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Im Zeichen der Blume

Mitten in diesem Idyll, auf rund 1.900 Metern Höhe, liegt die Gostner Schwaige. Eine Almhütte wie aus dem Bilderbuch – und doch ganz besonders. Eine Institution des feinen Geschmacks. Hier geht es nicht um viel, sondern um das Richtige: um gute Zutaten, um echtes Handwerk, um kleine Genüsse, die lange nachklingen.

„Schwaigen“ nennt man seit dem Mittelalter jene Almhütten, auf denen nicht nur bewirtet, sondern auch produziert wird – direkt vor Ort. Auch auf der Gostner Schwaige lebt dieser Gedanke weiter: mit eigener Käserei, mit frischer Almmilch, mit viel Fingerspitzengefühl und kreativen Ideen. Aus Tradition gewachsen, mit einem Hauch Eigenwilligkeit veredelt.

Was dabei herauskommt? Ein ganzes Käseuniversum: vom würzigen Graukäse bis zum sahnigen „First Summer“, vom duftenden Blütenkäse bis zum goldenen Weichkäse mit Muskateller. Und dann ist da noch der Alm-Safran-Frischkäse – zart, aromatisch, einzigartig. Alles handgemacht. Am besten genießt man ihn draußen, mit frischem Brot und Blick ins Weite oder in der urigen Almhütte.

Käserei mit viel Fingerspitzengefühl und kreativen Ideen... Foto: Carola Faber
Käserei mit viel Fingerspitzengefühl und kreativen Ideen... Foto: Carola Faber

Die Gostner Schwaige ist ein kleines Zuhause auf Zeit. Ein Platz, an dem man verweilt – mit allen Sinnen. Und ein Ort, an den man gern zurückdenkt, wenn man längst wieder im Tal ist.

Geschmack, der bleibt

Was auf der Alm oder auf dem Hof im Tal wächst, wird auch verarbeitet. Vom Garten in die Küche, vom Kräuterhang ins Glas: Es wird gepresst, gedörrt, eingelegt, eingekocht, gedünstet, gebacken, gebraten – oder einfach frisch genossen. Es entstehen Sirupe, Fruchtaufstriche, Chutneys, Käse, Blüten- und Teemischungen. Gerichte mit Charakter, inspiriert von der Natur rundherum – mit selbst gesammelten Kräutern und Blüten, liebevoll zubereitet. 

Der Großteil der Zutaten stammt direkt vom Hof. Was gerade wächst, kommt auf den Teller – raffiniert, bodenständig. Zu den Klassikern gehören die Heublütensuppe im Brottopf, hergestellt aus 15 wild wachsenden Kräutern der Alm oder der Kaiserschmarren.

Franz Musler, Koch und Inhaber der Gostner Schwaige. Foto: Carola Faber
Franz Musler, Koch und Inhaber der Gostner Schwaige. Foto: Carola Faber

„Auf dem Hof stehen 200 Johannisbeersträucher. Daraus bereiten wir die Marmelade zum Kaiserschmarrn zu. Im Grunde genommen führen wir das weiter, was unsere Großeltern schon gemacht haben. Dazu gehört auch die Verarbeitung ganzer Tiere. Früher war es normal. Heute liegt es im Trend und wird heißt `from noise to tail` genannt.“, bestätigt Franz Musler, Koch und Inhaber der Gostner Schwaige.

Bodenständig neu gedacht

In seiner zweieinhalb Quadratmeter kleinen Küche auf 1930 Metern bereitet der passionierte Koch farbenfrohe Delikatessen zu. Immer frisch, selbstgemacht und möglichst aus eigenen Produkten. Für den Blumensalat werden schon morgens in der Frühe die Blüten im Garten gepflückt. So können die Gäste zum Auftakt ein malerisches Blumenwasser genießen. Nach einem Kräuterspritz mit zahlreichen frischen Pflanzen in einem speziellen Kräutersud begeistert eine Auswahl der Käsespezialitäten, vom Keller unter der Alm. Dazu ein wenige Speck, hausgemachte Dips und Chutneys – einfach köstlich!

Himbeer-Rosensorbet. Foto: Carola Faber
Himbeer-Rosensorbet. Foto: Carola Faber

Es folgt ein Teller voller Alm. Der Blütensalat mit Kräutersalz & Öl wirkt wie ein echter Augenschmaus, der auch den Gaumen verführt: Dieser farbenfrohe Blütensalat ist mehr als eine Vorspeise. Er ist eine Liebeserklärung an die Wiese. Kapuzinerkresse, Eisbegonien, Tagetes, Ringelblumen … – zur Veredelung dazu unter anderem Öl und Salz. Zutaten in denen je 25 handverlesene Almkräuter stecken. Ein feines Spiel aus Frische, Würze und zarten Aromen. Dazu passt der Kerner Alto Adige DOC der Abtei Neustift – ein Weißwein mit alpiner Leichtigkeit. Zitrus, weiße Früchte und eine feine Würze umrahmen diesen Wein, der mit lebhafter Säure und mineralischer Klarheit den floralen Salat perfekt ergänzt.

Ein Hauch von Südtiroler Küche, liebevoll anders: Die Schlutzkrapfen werden aus Birnenmehl zubereitet und mit cremigem Almkäsefondue gefüllt. Auf einem fruchtigen Tomatenkompott mit einem Hauch Zirbelkiefer serviert, ist dieses Gericht eine Hommage an das, was rund um die Hütte wächst – herzhaft, leicht nussig, überraschend elegant.

Der Campaner von der Kellerei Kaltern bringt alles mit: dunkle Beeren, Minze, Bitterschokolade und samtige Tannine. Gereift in Barriques, strukturiert und druckvoll – und dabei weich und zugänglich. Sein feuriges Finale nimmt den Geschmack der Krapfen auf und hebt ihn auf ein neues Niveau.

Im Gastraum der Gostner Schwaige. Foto: Carola Faber
Im Gastraum der Gostner Schwaige. Foto: Carola Faber

Almwiese auf dem Teller

Short Rib trifft auf samtige Polenta und gebratenen Spitzkohl – mit handgesammelten Wiesenblüten verfeinert. Ein kraftvolles Gericht, das seine alpine Herkunft nicht versteckt. Zart, intensiv und erdig – so könnte ein Sommerabend auf der Alm schmecken. Der Lagrein Gries DOC 2023 von Egger-Ramer ist der ideale Begleiter: fast schwarz im Glas, mit Aromen von Brombeeren, Lakritze und etwas Pfeffer. Seine Kraft wird durch reife Tannine gebändigt, die Frische gibt ihm Länge.

Zum Abschluss wird eine Sommerliebe in Rosa gereicht. Es ist ein Himbeer-Rosenblütensorbet mit knusprigen Streuseln und feinem Blütenpollen. Leicht, kühl, floral – ein süßer Gruß aus dem Garten der Sinne. Schließt das Menü ab wie ein letzter, leiser Sonnenstrahl am Almhorizont mit Blick auf den Schlern.

Ausblick auf die umliegende Region. Foto: Carola Faber
Ausblick auf die umliegende Region. Foto: Carola Faber

Informationen:

www.aussergost.com/de/gostner-schwaige/almkueche

Fotos: Carola Faber

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