Die Löwengrube ist ein kultureller Schmelztiegel der Aromen. Regionale Wurzeln treffen auf internationale Einflüsse, traditionelle Handwerkskunst auf moderne Leichtigkeit. Das Ergebnis ist eine gehobene Küche, die neugierig macht, überrascht und dennoch vertraut wirkt – ein kulinarischer Dialog zwischen Südtirol und der Welt.
Tief unter dem historischen Gemäuer verbirgt sich ein weiterer Schatz: der vielfach prämierte Weinkeller. Seit rund 700 Jahren erzählen seine Mauern Geschichten von Genuss, Begegnungen und großen Momenten. Über 1000 Etiketten aus renommierten wie auch aufstrebenden Weinregionen ruhen hier – jede Flasche ein kleines Kulturgut für sich. Wer die steilen Stufen hinabsteigt, spürt sofort die besondere Atmosphäre dieses Ortes, der Geschichte nicht ausstellt, sondern erlebbar macht.
Tief verwurzelt in Südtirol
Geprägt wird das Haus von Inhaber Michael Meister, tief verwurzelt in Südtirol und zugleich Weltbürger. Der ehemalige Haubenkoch hat diese beiden Pole zu einem stimmigen Gesamtkonzept vereint. Gemeinsam mit seinem Team führt er die Gäste mit Esprit, durch eine Küche und Weinkarte, die Vielfalt nicht als Trend, sondern als Haltung versteht.
Ganzheitlichkeit steht dabei im Mittelpunkt: in der Auswahl der Zutaten, in ihrer kulturellen Herkunft und in den Sinneseindrücken, die jeden Besuch begleiten. Ob à la carte, Degustationsmenü, wechselnde Tagesgerichte, ein genussvoller Mittagstisch oder ein Aperitif an der Bar – die Löwengrube ist ein Ort, an dem man ankommt, verweilt und mit einem Lächeln wieder aufbricht.
Eine Reise in sechs Akten
Das Degustationsmenü in der Löwengrube stellt keine bloße Abfolge von Gängen dar – es ist eine erzählte Reise, komponiert mit Feingefühl, Haltung und einer klaren Handschrift. Küchenchef Federico Fioravanzo lädt zu einem kulinarischen Streifzug ein, der alpine Verwurzelung, mediterrane Leichtigkeit und weltläufige Eleganz miteinander verbindet.
Der Auftakt wirkt ebenso fein wie poetisch: Eine Jakobsmuschel, umhüllt von einer zarten Orangenblüten-Kruste, gibt den Ton an. Süße Erbsencreme, frische Minze und ein konzentriertes Kirschtomatenconfit schaffen Balance und Frische, während der zugleich komplexe und feinperlige Athesis 2022 von Kettmeier die aromatische Spannung elegant aufgreift. Ein erster Gang, der nicht laut ist – sondern verführerisch leise.
Es folgt ein Tatar vom Black Angus Rind, kraftvoll und präzise zugleich. Kapernpesto bringt Würze, Zwiebelmarmelade Tiefe, Salzbutter und Eigelbcreme sorgen für seidige Fülle. Dazu knusprig getoastetes Steinofenbaguette – ein Gericht, das Handwerk zelebriert und mit dem eleganter sowie frischen Isarcus 2023 vom Griesbauerhof einen idealen Begleiter findet.
Das Rote Bete-Cremesüppchen schlägt einen überraschend feinen Ton an. Erdige Süße trifft auf die zarte Passeirer Lachsforelle, getragen von einer luftigen Kokos-Zitronengras-Emulsion. Knusprige Fregola Sarda setzt Textur und Kontrast. Der weiche und zart fruchtige Nova Cuvée Furglau 2024 vom Weingut Romen begleitet diesen Gang mit Frische und Klarheit.
Alpine Tiefe, fein interpretiert
Mit den Ravioli, gefüllt mit Villnösser Brillenlamm, wird es herzhaft und tiefgründig. Die aromatische Füllung ruht auf einer samtigen Topinamburcreme, begleitet von jungem Blattspinat und feinen Scorzone-Trüffeln. Ein ausgewogener St. Daniel Riserva 2023 der Kellerei Schreckbichl verleiht dem Gang Struktur und Eleganz.
Der Hauptgang ist eine Hommage an die klassische Küche: Kalbsfilet alla Rossini. Perfekt gegartes, äußerst zartes Fleisch, Foie gras von feiner Opulenz, cremiges Kartoffelpüree, Blattspinat und erneut der edle Scorzone-Trüffel. Der vollmundige und harmonische Lagrein Riserva Grafenleiten 2020 von Obermoser bringt Tiefe, Wärme und Länge – ein großer Abschluss vor dem Finale.
Dieses gehört ganz der Erinnerung: Apfelstrudel à la Löwengrube. Neu interpretiert und doch vertraut. Apfel-Zimtmousse, Rosinengelee, Apfelconfit und knusprige Blätterteigsplitter spielen mit Texturen, Vanilleeis und Karamellsauce sorgen für wohliges Finale. Der Kerner Passito Praepositus 2023 vom Kloster Neustift setzt einen süßen, eleganten Schlusspunkt.
Ein sechsgängiges Menü, das nicht beeindrucken will – sondern berührt. Und lange nachklingt.
Informationen:
Fotos: Carola Faber

