, elegant und geprägt vom vulkanischen Terroir der Südoststeiermark.


Informationen:

www.krispel.at

Fotos: Carola Faber

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