Die Weine gären spontan, ohne künstliche Zusätze. Um den unverfälschten Ausdruck des Terroirs sichtbar zu machen wird nicht eingegriffen, sondern begleitet. Der kalkhaltige Boden, das kühle, windige Klima rund um Wolfsheim – das alles fließt direkt ins Glas. Heraus kommen authentische Weine: knackiger Silvaner, elegante Burgunder, duftige Scheureben.
Während Martina Bernhard-Fazzi neue Wege wagt, verkörpert Vater Jörg Bernhard das geerdete Wissen eines Naturburschen. Zusammen sind sie ein eingespieltes Team – neugierig, mutig, mit Respekt vor Tradition.
Ihre Philosophie? Biodynamisches Arbeiten – nicht als Trend, sondern als logische Konsequenz. Sie sehen sich als Teil eines größeren Ganzen. Damit der Boden lebt, säen sie gezielt Klee und Kräuter, die ihn auflockern, Nährstoffe liefern und Nützlinge anziehen. Statt Chemie setzen sie auf natürliche Präparate: Hornmist, Hornkiesel, selbstgezogene Kräutertees. All das stärkt die Reben von innen – und schont gleichzeitig die Umwelt. Für das Team ist klar: Große Weine entstehen nicht im Keller, sondern draußen – im Rhythmus der Natur, durch das Gespür für Boden, Wetter und Zeit. Ihr Ziel ist nicht nur ein guter Jahrgang. Ihr Ziel ist es, eine Zukunft zu pflanzen. Für den Wein. Für die Natur. Und für die Generationen, die nach ihnen kommen.
Zwei Weine, zwei wilde Seelen
Die Trauben für die Naturweine werden in strenger Handlese geerntet und stehen zwei Wochen auf der Maische, bevor sie spontan vergoren und ins 500-Liter Holzfass gefüllt werden. Nach regelmäßiger sensorischer Kontrolle ist nach einem Jahr ist ein beeindruckender Wein, wie der Naturkind Silvaner 2022 entstanden. Schon beim ersten Schluck zeigt er sich mit einer reifen Fruchtigkeit – Pfirsich, Aprikose, ein Hauch Birne. Die lange Maischestandzeit sorgt für spürbare Tannine, bevor ein voller, leicht hefiger Abgang die Sinne umschmeichelt. Die klassische Silvaner-Mineralität bleibt nicht etwa zurückhaltend, sondern rundet das Ganze fein und elegant ab – ein Naturwein mit Charakter und Charme.
Ganz anders, aber nicht weniger eindrucksvoll: der Naturkind Gewürztraminer 2022. In der Nase ein florales Feuerwerk, das an einen Rosengarten im Hochsommer erinnert. Am Gaumen zeigt er sich ebenso verspielt wie präzise. Zwei Wochen Maischestandzeit, spontane Gärung und Reife im 500-Liter-Fass machen diesen Wein zu einem authentischen Erlebnis. Beide Weine sind mehr als Genuss – sie sind Ausdruck eines lebendigen Handwerks.
Lagenweine mit Tiefgang
Es gibt Weine, die erzählen Geschichten, wie die Lagenweine des Weinguts Bernhard, kraftvoll und mit Seele. Allen voran der Osterberg Riesling trocken 2021 ist ein Wein, der nicht nach dem Lehrbuch entstanden ist, sondern aus einer ehrlichen Erkenntnis: „Der war anfangs einfach nicht gut“, erzählt Martina Bernhard über den ersten Versuch. Also wurde das Konzept auf links gedreht. Statt Schema F: lange Maischestandzeit, spontane Gärung, Ausbau im Holzfass – Dinge, die man sonst eher in Burgund erwartet. Das Ergebnis? Ein Riesling mit reifer Pfirsichfrucht, feiner Holznote, spannender Säure und einem ganz eigenen Charakter. Ein Wein, der Wolfsheim in seiner ganzen Tiefe widerspiegelt – wild, kraftvoll, unverwechselbar.
Der Sankt Kathrin Silvaner trocken 2021 ist Martinas Spielwiese – seit sie 14 ist. Hier darf experimentiert werden: Maischegärung, Edelstahl, kleine und große Holzfässer – alles ist erlaubt, solange es am Ende Sinn ergibt. Und das tut es: Kräuteraromen treffen auf Exotik, Struktur auf Leichtigkeit. Der Silvaner wird zur Bohemian Rhapsody des Weinguts – vielschichtig, dramatisch und absolut stimmig.
Und dann ist da noch der Götzenborn Chardonnay trocken 2023 – ein Wein mit Geschichte und Familienbezug. Oma Bernhards Lieblingsrebsorte wird hier auf Kalkstein mit fossilem Erbe angebaut. Im Glas zeigt sich der Chardonnay mineralisch, saftig, mit feiner Holznote und typischer Wildheit durch spontane Gärung. Er ist purer Ausdruck von Boden und Stilbewusstsein.
Der Sonnenberg Spätburgunder 2020 ist kein gewöhnlicher Rotwein – er ist ein emotionales Flaggschiff im Keller. Der Vendersheimer Sonnenberg ist eine warme Kessellage mit rotem Tonmergelboden und bietet ideale Bedingungen für dichte, ausdrucksstarke Weine. In der Nase öffnet er sich mit feinen Noten von dunklen Beeren, etwas Kaffee und Erde. Die reifen Tannine geben dem Pino Noir Struktur, der Körper bleibt dabei elegant und balanciert.
Informationen:
Fotos: Carola Faber

