Weinbau in der Bordeaux-Region ist geprägt durch eine lange Tradition. Wie in vielen Teilen Europas, begann der Anbau von Wein bereits im Mittelalter. Großer Vorteil der Region war allerdings der aufkommende Handel und die vorhandenen Häfen und Schiffe, welche die Weine in die ganze Welt brachten. Und letztendlich sorgte das große Interesse von Adel und Handelsleuten ab dem 18. Jahrhundert für einen richtigen Boom. Weingüter wurden im wahrsten Sinne des Wortes hoffähig.
In der Folge erarbeitete Bordeaux sich eine Art Referenz-Titel: Die Perfektion des Ausbaus, die Wahl und Mischung der Sorten, die Nutzung und Kultivierung der besten Böden; all dies führte zu einem Weltruf, den sich diese Weinregion hart erarbeitete. Und dabei hieß es nie Masse, sondern Klasse.
Erde, Terroir & Böden
Nun, wie wichtig Klima beziehungsweise Wetterbedingungen und die für den Boden und die Region passende Rebsorte sind, dürfte kaum erwähnenswert sein. Aber der „Boden“ ist unbestritten die Komponente, die einfach stimmen muss – weil sie nicht variabel ist und sich nicht ändert. Sie ist in diesem Wein-Trio die konstanteste und wahrscheinlich ausschlaggebendste Komponente.
Und so wichtig die Böden für das Wachstum sind, so unterschiedlich sind sie im Kontext einer Weinregion. Im Bordeaux sprechen wir hier zum Beispiel von Schotterböden, vor allem im Médoc und Graves, wo Kiesel, Kies und Schotter auf Sand vorherrschen. Klassisch speichern diese Arten von Böden tagsüber Wärme und geben sie nachts langsam wieder ab. Optimal für spät reifende Trauben wie zum Beispiel Cabernet Sauvignon.
Lehm- und Sand-Mischungen sind logischerweise gerade in und an den Ufern bestimmter Flussgebiete zu finden. Diese Böden sorgen für die beispielsweise von Weißweinen begehrte Frische, sorgen zum Teil auch für mineralische Noten. Bei den Kalk- und Tonböden zeigt sich die ideale Bodenbeschaffenheit für Cabernet Franc und Merlot. Unschwer vorstellbar, dass schon die kleinsten Änderungen an der Beschaffenheit der Böden auch einen komplett anderen Wein resultieren können. Indiz dafür, dass die Entscheidung für einen Wein stark von den vorhandenen Böden abhängig ist.
Entsprechend sind alle Unterregionen des Bordeaux auch mit eigener „Philosophie“ ausgestattet. Ist es Médoc (inklusive Haut-Médoc, Pauillac, Saint-Estèphe, Margaux etc.) kommen oft tanninreiche Rotweine aus den Kellern – die Trauben wachsen auf Schotterböden und zeichnen sich zumeist durch langlebige Weine aus. In Graves & Pessac-Léognan mischen sich Kalk und Schotter; bekannt für elegante Rot- und Weißweine.
In der Unterregion Saint-Émilion & Pomerol befinden wir uns auf der rechten Gironde-Seite. Hier finden Merlot und Cabernet Franc beste Voraussetzungen auf den typisch dominierenden Ton- und Kalkböden. In Entre-Deux-Mers & Bordeaux Blanc resultieren klassisch Weißweine von Sauvignon Blanc, Sémillon und Muscadelle
Château Lascombes
Das Château Lascombes unter der Leitung von Önologen und Gutsdirektor Axel Heinz, gehört zum Haut-Médoc und ist ein Beispiel dafür, wie modernes Bordeaux mit der jahrhundertealten Tradition symbiotisch verschmelzen kann. Weine von Lascombes zeigen, wie kraftvoll und komplex die eingesetzte Frucht ihr Potenzial entfalten kann.
2022 übernahm Gaylon Lawrence Jr. das Château Lascombes, um das Weingut wieder neu auszurichten. Und die Vision von Axel Heinz ist das I-Tüpfelchen, welches genau diesen Prozess abrunden soll: „Dahinter steht die Idee dem Grand Vin von Lascombes wieder einen Stil zu geben, der tiefer in der Bordeaux-Tradition verwurzelt ist, mit einer Cuvée, in der Cabernet Sauvignon – die emblematische Rebsorte des Médoc – wieder im Mittelpunkt steht. Diese Rebsorte verleiht den Grands Vins von Margaux ihre charakteristische Balance.”
Nun, dass dies eine gewisse Zeit in Anspruch nimmt, dürfte jedem klar sein. Aber mit Axel Heinz kommt ein vinophiles Schwergewicht ins Bordeaux, das sich nicht zuletzt hat bei Ornellaia und Masseto in Italien das notwendige Wissen erarbeiten können, um auch schwierige Projekte umzusetzen. Sicher notwendig, denn bei Château Lascombes gibt es nicht nur verschiedene Lagen, sondern auch verschiedene Bodentypen – und das aufgeteilt auf etwa 100 Hektar Rebfläche..
Und mit dieser Energie und dem Antrieb neue Wege, vielleicht neue Visionen umsetzen zu wollen, kam Heinz jüngst nach Hamburg um – zumindest Teilresultate – vorzustellen. Um langjährige vintages unter seiner Federführung zu präsentieren, dafür fehlte natürlich die notwendige lange Anwesenheit in der Region. Seine erste komplette Weinlese als CEO war der Jahrgang 2023, er kommt also nunmehr auf sein drittes Ernteergebnis.
Der Château Lascombes 2016 kommt als eleganter Wein mit aromatischer Fülle daher. Klassisch zeigen sich am Gaumen rote Beeren und schwarze Johannisbeere. Bei dem 2010er zeigt sich ein anderes Gaumenbild. Erfrischend und cremig mit feinen Tanninen – so wie man es mag. Robert Parker vermerkt zu diesem Wein: „Der Wein hat 2010 alle Register gezogen. Der durchschnittliche Alkoholgehalt des Flaschenweins liegt bei 14 %. Er hat eine herrlich süße Nase von Crème de Cassis, Frühlingsblumen, dezentem Barbecue-Rauch und Holzkohle, gefolgt von einem vollen Körper, schöner Intensität, großer Reinheit, Statur und Länge. Der Einfluss von Eiche ist minimal, obwohl zu 90 % neue französische Eiche verwendet wurde.“
Ebenfalls im Gepäck hatte Heinz den Château Lascombes 2022 und seinen ersten Jahrgang 2023. Der 2022er ist trotz seiner Jugendlichkeit kraftvoll und elegant, noch ein wenig bissig. Aber auch hier werden die Jahre die Wildheit der Tannine zähmen. Der 2023er ist eine Assemblage aus Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc und Petit Verdot. Auch hier: kraftvoll und elegant bei intensiver Farbe. Es zeigt sich schwarze Frucht mit dunklem Fruchtbouquet. Die Reifelagerunf erfolgt hier in Barriques, großen Eichenfässern und Amphoren.
Als highlight kamen final neben dem La Côte Lascombes 2022 noch die Château Lascombes, Jéroboam 1985 und die Magnum 1970 an die Tische. Der La Côte Lascombes 2022 ist ein 100-prozentiger Merlot, der 18 bis 20 Monate Eichenfässer und Amphoren zur Reifelagerung spendiert bekam – kein ganz günstiger Tropfen für etwa 190 Euro. Dunkle Frucht, na klar, und durchaus eine gewisse Salznote bei wunderbarer Mineralität zeigt sich.
Der Château Lascombes, Jéroboam 1985 ist ein Tröpfchen, welchen man durchaus etwas länger auf dem Markt suchen kann. Fantastische Tannine, eine wahnsinnig schöne Farbe, geschmeidig und trotzdem klar. Mit dem 1970er (Magnum) kommt dann letztendlich ein Wein ins Glas, den man so sicher kaum noch beziehen kann. Absolut dunkle Farbe, vollmundig. Für alle Liebhaber der charakterstarken Weine ein Genuss…
Informationen:
Fotos: Château Lascombes, Michael Schabacker

