Sieben Hektar bewirtschaftet Johannes Schmitz vom Weingut Rebenhof, viele davon in den spektakulären Steillagen rund um die Ürziger Moselschleife und das Erdener Treppchen. Wer hier arbeitet, braucht Ausdauer, Fingerspitzengefühl und vor allem Geduld. Denn große Weine, davon ist der Winzer überzeugt, entstehen nicht erst im Keller.
„Alles steckt im Weinberg“ lautet die Philosophie des Weinguts. Das ist in den steilen Parzellen jedoch mit viel Handarbeit verbunden. Die Erträge werden bewusst niedrig gehalten. Statt möglichst viele Trauben zu ernten, konzentriert sich der Winzer auf wenige, aromatisch intensive Früchte. Besonders wertvoll sind dabei die alten, vielfach wurzelechten Rieslingreben. Mehr als drei Viertel der Rebstöcke im Weingut stehen noch auf ihren eigenen Wurzeln, viele sind 60 Jahre und älter, einige erreichen sogar ein Jahrhundert.
Von alten Reben und der Reblaus
Im Ürziger Würzgarten trifft der Riesling auf eine besondere geologische Bühne. Roter Schiefer und Gestein aus dem Rotliegenden prägen die Böden und verleihen den Weinen ihren charakteristischen Ausdruck. Der Schiefer sorgt häufig für eine präzise, schlanke Mineralität, während vulkanisch geprägte Böden dem Riesling mehr Fülle und Körper geben können. Dazu kommen die für die Moselschleife typischen Wechselwirkungen von Sonne, Wind, Regen und Nebel. Schon wenige Meter können das Mikroklima verändern.
Besonders faszinierend sind die alten wurzelechten Reben. Dass sie hier überlebt haben, ist keine Selbstverständlichkeit. Die Reblaus, die im 19. Jahrhundert den europäischen Weinbau verwüstete, konnte sich in den roten Böden des Würzgartens offenbar nicht dauerhaft durchsetzen. So entstand in der Ürziger Moselschleife eines der bemerkenswertesten Reservate für wurzelechten Riesling. Anders als heute übliches, aufgepfropftes Rebmaterial wachsen diese Reben direkt aus ihren eigenen Wurzeln. Im Weinberg setzt Johannes Schmitz auf einen behutsamen Umgang mit der Natur. Diese Haltung setzt sich im Keller fort. Selektive Handlese, eine schonende Verarbeitung der Trauben und eine langsame, natürliche Vergärung geben dem Wein Zeit.
Große Weine aus den steilen Mosellagen
Bereits 1868 stuften die preußischen Steuerbehörden das „Urglück“ als Spitzenlage ein. Die Rebfläche liegt geschützt westlich des mächtigen Felsens Grand Ley. Hier entsteht Riesling mit eigener Persönlichkeit – geprägt vom Mikroklima, vom Gestein und von alten Rebstöcken. Die 2020er Ürziger Würzgarten Urglück Riesling Spätlese zeigt sich elegant und feinfühlig, mit reifer Frische und viel innerer Spannung. Steinige Würze trifft auf gelbe Frucht, am Gaumen verbinden sich Süße und Säure präzise. Ein Wein mit Tiefe und ausgezeichnetem Reifepotenzial.
Kraftvoll und zugleich erstaunlich geschmeidig tritt der 2018er Ürziger Würzgarten Grand Ley Riesling Spätlese auf. Reife Fruchtfülle, ein Hauch von Zitrusschale und eine dezente karamellige Anmutung werden von lebendiger Säure getragen. Im Finale zeigt sich der Wein würzig, lang und ausgesprochen souverän. Der 2019er Ürziger Würzgarten Riesling „Von den Felsen“ feinherb spielt wiederum mit den Gegensätzen seiner Herkunft. Saftig und exotisch wirkt er im ersten Moment, zugleich besitzt er eine kühle, steinige Seite. Orange und tropische Nuancen treffen auf eine feine Nussigkeit und die pikante Würze des roten Schiefers. Die dezente Süße hält das Spiel wunderbar in Balance.
Noch konzentrierter präsentiert sich die 2019er Ürziger Würzgarten Auslese Fass Nr. 11. Hier darf es opulent werden: Getrocknete Frucht und eine fast cremige Dichte bestimmen den Auftakt, während die lebendige Säure für Spannung sorgt. Eine Auslese mit Substanz, die ihre ganze Größe vermutlich erst mit weiterer Reife offenbaren wird.
Große Gewächse zwischen Schiefer und Fels
Reife gelbe Frucht mit floraler Feinheit und einer markanten mineralischen Spannung verbindet der 2022er Erdener Treppchen Riesling Großes Gewächs. Am Gaumen wirkt er dicht und cremig, zugleich hält ihn eine präzise Säure auf Kurs. Kraft und Finesse stehen hier bemerkenswert ausgewogen nebeneinander.
Der 2024er Erdener Treppchen Riesling Großes Gewächs ist derzeit noch eher zurückhaltend. Eine kühle Gesteinsnote deutet seine Herkunft an, am Gaumen zeigt sich der Wein seidig, fein und von reifer Säure getragen. Ein Riesling, der Zeit braucht – und gerade deshalb neugierig macht.
Stärker auf Eleganz setzt der 2023er Ürziger Würzgarten Riesling Großes Gewächs. Saftige Frische verbindet sich mit würziger Mineralität, während die Frucht bewusst im Hintergrund bleibt. Ein präziser, geradliniger Riesling mit bemerkenswerter Spannung. Der 2024er aus dem Würzgarten schlägt einen anderen Ton an: Exotische Tiefe, florale Nuancen und würzige Finesse verleihen ihm Komplexität. Dazu kommt eine kühle Gesteinsnote, die den Wein erdet. Konzentriert und vielschichtig, zeigt er bereits jetzt, dass er für ein langes Leben gemacht ist.
Auch die 2024er Erdener Treppchen Riesling Spätlese trocken wirkt kreidig und seidig, besitzt eine reife Säure und einen fein proportionierten Körper. Kein lauter Vertreter, sondern einer, dessen Konturen sich mit Luft und Zeit zunehmend zeigen.
Von feinherb bis edelsüß
Der 2025er Ürziger Würzgarten „Vom Roten Schiefer“ Riesling feinherb ist dagegen ein echter Charmeur. Saftige Frische, dezente Kräuterwürze und die kühle Anmutung des roten Schiefers treffen auf eine fein dosierte Süße. Ein Wein, der unkompliziert Freude bereitet und sich als Aperitif ebenso empfiehlt wie als Begleiter leichter Küche.
Eine besonders klare Herkunftssignatur besitzt der 2021er Erdener Treppchen Riesling Spätlese trocken. Nasse Steine, reife Frucht und eine feine rauchige Note führen in den Duft. Am Gaumen zeigt sich der Riesling saftig und druckvoll, getragen von präziser Säure und einem leicht salzigen Nachhall. Sehr animierend und charakterstark.
Filigran und zugleich erstaunlich tief präsentiert sich der 2023er Erdener Treppchen Riesling Spätlese trocken. Kräuterige Frische, Zitrus und steinige Nuancen treffen auf reife Frucht. Mit Luft gewinnt der Wein zunehmend an mineralischer Klarheit. Ein stilvoller Riesling, der zeigt, dass Leichtigkeit und Tiefe keine Gegensätze sein müssen.
Harmonisch und saftig kommt die 2023er Ürziger Würzgarten Riesling Spätlese feinherb daher. Feine Süße und lebendige Säure halten sich die Waage, dunklere Fruchtnuancen und getrocknete Anklänge sorgen für zusätzliche Tiefe. Ein Wein mit viel Charme und einem angenehm langen Nachhall.
Den krönenden Abschluss bildet die 2018er Ürziger Würzgarten Trockenbeerenauslese. Goldfarben im Glas, zeigt sie eine beeindruckende Konzentration: Honig, kandierte Früchte und getrocknete Nuancen treffen auf Bergamotte und eine überraschend lebendige Säure. Viskos und dicht, zugleich von exotischer Frische getragen, endet sie würzig und lang. Ein großer Süßwein, der eindrucksvoll vorführt, wie vielschichtig Riesling von der Mosel sein kann.
Informationen:
Rebenhof, www.rebenhof-schmitz.de
Fotos: Carola Faber

