Mit der Eröffnung der Grünen Woche für das Publikum am 16.1.26 und ihrem Ende am 25.1.26 hat die Grüne Woche allerdings noch nicht ganz das runde Jubiläum erreicht. Denn formal korrekt fehlen noch einige Tage! Denn die erste Grüne Woche fand vom 20.2. bis 28.2.1926 statt. Als Urheber der Veranstaltung, die seither 104.800 Aussteller aus 130 Ländern und über 34 Millionen fach- und Privatbesucher anzog, gilt tatsächlich ein Landwirt, der indes auch als Touristiker für das damalige Berliner Fremdenverkehrsamt tätig war.
Hans-Jürgen von Hake waren die vielen ambulanten Händler auf den Straßen aufgefallen, die während der seit Ende des 19. Jahrhunderts stattfindenden Wintertagungen der deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) versuchten, ihre Waren an diese gutbetuchten Tagungsteilnehmer zu veräußern. Dies Treiben wollte Hake in geordnete Bahnen bringen und verknüpfte die Tagung erstmals mit einer landwirtschaftlichen Ausstellung in den Messehallen am Berliner Kaiserdamm: Hier wurden die zuvor über ganz Berlin verteilten Aktivitäten gebündelt auf 7000 Quadratmetern präsentiert, die Grüne Woche war geboren!
Loden, Ungetüme und Jubiläumstulpen
Ihren Namen verdankt die heutige Weltleitmesse, die klein als lokale Warenbörse startete, allerdings nicht einer Verneigung vor der all die prächtigen landwirtschaftlichen Erzeugnisse ermöglichenden Natur – sondern den oft in edlen grünen Lodenmänteln auftretenden und das Stadtbild prägenden Tagungsteilnehmern der Landwirtschafts-Gesellschaft! Größtes Exponat der ersten Schau war dann aber tatsächlich ein vier Meter hohes Ungetüm mit riesigen Rädern, ein Universal-Sattelschlepper mit 100 Pferdestärken. Die Grüne Woche 2026 gedenkt in diesem Jahr daher auch ihrer Geschichte, die sie in Halle 26 anhand von Aufnahmen und Exponaten wie dem Radschlepper Fordson Baujahr 1926 auch dem jüngeren Publikum näherbringt.
Viel Kurioses ist da in der Historie zu entdecken: So sorgte 1930 eine sich drehende gewaltige „Eierfrischhaltemaschine“ für 5000 Eier für Aufregung – und setzte sich genauso wenig durch wie die 1928 vorgestellte Fußspurmaschine, mit der Erfinder beweisen wollten, dass Hunde nur der menschlichen Spur und nicht etwa Gerüchen nachfolgen.
Die Atmosphäre der Gründungsjahre wird zudem 2026 in der Blumenhalle lebendig. Auf 3000 Quadratmetern führt die Ausstellung „Babylon Garden – Blütezeit der goldenen Zwanziger“ mit über 30 Bäumen, 35.000 Frühblühern und Springbrunnen zurück ins damals vibrierende Berlin. Eigens zum Jubiläum widmen die Niederlande der Grünen Woche sogar eine extra gezüchtete Tulpensorte namens „Berlin Jubilee“.
Zur Historie zählen natürlich auch die Ausfalljahre – etwa 1938, als die Maul- und Klauenseuche die Messe ebenso verhinderte wie Corona 2022. 2021 fand sie nur digital statt, 1950 fiel sie wegen Wiederaufbauarbeiten aus. Und von 1940 an bis in die ersten Nachkriegsjahre verschwand sie völlig. Noch nicht vollends aufgearbeitet sind zudem die dunklen Messejahre der Nazizeit ab 1933, die im Zeichen von „Blut und Boden“ standen.
Im Zeichen von Nachhaltigkeit
Die Jubiläumsschau 2026 steht indes ganz im Zeichen von Nachhaltigkeit. Dazu wurde die Themenwelt „grünerleben“ entwickelt und in Halle 27 die neue Zero-Themeninsel installiert. In Halle 27 sind auch die Startups mit neuen Ideen und Vorschlägen für die Zukunft der Food- und Agtech-Branche versammelt Eine Attraktion ist zudem der „young generation.hub“ in Halle 2.1, wo man 125 landwirtschaftliche Berufe hautnah erleben kann. Publikumsmagnet dürfte die Tierhalle mit Rindern, Schafen, Ziegen, Pferden und Alpakas werden.
Skandinavien vorn
Wie regelmäßig in den letzten Jahren sind auch 2026 die Skandinavien-Stände in Halle 8.2. die Attraktion für Gourmets. Allen voran Norwegen bzw. Nord-Norwegen, das in diesem Jahr am großen Stand 160 mit gleich 29 Ausstellern aufwartet. „Nord-Norwegen hat ein starkes Potential, als kulinarische Destination zu wachsen. Indem wir Food-Producer und Tourismusanbieter auf der Grünen Woche zusammenbringen, zeigen wir, wie Gerichte, Kultur und naturbasierte Erfahrungen gemeinsam eine komplette Reisegeschichte formen,“ erklärt Olga Philippenko, Travel Trade Manager im Northern Norway Tourist Board.
Gut daher, dass man die vorgestellten Produkte direkt vor Ort verkosten kann. Dafür sorgt die Küchencrew unter Leitung von Håkon Johnsen, der auch Managing Director von Polar Events AS. Seine Firma residiert auf Svalbard, besser als Spitzbergen bekannt, und organisiert dort Events. Garnelen aufgeschichtet im Garnelenturm präsentiert die schon 1950 gegründete Firma Lyngen Reker: Ihre Lyngenfjord-Garnelen mit in Birkenholz fermentiertem Fenchel und Gurken-Estragonmayonnaise sind köstlich. Nordlys Rein alles rund ums Rentier, z.B. gebeiztes Rentier. Gedörrtes Rentierfleisch bietet Kautakeino Rein aus der Finnmark. Weitere Lebensmittel aus der Finnmark präsentiert RutaButikk.
Besonders beindruckt die sehr große „rote Königskrabbe“, die in einem Modell in Originalgröße am Stand zu bewundern ist. Das invasive auch als Kamtschatkakrabbe bekannte Tier ist ein kulinarisches Highlight unter den Meeresfrüchten. Aber natürlich haben auch die Nachbarstände Norwegens, Schwedens und Finnlands ebenso wie die in der Halle vertretenen baltischen Länder viel Genussvolles zu bieten. Wer auf der Messe Neuentwicklungen sucht, wird Glühwein-Brot aus meck-Pomm, Bierpulver zum selbst Anmischen oder Spirituosen auf Avocado-Basis ebenso finden wie Protein-Snacks mit Mango-Chili-Geschmack oder Matcha-Müsli. Gesundheit und Genuss sind angesagt!
Informationen:
Grüne Woche: www.gruenewoche.de
Arktische Küche Nord-Norwegen: www.nordnorge.com/de/topic/die-arktische-kueche
Visit Northern Norway: www.nordnorge.com/de
Fotos: Messe Berlin, Ellen Spielmann

