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Ein perlender Sommernachtstraum

Paläste und Landhäuser des 17. und 18. Jahrhunderts säumen die Zufahrten zum Ortsteil Mosnel in der Gemeinde Camignone, die ihren Namen von “Casa minore” ableitet. Hintergrund waren die hier im Mittelalter errichteten Mönchsbauten minderer Bedeutung des nahebei gelegenen, um 1100 gegründeten Cluniazenser-Klosters Rodengo-Saiano. Ab dem 15. Jahrhundert wurde es für den Stadtadel aus Brescia große Mode, hier Landgüter anzulegen, um die Nähe zum Lago d`Iseo zu genießen und die frische, kühlende, aus dem Val Camonica einströmende Bergluft zu genießen. 

Und das Val Camonica ist nicht irgendein Gebiet: Hier findet sich Italiens ältestes UNESCO-Welterbe, tausende Steinritzungen und Felszeichnungen, die den Beginn der menschlichen Besiedlung nach der letzten Eiszeit noch heute lebhaft dokumentieren. Tatsächlich stammt auch der Name dieses unterhalb des Val Camonica liegenden Landstrichs inmitten von Fluss-Sedimenten und der eiszeitlich hinterlassenen Moränenhügel, Franciacorta, heute Synonym für Italiens Schaumweine schlechthin, schon aus dem 13. Jahrhundert. Damals “Franzacurta” genannt, stammt die Bezeichnung wohl von dörflichen Handelsposten, den “franchae curtes”, die unter dem Schutz des Klerus standen. 

Mosnel – ein keltisches Wort für eine Kelterei

Schon aus dem 16. Jahrhundert stammt die Cantina von Mosnel, die mit Weinbergen 1836 von der Familie Barboglio übernommen wurde. Doch dann kamen um 1900 erst die Reblaus und dann der Erste Weltkrieg, so dass nach 1918 ein kompletter Neuanfang nötig war. Doch erst Emanuela Barzanò Barboglio sorgte für die Neupflanzung der Rebstöcke nach modernen Weinbaumethoden und 1976 für die Umbenennung der Azienda Agricola Barzanò Barboglio in “Mosnel”. Der Name ist keltischen Ursprungs, entstammt dem lokalen Dialekt und bezeichnet in etwa “steiniges Gebiet”, “Anhäufung von Steinen”, somit also das besondere Nacheiszeit-Terroir, das auch dem Aushängeschild des Gutes, dem Mosnel Franciacorta Brut, seine spezifische Note verleiht. 

Lucia and Giulio Barzanò. Foto: Mosnel
Lucia and Giulio Barzanò. Foto: Mosnel

Neu mit Erbamat…

Erstmals 1979 ediert, besteht dieser 44. Cuvée wie stets aus Chardonnay, Pinot Bianco und Pinot Nero, doch erstmals auch aus einem Hauch Erbamat, einer gebietstypischen, alten Rebsorte. Erbamat wurde erst kürzlich wieder ins Rebsortenregister für die Produktion von Franciacorta aufgenommen und Mosnel hat für diese Rebsorte einen Hektar reserviert. Vor allem werden aber Chardonnay – die Hauptrebsorte des Gutes – sowie Pinot Bianco kultiviert, die Handschrift des Hauses markant prägen und auch für die terroirgeprägte Eleganz des Brut sorgen.

Mosnel Franciacorta Brut steht beispielhaft fūr die Philosophie der Familie und des Unternehmens. Giulio Barzanò erklärt: „Seit jeher arbeiten wir daran, unsere enge Beziehung zum Anbaugebiet in Qualität und Charakter unserer Weine zum Ausdruck zu bringen.“ Und: „Die Erweiterung unserer Cuvée um Erbamat ist weit mehr als ein Experiment. Dank einer ausgeprägten Säure und eines relativ neutralen Aromas bringt diese Rebsorte eine natürliche Frische in den Wein und stärkt somit nicht nur die territoriale Identität, sondern trotzt zudem gezielt den Herausforderungen des Klimawandels.”

Lange Reifezeit

Dazu gehört natürlich auch, dass Mosnel längst zu den Pionieren des ökologischen Landbaus gehört. Rund 30 Prozent des Maischeguts gärt und reift in Barriques. Die Zeit auf der Feinhefe beträgt 30 Monate, deutlich länger als die vorgeschriebenen 18 Monate. Diese lange Reife verleiht dem Metodo Classico von Mosnel Tiefe und Komplexität, ohne ihm die Vitalität zu rauben. „Das Ergebnis ist ein Franciacorta von großer Präzision und Finesse“, so Giulio. „Holunderblüten und Weißdorn verbinden sich mit Zitrusnoten, weißen und gelben Früchten, Kräutern und Mandeln. Die Perlage ist fein und cremig, am Gaumen frisch und harmonisch, mit einem straffen, langen Finale. Ein Schaumwein, der kein Rampenlicht braucht!”

Rebfläche des Weinguts. Foto: Mosnel
Rebfläche des Weinguts. Foto: Mosnel

Tolles Besucherprogramm

Schön auch, dass Mosnel seit dem 30. April 2025 wieder seine Tore für Besucher öffnet und ein weitreichendes Angebot für die Gäste bereit hält. Allen voran gehören natürlich dazu die geschmacklichen Emotionen bei den Verkostungen aus dem großen Portfolio des Weingutes (15 – 50 Euro). Hinzu kommen legendäre Vertikalverkostungen, denn Mosnel legt auch Retro-Jahrgänge wieder auf. Ein besonderes Vergnügen dürften die Jahrgänge des Franciacorta Extra Brut DOCG „EBB“ (für Emanuela Barzanò Barboglio!) sein. So erzielte kürzlich der EBB-Jahrgang 2018 allerhöchste Bestnoten. Auch die Franciacorta Riserva DOCG dürfte ein Ereignis sein, wie auch die Jahrgänge des Mosnel Franciacorta DOCG „Pas Dosé“. 

Großartig sind auch die geführten Spaziergänge durch die Weinberge (35 Euro), das Nonplusultra das Picknick im Weinberg mit Degustation (65 Euro). Im Gut Mosnel steht alles im Zeichen von feinen Schaumweinen, einer liebevoll gepflegten Landschaft und somit einem authentischen Erlebnis für jedermann, das dem natürlichem Rhythmus der Natur folgt. Allen voran bietet der Mosnel Franciacorta Brut den perfekten Einstieg hierzu, auch und gerade in einer angenehm lauen Sommernacht. 


Informationen:

Azienda Agricola Mosnel: www.mosnel.com

Fotos: Mosnel

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