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IDDA, der neueste Clou aus dem Weinreich Gaja

2015 trafen sich Angelo Gaja und Alberto Graci erstmals, um die Möglichkeiten eines neuen Weinbauprojekts am Ätna auszuloten. Heraus kam ein Joint Venture der beiden erfahrenen und erfolgreichen Weinbaufamilien, das schon 2016 fahrt aufnahm. Ursprung der Idee war natürlich die faszinierende Ausstrahlung dieses schneebedeckten, Sizilien dominierenden schlafenden Riesen, der allerdings auch schon mal aufwacht, um dann mit urtümlichem Getöse über Nacht so manche über Generationen vollbrachte landwirtschaftliche Arbeit zunichte zu machen. Aber gleichzeitig ist die Verlockung gerade für Winzer enorm, ist doch der Lavaboden des Ätna äußerst fruchtbar. Zudem kann man nirgends sonst in Europa höhere Weinberge anlegen. Und nirgends sonst kann später geerntet werden…

Gründe genug also, um sich an diesem neuen Projekt zu versuchen und der Kunst des „Winemaking“ einige neue Kapitel des Weinbaus hinzuzufügen. Natürlich gab es ein gewisses Risiko: Gaja wart noch nie zuvor am Ätna aktiv. Und die Familie Graci hatte am Ätna niemals die Südseite bewirtschaftet. Aber das Ziel war und ist: „Lernen, wachsen, verbessern!“

Von links nach rechts: Giovanni Gaja, Gaia Gaja, Rossana Gaja, Alberto Graci und Elena Graci. Foto: Gaja
Von links nach rechts: Giovanni Gaja, Gaia Gaja, Rossana Gaja, Alberto Graci und Elena Graci. Foto: Gaja

Schon 2017 konnte ein erstes Ergebnis erzielt werden. Schon die erste Ernte der für den Ätna typischen Rebsorten Nerello Mascalese und Nerello Cappuccio war ermutigend. Heraus kam der rubinrote IDDA, ein geschützter Etna Rosso DOC, der 24 Monate in Eiche und Zement lagert, ehe er abgefüllt wird. Die Familien Gaja- und Graci-Familie entschieden sich für den Namen IDDA“. Eine hervorragende Wahl: Denn „IDDA“ bedeutet im lokalen sizilianischen Dialekt „Sie“ und meint nichts anderes als den Ätna selbst. Das Wort verbindet Beeindruckung wie Bewunderung der lokalen Bergbewohner für ihren feuerspeienden „Hausberg“, aber eben auch Ehrfurcht und Achtsamkeit für dieses durchaus auch gefährliche, unzähmbare Ungetüm.

Und der Ätna ist eben mehr als nur ein Berg: Er atmet, besitzt eine eigene Identität, Persönlichkeit und Geschichte, er ist kapriziös, bisweilen leicht erregbar, doch auch die schützende Mutter aller Bewohner in seinem Umkreis, die für Fruchtbarkeit und das Mysterium des Lebens steht. Schon für Pier Paolo Pasolini war der Ätna der „Platz der Seele“, ein Ort von Leben und Tod, Heiligem und Profanem, Eis und Feuer, Licht und Dunkelheit, Paradies und Hölle. Und so ist der Name „Idda“ für dies prosperierende Joint Venture äußerst klug gewählt. Auch das Etikett der IDDA-Weine spiegelt dies wieder. Denn seit der ersten Ernte 2018 gibt es auch den Weißwein IDDA Sicilia DOP aus Carricante-Trauben. Und so spiegelt das rote Etikett des IDDA Rosso die Lava des Vulkans, das blaue Etikett des Weißwein indes das nahe Meer wieder. Zudem zeigen die Etiketten neben dem Schriftzug auch ein uraltes mystisches Symbol: die Spirale! Es könnten indes auch die sich windenden Konturen und Bergflanken des Ätna sein.

Präsentation im The Sussex Cellar, London. Foto: Gaja
Präsentation im The Sussex Cellar, London. Foto: Gaja

Aktuell befinden die Weinberge des IDDA-Projekts, dessen neue Cantina 2022 fertiggestellt sein wird, am Süd- bzw. Südwesthang in Belpasso (21 ha in 600 – 620 m Höhe, davon 9 ha Weinberge) sowie in Biancavilla (21 ha in 630 – 820 m Höhe, davon 15 ha Weinberge). Hinzu kommen die einst von Admiral Lord Nelson besessenen 5 ha der Contrada Tartaraci bei Bronte am Westhang des Ätna. Hier, auf diesen lange aufgegebenen Weinbergen in 970 m Höhe (!), wachsen die Rebsorten Nerello Mascalese, Carricante, Grenache, Grecanico und Minella. 2022 und 2023 werden in Belpasso jeweils 4 ha Weinberge hinzukommen.

Die Reben für den IDDA Rosso gedeihen hauptsächlich in Biancavilla, wo die Lava fast 60 000 Jahre alt ist. Allerdings ist der erodierte Boden auch weitaus weniger fruchtbar als die lokal „Dagala“ genannte Weinberg-Insel im viel jüngeren Lavameer von Belpasso. Hier in diesem Lavagebiet mit 80 % Sandanteil gedeiht vor allem die weiße Rebsorte Carricante, für die aber auch in Biancavilla 5 ha reserviert sind.

Und gerade auf die spät reifende Carricante-Rebe setzt das Weinbauer-Duo für die Zukunft. Wurden aktuell vom neuen Jahrgang des IDDA Bianco 2020 nur 18.000 Flaschen abgefüllt, dürften es in Zukunft weitaus mehr werden. Denn die Ernte wurde 2020 auch durch einen Hagelsturm beeinträchtigt, der am 12.9. für den Verlust von 20 Prozent der Produktion sorgte. Dies mindert allerdings keineswegs die Qualität des gefilterten IDDA Bianco 2020, der teils in Eiche (10 Hektoliter), teils in Stahl reifte und nach einem Jahr in Falschen abgefüllt wurde. Corona verhinderte, dass sich die Qualität (er wurde schon mit 93 Punkten bewertet) dieses mit Noten von Melone, gelber Pflaume und Ananas aufwartenden Weins noch nicht früher herumgesprochen hat. Ende September 2021 konnte sich schon einmal die englische Presse in Sussex Cellar in London davon überzeugen.

Vineyards Tartaraci Contrada in Bronte nam Ätna. Foto: Gaja
Vineyards Tartaraci Contrada in Bronte nam Ätna. Foto: Gaja

Ebenso natürlich vom IDDA Etna Rosso DOP 2019 (14,5 % Alkoholgehalt; Bewertungen zwischen 91 und 96 Punkten!), von dem 34 000 Flaschen auf den Markt gelangten. Er vereinigt Noten von dunkler Kirsche, Maulbeere und Oregano. Und natürlich geht das Ätna-Projekt von Angelo, Giovanni, Gaia und Rossana Gaja sowie Alberto und Elena Graci weiter. Denn ihr Abenteuer Ätna hat ja gerade erst begonnen. Und die aufregende und auch ein wenig kostspielige „Sie“, „IDDA by Gaja & Graci“ wird ab 2022 den Markt erobern.

Fotos: Gaja

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