Im Zentrum des Diois liegt Die, eine Stadt mit einer Geschichte, die bis in die Antike zurückreicht. Römische Wehrmauern und das Tor Saint-Marcel erinnern an diese Zeit. Das befestigte Tor aus dem 3. und 4. Jahrhundert ist heute das einzige noch vollständig erhaltene römische Monument im Département Drôme.
Durch die Gassen von Die
Die lässt sich am besten zu Fuß entdecken. In den schmalen Gassen der Altstadt begegnen sich verschiedene Jahrhunderte. Die Kathedrale Notre-Dame aus dem 12. Jahrhundert gehört ebenso zum Stadtbild wie historische Häuser und Reste der früheren Befestigungsanlagen. Das während der Religionskriege zerstörte Gotteshaus wurde im 17. Jahrhundert wieder aufgebaut. Das Museum für Geschichte und Archäologie führt noch weiter zurück und zeigt Zeugnisse aus Urzeit, Antike und Mittelalter.
Auf den Plätzen und in den Cafés zeigt sich südfranzösisches Lebensgefühl, während die Berge stets präsent bleiben. Und immer präsent in Die: Der fein perlende Wein Clairette ist eine Spezialität der Region und verbindet eine florale mit einer fruchtbetonten Art.
Weinbau zwischen Berg und Tal
Die Weinberge des Diois gehören zu den Besonderheiten dieser Region. Zwischen dem Vercors-Massiv und dem Fluss Drôme wachsen die Reben auf Höhen zwischen 300 und 700 Metern. Sonnige, warme Tage werden von kühlen Nächten abgelöst. Dieses Wechselspiel unterstützt die Reife der Trauben und bewahrt gleichzeitig ihre Frische. Muscat und Clairette können unter diesen Bedingungen ihre aromatische Eigenart entwickeln.
Wer durch die Region fährt, sieht deshalb nicht einfach Weinberge, sondern eine Kulturlandschaft, die seit Generationen gepflegt wird. Die Reben gehören zum Bild des Diois ebenso wie die Felsen des Vercors und der Fluss, der das Tal begleitet.
Im Muséo’bulles dem Geheimnis der Clairette auf der Spur
Wie aus dieser Landschaft einer der charakteristischen Weine des Diois entsteht, lässt sich besonders anschaulich im Muséo’bulles entdecken. In den historischen Kellerräumen von Jaillance führt die modern konzipierte Ausstellung durch die Geschichte der Clairette de Die und verbindet historische Hintergründe mit Einblicken in Terroir, Rebsorten und Weinbereitung. Besucher reisen gewissermaßen durch die Zeit – von den Ursprüngen des Weins bis zu seiner heutigen Herstellung. Dabei wird erklärt, welche Rolle Landschaft, Rebsorten und das besondere Herstellungsverfahren spielen. Audioguides stehen in mehreren Sprachen zur Verfügung. Nach dem Rundgang lässt sich die Clairette mit anderen Augen betrachten – als Produkt einer Landschaft, deren Besonderheiten tief in ihrer Entstehung verwurzelt sind.
Jaillance – eine Gemeinschaft von Winzern
Die Geschichte der heutigen Cave Jaillance begann in den 1950er-Jahren. Damals schlossen sich Winzer aus dem Diois zusammen, um ihre Produktion gemeinsam weiterzuentwickeln. Mehr als sieben Jahrzehnte später steht Jaillance für eine Gemeinschaft von mehr als 200 Winzern und über 100 Mitarbeitern.
Die Clairette de Die bildet bis heute das historische Zentrum des Hauses. Daneben entstehen Crémant de Die und Stillweine aus Châtillon-en-Diois. Jaillance arbeitet seit 1989 mit biologischem Anbau und setzt auf verschiedene Maßnahmen zur Schonung von Boden, Wasser und Ressourcen.
Châtillon-en-Diois – Weinwandern mit Bergblick
Noch unmittelbarer lässt sich der Weinbau in Châtillon-en-Diois erleben. Die Weinberge laden dazu ein, sie zu Fuß zu erkunden. Zwischen den Rebzeilen stehen traditionelle Cabanons, kleine charmante Weinberghäuschen, die der Kulturlandschaft ihren besonderen Charakter geben.
Vom Weingut aus führen Spazierwege durch die Weinberge. Mal öffnet sich der Blick weit über das Tal, mal rücken die Felsen des Vercors näher. Eine Weinprobe wird so schnell zum kleinen Landschaftserlebnis.
Auch die Winzer selbst bringen Vielfalt in die Region. Zoé Cayol, die ihr Stadtleben in Lyon für ihre Passion als Winzerin eingetauscht hat, bewirtschaftet in dieser zauberhaften Landschaft in Châtillon-en-Diois zusammen mit ihrem Vater Jérôme etwa 14 Hektar. Die Rebflächen werden natürlich begrünt. Neben Clairette Blanche und Muscat wachsen Chardonnay, Aligoté, Syrah, Gamay und Pinot Noir; auch Feunate und Marselan gehören zum Sortiment. Insgesamt entstehen rund ein Dutzend Cuvées.
Tradition, die weitergegeben wird
Auch die Domaine Achard-Vincent steht für die Verbindung von Familie, Weinbau und Natur. Das weniger als zehn Hektar große Familienweingut liegt zwischen Vercors und Provence. Seit sechs Generationen wird hier Weinbau betrieben. Bereits 1968 begann die Familie mit biologischen Methoden, seit 2005 arbeitet der Betrieb biodynamisch und ist Demeter-zertifiziert. Der Clairette präsentiert sich leicht und feinperlig mit brillantem Goldgelb. Zarte Noten von Zitrone, Pfirsich, grünem Apfel und Brioche, ergänzt durch florale Ginsteranklänge, prägen das aromatische Profil. Am Gaumen wirkt er cremig, lebendig und elegant. „Ich habe mich bewusst für den Wein und mein kleines Dorf entschieden. Ich genieße die Natur und im Sommer das Baden im Fluß“, freut sich Winzer Thomas Achard über sein Lebensglück.
Das Diois mit allen Sinnen erleben
Wer aktiv sein möchte, findet im Vercors Wanderwege und abwechslungsreiche Fahrradrouten. Die Drôme begleitet viele Wege durch das Tal, kleine Orte und regionale Produzenten laden zu Zwischenstopps ein.
Wenn am Abend die Sonne tiefer über den Bergen steht, die Rebhänge warm aufleuchten und die Luft kühler wird, bekommt auch die Clairette de Die ihren passenden Moment. Der Wein erzählt von dieser besonderen Landschaft: von Höhenlagen, sonnigen Tagen und frischen Nächten, von alten Traditionen und Menschen, die ihr Wissen weitergeben.
Das Diois entdeckt sich Schritt für Schritt – auf einem Weg durch die Weinberge, in einer historischen Gasse von Die, bei einer Führung im Muséo’bulles oder bei einem Glas Wein mit Blick auf die Berge.
Informationen:
Agence d’Attractivité de la Drôme: www.drome-cestmanature.com
Office de Tourisme du Pays Diois: www.diois-tourisme.com
Maison Jaillance: www.jaillance.com
Domaine Achard-Vincent: www.domaine-achard-vincent.com
Domaine de Maupas: www.domaine-de-maupas.com
Fotos: Carola Faber

