„Kein Land, soweit der Himmelsrand“ heißt es frei übersetzt in der finnischen Nationalhymne „Maamme“. Tatsächlich weiten sich Auge, Herz und Seele schon nach den ersten Metern vor der Stadt Tampere. 5,5, Millionen Einwohner auf einer Fläche fast so groß wie Deutschland, knapp 200.000 Seen und fast ebenso viele Inseln. Eine der Qualitäten des Landes ist: Stille! Absolute Stille!
Wald – Wälder – noch mehr Wälder
Durch den dichten, vielfältig bewachsenen, duftenden Kauppi-Wald am Stadtrand von Tampere blitzt der Näsijärvi-See durch. Vereinzelt ziehen Kanuten Ihre Bahn, weit oben in den Lüften über den Wipfeln kreisen Bussarde. Habichte und Seeadler. Der Wald ist das Herzens-Zuhause von „Villipihlaja Experiences“– einer ganz besonderen persönlichen Führung.
Grazil und leichtfüßig läuft Karoliina Laitinen ihren Besuchern voran, über ihrem Arm einen Henkelkorb mit abgedecktem Inhalt. Über Stock, Stein und Baumwurzeln – vorbei an riesigen Ameisenhügeln, gewaltigen, Jahrmillionen alten Felsbrocken mit Mooshauben. Der Wald ist ihr Wohnzimmer, ihre Speisekammer. Ihm gilt ihre ganze Aufmerksamkeit. Es gilt nun, sich unter Ihrer Anleitung auszuprobieren: Den Wald zu hören, zu riechen, einzuatmen. Inne zu halten, seine Kraft zu spüren, sich selbst im Innern wie ein Baum tief in den Boden zu verwurzeln.
Vilipihlaja ist Karoliina’s Lieblingsbaum. Die Eberesche, auch Vogelbeere genannt, mit den vitaminreichen roten Früchten. Schädlich sind sie nur, wenn man zu viele davon roh isst. Gut verarbeitet heilen sie Husten oder Verdauungsbeschwerden. Jeder Ast, jede Pflanze ist ihr vertraut, sie weiß um deren Wirkung und Geschmack. Trolle und Waldgeister sind nicht weit, soviel ist klar. Zur Pause zeigt sich, welche Leckereien sie die ganze Zeit in ihrem Korb trägt: ein Überraschung-Picknick aus puren Waldzutaten. Bezaubernd angerichtet, aromatisch und überraschend wohlschmeckend. Den Kräutertee trinkt man aus eine Holz-Cuksa-Kuppi.
Die drei Stunden vergehen „wie im Walde“. In allen nordischen Ländern gilt „Jokamiehenoikeudet“, das Jedermannsrecht. Früchte aus der unendlichen Vorratskammer der Natur dürfen von jedem für den privaten Gebrauch geerntet werden. Blaubeeren, Lingonbeeren, Moltebeeren – Zutaten, die längst in der gehobenen finnischen Küche verwendet werden. Auch Brennnessel, Giersch, Vogelmiere und das Echte Löffelkraut. Dazu Pilze wie Trichterpfifferlinge, Maronen. Sogar der krustige. unscheinbar wie ein Trüffel an Birken wachsende Chaga-Pilz ist essbar! Er soll besonders heilende Wirkung haben – wie Baumharz, der Wunden desinfiziert.
Die Geschichte der finnischen Papierindustrie
Eine Autostunde nördlich durch prächtige Wälder und vorbei an glitzernden Seen, wird die Serlachius Art Sauna mit dem GÖSTA Restaurant erreicht. Eine großartige Architektur aus Holz und Glas – ins Verhältnis gesetzt zu dem Herrenhaus von 1933.
An diesem abgelegenen Ort beschloss der finnische Papierfabrikant Gösta Serlachius, für sich und seine Familie eine Villa zu errichten. Heute sind die Wohngemächer Ausstellungsräume. Dazu sind lichte, moderne Räumlichkeiten für Meetings, Begegnungen und Workshops, Künstler und Gäste über das Areal verteilt, wie viele Skulpturen.
Nachlass eines Papierbarons
Die kulturhistorischen Sammlungen von Serlachius umfasst fast 10.000 Exponate aus dem sogenannten „Goldenen Zeitalter“ der finnischen Kunst (1880 –1910), aus der frühen Moderne, alte europäische Kunst aus den Niederlanden, Spanien und Italien aus dem 16. bis 18. Jahrhundert. Ein Monet ist auch dabei. Sie wird ständig erweitert. Der hochmoderne Holzanbau bietet Licht und Raum für wechselnde Ausstellungen zeitgenössischer Kunst. Durch die unterschiedlichen Winkel der Glasfronten zueinander vervielfacht sich die überwältigend schöne Seenlandschaft.
Der Papierfabrikant brachte von seinen Geschäftsreisen nicht nur Kunst, sondern auch viele Entdeckungen kulinarischer Neuigkeiten mit. Seine Sammlung illustrer Menükarten von Luxusrestaurants sind auf den Papiertischdecken im GÖSTA Restaurant nachzulesen. Dort wirkt Chef Henry Tikkanen – er vertritt Finnland auf internationalen Bühnen.
Seine Verarbeitung hochwertiger regionaler Ingredienzien, die heimischen Aromen sind sein Thema, ob vegetarisch oder vegan. Rindertartar, Liebstöckelmayonnaise, geschmorte Regenbogenforelle, Morchel Risotto, Grünkohl-Pesto – seine Karte ist breit aufgestellt. Die Flut von Flusskrebsen feiern die Finnen mit Genuss-Festen von Ende Juli bis Ende Oktober.
Eintauchen? Ehrensache!
Treffpunkt für alle ist ausnahmslos die sehr moderne Serlachius Art Sauna in einem Extratrakt am Hopunselkä-See. Die Art Sauna erweist sich als ein besonders ästhetisches Erlebnis, umgeben von bemerkenswerter Kunst. Das Exponat „Wasserstelle für Vögel“ am Zugang stammt von Satu Rautiainen. Sie designte auch die exquisiten Saunahandtücher aus heimischer Webkunst mit Naturmotiven.
Das jährliche Mänttä Food Festival
Großartige finnische Küche mit authentisch finnischen Aromen zu genießen, in Kombination mit Kunst und Sauna: das ist einzigartig. Auch in diesen Sommer, am 30.August ist das GÖSTA Schauplatz des jährlichen Mänttä Food Festivals, für das Gäste von weither anreisen. Es ist stets schneller ausverkauft als man „Kippis“ sagen kann: das ist Finnisch und bedeutet „Prost“.
Fünf finnische Spitzenköche werden in entspannter Atmosphäre ihr Bestes zu den regionalen Aromen geben: Tero Mäntykangas von den Lapland Hotels, Remi Tremouille vom Restaurant Solitary am Saimaa-See, Simo Harrivaara (Koch des Jahres 2024), Hiio Hoi und Tommi Tuominen, Restaurant Demo, Helsinki. Für Henry ist die Teilnahme ein Heimspiel.
Wilde finnische Küche
In fast allen finnischen Restaurants kommt man in den Genuss der „wilden Küche“. Kreativ entwickeln die Chefs Gerichte, um neue Aromen nahe zu bringen. Manchmal hat der Koch die Kräuter auf dem Teller sogar noch am selben Morgen im nahegelegenen Wald gesammelt – denn in Finnland ist ein solcher niemals weit entfernt. Empfehlenswert ist auch die Auswahl finnischer Beerenweine wie vom Weingut Rönnvik südlich von Tampere: Apfel, Kirsche, Himbeere, Pflaume, Birne, Pfirsich, Johannisbeere und Aprikose werden verarbeitet zu Weinen und Obstbränden.
Viele Chefs verzichten bewusst auf importierte Zutaten. Stattdessen bringen Wildkräuter, feine Zubereitungstechniken und regionale Produkte intensive Aromen auf den Teller. Das KIELO in Joensuu am Saimaa-See tischt ihr Neun-Gänge-Menü auf als köstliche Reise durch Finnland. Einen dreigängigen Wildnis-Lunch serviert WILD OUT in Kuusamo inmitten unberührter Natur.
Das mit Spannung erwartete Restaurant TAR auf der Insel Tervasaari eröffnet im Sommer 2025: Dieses Fine-Dining-Restaurant ist auf dem besten Weg, zum neuen kulinarischen Hotspot der Stadt zu werden. Es geht also gar nicht anders, als diese mächtige, vielfältige finnische Natur in jeder Form zu genießen – Hyvää ruokahalua! Guten Appetit!
Informationen:
Visit Tampere: www.visittampere.fi/en
Serlachius Art Sauna: www.serlachius.fi/en/serlachius-art-sauna
Restaurant GÖSTA: www.ravintolagosta.fi/en
Das Mänttä Food Festival: www.serlachius.fi/en/event/maenttae-food-festival
Fotos: Serlachius Sampo Linkoneva, Alex Mazurov, Serlachius Satu Rautiainen, Uta Petersen

