Foodie

Interview mit Astrid Steharnig-Staudinger (Geschäftsführerin Österreich Werbung)

Kulinariker: Nach Jahren der Beschränkung auf Wien und Salzburg deckt der Guide nun wieder ganz Österreich ab. Welcher Effekt hat sich für den Kulinariktourismus in den bisher „weißen Flecken“ auf der Michelin-Karte ergeben?

Astrid Steharnig-Staudinger: Die Rückkehr des Guide MICHELIN nach Österreich zeigt bereits klare Effekte für Tourismus und Gastronomie. Österreich ist wieder auf der globalen Gourmet-Landkarte präsent und spricht gezielt ein internationales, kulinarisch motiviertes Publikum an. Betriebe berichten von mehr Gästen, einer stärkeren Internationalisierung der Nachfrage und auch von positiven Effekten am Arbeitsmarkt.

Gleichzeitig trifft das auf ein stark wachsendes Nachfragepotenzial: Kulinarik ist heute ein zentraler Reisemotivator. 78 Prozent der US-Reisenden geben an, dass Kulinarik eine Rolle bei der Wahl ihres Reiseziels spielt, und rund 50 Prozent der Europäer:innen berücksichtigen kulinarische Erlebnisse bei ihrer Reiseentscheidung. Mit 101 Michelin-Sterne-Restaurants zählt Österreich heute zu den Ländern mit der höchsten Dichte an Spitzengastronomie weltweit und liegt mit 13,54 Sternen pro Million Einwohner auf dem sensationellen 3. Platz weltweit – es ist an der Zeit, das lauter zu kommunizieren – denn viele Länder haben schöne Landschaften. Unsere kann man aber auch schmecken.

Die Österreich Werbung und neun Bundesländer-Organisationen sind Partner des Projekts. Wie haben sich die Länder bei dem Event präsentiert? 

Das Besondere an „The Heart of Food“ war, dass ganz Österreich als ein Kulinarikland aufgetreten ist. Alle Bundesländer haben sich gemeinsam präsentiert, denn Schulter an Schulter gehen ist leichter als Rücken an Rücken stehen. Das Event hat Spitzenköch:innen, Regionen und Produzent:innen auf einer Bühne vereint und damit ein starkes Signal gesendet: Österreich steht für kulinarische Vielfalt auf höchstem Niveau – vom alpinen Raum bis in die Städte.

Österreich hat 2026 bereits 41 Grüne Sterne. Ist das Ziel der Organisation, Österreich international als die Destination für nachhaltige Spitzengastronomie zu positionieren?

Mit mittlerweile 41 Grünen Sternen sehen wir ganz klar: Nachhaltigkeit ist kein Trend, sondern Teil der DNA unserer Küche. Regionalität, Saisonalität und verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen sind kein bloßer Zusatz, sondern längst unser Qualitätsmerkmal – wir zählen weltweit bereits zu den nachhaltigsten Reisedestinationen. Strategisch geht es für uns nicht um mehr Gäste um jeden Preis, sondern um die richtigen Gäste – um jene, die Wert auf höchste Qualität, Regionalität und Nachhaltigkeit legen. 

Warum fiel die Wahl für die Präsentation 2026 auf eine klassische Tourismusregion statt auf eine Landeshauptstadt? Was bedeutet so ein Event für die lokale Hotellerie und Gastronomie vor Ort?

Die bewusste Entscheidung für eine Tourismusregion – und nicht für eine Hauptstadt – war strategisch. Wir wollten zeigen, dass kulinarische Exzellenz in ganz Österreich zu Hause ist. Ein Event wie dieses bringt enorme Effekte für die Region: internationale Sichtbarkeit, zusätzliche Nachfrage und Impulse für Hotellerie und Gastronomie. Und es unterstreicht: Österreichs Kulinarik ist kein urbanes Phänomen, sondern Teil der gesamten Destination.

Bei den Begleit-Event „The Heart of Food“ werden auch Produzenten einbezogen. Wie wichtig ist es, nicht nur den Koch, sondern die gesamte Lieferkette (Bauer, Winzer, Handwerk) auf die Bühne zu holen?

Kulinarik endet nicht in der Küche – sie beginnt lange davor. Deshalb war es uns wichtig, auch Bäuer:innen, Winzer:innen und Produzent:innen sichtbar zu machen. Denn die Qualität der österreichischen Küche basiert auf einer starken Lieferkette. Und genau diese Authentizität ist das, was internationale Gäste heute suchen: echte Produkte, echte Herkunft, echte Geschichten.

Foto: Carola Faber

Teilen: