Rigoros nur Sangiovese pur! Und Brunello aus Leidenschaft! Dies ist das Credo von Vater und Sohn Mori, die nun auf ein halbes Jahrhundert ihres Familienweingutes zurückblicken dürfen. Alles begann mit Großvater Giuseppe Mori und seiner Familie, die es allesamt aus dem heimischen Siena hinauszog ins verschlafene Montalcino. 1974 verguckte sich Giuseppe in ein uraltes „Türmchen“ aus der Mitte des 13. Jahrhunderts, exakt von 1246. Das Innere dieser „torretta“ hatte man bis zuletzt zum Trocknen von Maronen – Esskastanien genutzt!
Flugs erwarb Giuseppe das Anwesen mit herrlichem Blick weit hinein auch ins Val d`Orcia-Tal und übernahm den Namen „Marroneto“, „Esskastanienwäldchen“, für das zukünftige Weingut. Noch im gleichen Jahr wurden die ersten 3000 laufenden Meter Rebstöcke gepflanzt, weitere folgten 1979. Und die letzten 9000 kamen 1984 ins perfekte Terroir aus marinem Kalk Sedimenten, Mineralien und sandigem einstigem Meeresboden. Heute umfasst der Besitz ganze zehn Hektar, davon acht Hektar Weinberge in 350 bis 450 Metern Höhe, von denen wiederum ganze 1,5 Hektar das fabelhafte Terroir des Hundertpunktlers, den Vigneto Madonna delle Grazie ausmachen. Den Namen verdankt der Weinberg einem oberhalb stehenden Kirchlein von ca. 1200.
Anfänge als Laien
Nun, als die Mori aus Siena hier eintrafen, war auch das berühmte Konsortium des Brunello di Montalcino gerade erst sieben Jahre alt. Und somit dürfen sich Mori heute auch zu den Pionieren des weltberühmten Brunello zählen! Dabei zählten sich die Mori eher zu den Dilettanten im Weinbau, so Alessandro: „Unsere Familie kam nicht aus der Welt des Weins und, zu Beginn, hätte niemand daran gedacht, daraus eine Arbeit als Lebensaufgabe zu machen!“ Erst einmal kam Alessandro mit seinem Vater an jedem Wochenende hierher und tastete sich sehr langsam an die neue Welt heran. Dann aber kamen zwei Önologen von Rang, Mario Cortevesio und vor allem Giulio Gambelli, die besonders im jungen Alessandro jene Leidenschaft für den Wein weckten. Doch alles ging Schritt für Schritt. 1976 wurde die erste Ernte eingeholt, 1980 der erste Wein abgefüllt. Da bewegte sich Alessandro noch zweigleisig, studierte Jura und wurde Anwalt, um parallel auch „Vigneron“, Winzer zu werden.
Wendejahr 1990
Dann kam ein besonderes Weinjahr, 1990, in dem Alessandro sich endgültig die Sporen zum Wine Maker verdiente. Fortan konnte er alleine vorwärtsschreiten und Jahr für Jahr die Erträge qualitativ verbessern. Heute zählt Il Marroneto längst zu den profiliertesten und besten Brunello-Weingütern überhaupt. Doch Alessandro Mori winkt trotz Erfahrung von Jahrzehnten weiterhin ab: „Ich habe noch viel von meinen Weinbergen zu lernen,“ ist sein Credo.
Dabei hat sich die Methode der Lehrjahre, “Giocare col vino“, „mit dem Wein spielen!“ bestens bewährt. Mit dem toskanischen Jahrhundertjahrgang 2015 begann dann der Aufstieg zu den allerhöchsten Ehren im Wein-Business: Die ominösen 100 Punkte wurden an seinen DOCG Brunello di Montalcino Selezione Madonna delle Grazie vergeben. Nur noch winzige Chargen dieses limitierten und nummerierten Super-Brunello sind noch im Handel. Und auch die folgenden 100er, der 2016er und de 2019er, sind rar auf dem Markt zu finden.
Vier Weine der Extraklasse
Welch ein gigantischer Erfolg! Die Trauben der Selezione gedeihen auf dem sandigen, mineralreichen einstigen Meeresboden in 400 Höhenmetern prächtig, reifen nach der Vinifizierung für 42 Monate in großen Eichenfässern (Allier und slawonische Eiche; 26 Quintali Fassungsvermögen) und erneut zehn Monate auf der Flasche, ehe sich der Wein nach fünf Jahren Brunello nennen darf. Ein Wein der absoluten Extraklasse, zum Meditieren! Gut, dass es jenseits dieses Super-Brunello auch noch den regulären Il Marroneto DOCG Brunello di Montalcino gibt. Der 2019er Jahrgang erreicht 97 (Wine Enthusiast) bzw. 96 (Decanter9 Punkte, der 2018er ebenfalls (Wine Enthusiast) 97 bzw. 95 (Robert Parker), die Jubeljahrgänge 2015 und 2016 locker 98 Punkte.
Und damit nicht genug: Denn auch der „einfachere“ Il Marroneto Rosso di Montalcino „Ignaccio“ ist eine Wucht. Der 2021er Jahrgang erhielt von Robert Parker satte 94 Punkte, ebenso der 2020er von James Suckling.
Und schließlich ist da ja auch noch der 2019 aus der Taufe gehobene Rosso die Montalcino Selezione Iacopo von Sohn Iacopo Mori. Auch dieser ruht allerdings nur für 20 Monate in großen Eichenfässern (26 Quintali) und reift weitere sechs Monate in der Flasche. Der 2019er erreichte 94, der 2020er 93 und der 2021 nun großartige 95 Punkte.
Doch Vater Alessandro bleibt gelassen: „Ich wollte niemals meinen Wein an Marktregeln binden. Jede Flasche ist das Resultat sorgfältiger Arbeit, akribischer Auswahl und tiefem Respekt vor der Natur.“ Und: Die Langlebigkeit unserer Weine beruht auf ihrer Reinheit: keine ausgewählten Hefen, keine Additive, nur Trauben die Zeit und Tradition respektieren.“

