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Im Herzen Smålands

Ein Aufenthalt hier ist mehr als nur eine Auszeit. Es ist ein Eintauchen in eine Welt, in der Genuss und Natur im Einklang stehen. Morgens weckt dich das Zwitschern der Vögel, mittags streifst du durch die umliegende Landschaft – und abends erwartet dich ein mehrgängiges Dinner, oft im historischen Speisesaal serviert.

Was diese Orte besonders macht, ist ihre Atmosphäre: persönlich, ruhig, authentisch. Kein übertriebener Luxus, sondern echte Qualität – mit viel Liebe zum Detail. Ob romantische Augenblicke oder eine stilvolle Landpartie: Wer einmal hier war, nimmt mehr mit nach Hause als nur schöne Fotos – nämlich das Gefühl, wirklich angekommen zu sein.

Herrenhaus mit Seele

Nur zehn Kilometer östlich von Lammhult und direkt an der Spitze eines weit verzweigten Seesystems gelegen, liegt Asa Herrgård.

Das Herrenhaus stammt aus dem 17. Jahrhundert, doch die Wurzeln des Ortes reichen noch viel weiter zurück – bis ins Mittelalter. Über Generationen hinweg war Asa im Besitz verschiedener Adelsfamilien, und wer heute durch die alten Flure geht, spürt ein Stück dieser Geschichte in jeder Ecke.

Herrenhaus Asa Herrgård. Foto: Carola Faber
Herrenhaus Asa Herrgård. Foto: Carola Faber

Früher hieß es, in Asa wachse der schönste Wald Smålands. Und vielleicht stimmt das bis heute. Die Wege rund um das Herrenhaus führen durch stille Landschaften, vorbei an moosbedeckten Steinen, glitzernden Wasserflächen und der Art von Natur, die einem den Atem nimmt – leise, kraftvoll und wohltuend. 

Zu den ganz zauberhaften Erlebnissen dürfte das Gourmet-Restaurant in der Natur, „The Edible Country“, gehören. Chefkoch Pontus Sjöholm geht mit seinen Gästen in den Wald, vorbei an – kein gehetzter Spaziergang, sondern ein stilles Streifen durch das Unterholz, wo jeder Schritt auf dem weichen Waldboden den Duft von Erde und Moos freisetzt. Gemeinsam werden wilde Kräuter, Pilze, Beeren und Fichtensprossen gesammelt – was die Jahreszeit eben gerade bietet. Pontus Sjöholm kennt jede Pflanze, weiß Geschichten über sie zu erzählen, und bald füllt sich der Korb mit kleinen essbaren Schätzen.

Gourmet-Restaurant in der Natur. Foto: Carola Faber
Gourmet-Restaurant in der Natur. Foto: Carola Faber

Nach rund zwei Kilometern öffnet sich zwischen den Bäumen eine kleine Lichtung, ganz versteckt. Fast magisch wirkt die Szene. In der Mitte fließt ein kleiner Quellbach. Genau hier steht eine liebevoll gedeckte Tafel – mit Leinentüchern, Waldblumen, Kerzen, kleinen Details aus der Natur. Die Szenerie wirkt wie aus einem Märchen: Moos als Teppich, die Bäume als Wände, das leise Glucksen der Quelle und das sanfte Rauschen des Windes wie Musik.

Während das Feuer knistert und erste Düfte aus der improvisierten Waldküche aufsteigen, nimmt der Tag einen ganz besonderen Rhythmus an. Das Menü besteht größtenteils aus dem, was vorher gesammelt wurde – zubereitet mit Zeit, Hingabe und viel Gefühl. Bei Kerzenschein wird serviert, gelacht, genossen. Es ist einer dieser zauberhaften Augenblicke, von denen man sich wünscht, sie mögen nie aufhören.

Wo Geschichte Heimat wird

Versteckt in den sanften Wäldern Smålands, am Ufer des Helige å, liegt ein Ort, der mehr ist als ein Hotel: die Villa Gransholm. Ursprünglich als stattlicher Familiensitz für den Direktor der örtlichen Papierfabrik erbaut, erzählen jedes liebevoll renovierte Zimmer, jeder Flur und jeder Stuckrahmen von einer Zeit, in der Eleganz und Handwerk eine Selbstverständlichkeit waren. Wo einst Geschäftsbriefe diktiert wurden, betten sich die Gäste in feine Wäsche. In den ehemaligen Salons trifft nostalgischer Chic auf skandinavische Klarheit – Kachelöfen spenden Wärme, Kronleuchter werfen ihr Licht auf feine Tischkultur, die nicht bloß inszeniert, sondern wie selbstverständlich gelebt wird.

Villa Gransholm. Foto: Carola Faber
Villa Gransholm. Foto: Carola Faber

Im weitläufigen Park glitzert ein Teich in der Sonne. Aus dem großen Küchengarten kommen frische Zutaten, aus denen das Küchenteam Albin Frank und Andersson Pfaus mit Leidenschaft regionale Gerichte mit Raffinesse zubereitet. Die Villa Gransholm ist ein Ort zum Ankommen, zum Atmen der Geschichte. „Es ist ein wunderbares Hotel. Inzwischen kommen wir regelmäßig. Die Atmosphäre, in der wir uns wie zu Hause fühlen, ist einfach etwas ganz Besonderes“, schwärmen Stammgäste.

Zeitreise mit Teatime

Ganz in der Nähe befindet sich Huseby Bruk. Einst ein florierendes Eisenwerk, ist es inzwischen ein liebevoll bewahrtes und pädagogisch hervorragend gestaltetes Kulturdenkmal. Es lädt zum Eintauchen in das Leben vergangener Jahrhunderte ein. Im Herzen des Anwesens liegt das alte Eisenwerk. Dort verbrachten die Arbeiter, deren Familien in schlichten Wohnungen Tür an Tür lebten, ihre Tage an schweren Maschinen. Heute können diese historischen Räume, inklusive einer originalgetreu nachgebauten Arbeiterwohnung aus den 1950er-Jahren, besichtigt werden.

Teatime im Huseby Bruk. Foto: Carola Faber
Teatime im Huseby Bruk. Foto: Carola Faber

Eine weitere Attraktion von Huseby Bruk ist der weitläufige Garten – eine botanische Oase, die einst von Elisabeth Stephens eigenhändig geplant und bepflanzt wurde. Zwischen üppigen Blumenbeeten, stillen Wegen und duftenden Kräutern wirkt die Zeit plötzlich ganz leise. Im angrenzenden Küchengarten ist bei den Führungen viel über alte Gemüsesorten, nachhaltigen Anbau und die Bedeutung des Gartens für das Leben am Hof zu erfahren. Hier wird sogar das Gras noch mit Pferdekraft gemäht – während im Hintergrund Hühner scharren und ein stolzer Pfau über das Gelände schreitet. Unbedingt lohnenswert ist der Besuch des Gartenrestaurants, wo vieles serviert wird, was im Garten wächst – frisch und saisonal.

Etwas höher thront das Herrenhaus – von den Einheimischen schlicht „das Schloss“ genannt. Es war das Zuhause der Familie Stephens, die Huseby im späten 19. Jahrhundert zu einem Ort kultureller Blüte machte. Über 20 Räume sind mit Originalmöbeln ausgestattet. Es wirkt so, als hätte die Familie den Raum gerade erst verlassen. Ein absoluter Höhepunkt ist nach einem Rundgang durch die prachtvollen Räume der stilvoll zelebrierte Afternoon Tea, inklusive Butler und Champagner. „Man kann ihn genauso genießen wie Schlossherrin Elisabeth Stephens im späten 19. Jahrhundert. Tee, Scones, Törtchen und Kanapees im prachtvoll eingerichteten Speisesaal. Sogar auf demselben Stuhl wie sie“, freut sich Sofie Magnusson, Geschäftsführerin von Huseby Bruk, über das Angebot.

Managerin Sofie Magnusson. Foto: Carola Faber
Managerin Sofie Magnusson. Foto: Carola Faber

Ankommen und Durchatmen

Zwischen Wiesen, Wäldern und dem stillen Wasser des Vidösternsees liegt Toftaholm Herrgård. Dort scheint die Zeit auf angenehme Weise etwas langsamer zu ticken. Das ehemalige Herrenhaus blickt auf über 600 Jahre Geschichte zurück, doch statt verstaubtem Museum wartet mit einer harmonischen Mischung aus nostalgischer Eleganz und modernem Komfort auf.

Mit Liebe zum Detail gestaltet, versprühen die Zimmer den nostalgischen Zauber vergangener Jahrhunderte – und doch fehlt es an nichts, was moderner Komfort zu bieten hat. Im Restaurant trifft die schwedische Küche auf die Welt: Traditionelle Gerichte werden mit raffinierten, internationalen Aromen neu zum Leben erweckt.

Ruhe und Erholung verspricht das ECO-Spa, idyllisch am Seeufer gelegen. In der holzbefeuerten Sauna und dem Hot Tub entfaltet sich eine wohlige Wärme, während die stille Wasserfläche zum Innehalten und Träumen einlädt.

Toftaholm Herrgård. Foto: Carola Faber
Toftaholm Herrgård. Foto: Carola Faber

Doch das Herrenhaus birgt nicht nur Schönheit, sondern auch ein Geheimnis. Man sagt, es werde vom Geist eines jungen Mannes heimgesucht, der im 17. Jahrhundert aus unglücklicher Liebe im Zimmer 324 das Leben nahm. Seine große Leidenschaft galt der Tochter des damaligen Barons – eine Verbindung, der standesgemäße Zwänge ein jähes Ende setzten.

Bis heute berichten Gäste von flüchtigen Geräuschen, sich wie von selbst bewegenden Türen und Fenstern, die unerklärlich ihren Zustand verändern. Ob Legende oder Wirklichkeit – der Zauber dieses Ortes bleibt unvergesslich.


Informationen:

www.visitsmaland.se

www.toftaholm.se/de

www.husebybruk.se

www.villagransholm.se/de

www.www.asaherrgard.se

Fotos: Carola Faber

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