Stolz führt Iwona Nosko-Sulkowska, hier seit zwei Dekaden Museumsdirektorin und perfekt bis ins kleinste Detail mit allem zum Thema vertraut, durch die neue, interaktive, mehr- und auch deutschsprachige Ausstellung im Museum der Schlacht von Legnica. Damals unterlag ein polnisch-deutsches Heer unter Führung Heinrich II. einem dank überragender Reitkünste, besserer Bewaffnung und taktischer Finesse hochüberlegenen Mongolenheer.
Und es war hier in Legnickie Pole, wo seine Mutter Hedwig von Andechs den hauptlosen Körper ihres Sohnes aufgefunden haben soll. An dieser Stelle wurde auf den Wunsch der heutigen Schutzpatronin von Schlesien und Andechs, der in Berlin auch die katholische Hedwigs-Kathedrale geweiht ist, die bis heute existierende gotische Propsteikirche errichtet, in der seit den 1960er Jahren das Museum eingerichtet ist.
Ringsum künden auf dem Kirchhofgrün geschnitzte Holzgroßskulpturen und verblichene Steinsockel auch die schon länger zurückliegende Denkmalgeschichte des Ortes. Da ist z. B. ein Stein von 1910, den der „Kriegerverein Wahlstatt und Umgebung“ 1910 errichtete. Denn im 19. Jahrhundert änderte man den Ortsnamen in „Wahlstatt“, nach dem germanischen „Walstatt“ für Kampf- bzw. Schlachtfeld.
Gefunden indes haben Archäologen indes in und um Legnickie Pole bisher wenig, das auf diese Schlacht schließen könnte. Dafür scheint die Auffindung des Leichnams Heinrichs des Frommen gesichert. Und die in vier Sektionen unterteilte Ausstellung lohnt allemal – seien es nun Mongolen-Pfeile oder das wunderbare Bleiglasfenster, das Piotr Ostrowski 2016 nach einem Entwurf von Stanislaw Wyspiansky von 1900 schuf. Hedwig war auch für die Gründung der großartigen Benediktiner-Propstei gegenüber verantwortlich, deren Klosterkirche sich bis 1731 dank Kilian Ignaz Dientzenhofer zu einer Perle des Barocks wandelte.
In nur einem Sommer schuf dann 1733 der Münchner Cosmas Damian Asam die grandiose Deckenausmalung des Gotteshauses – neben dem Splitter aus dem Kreuz Christi – der von Iwona Nosko-Sulkowska stolz gezeigten Hauptreliquie des Klosters, ist sie der Hingucker schlechthin. Legnickie Poles agiler Bürgermeister Rafal Plezia wünscht sich hingegen mehr Gäste im heutigen 5000-Seelenort – vor allem Ende Juni, wenn die Schlacht bei Liegnitz von bis zu 400 Komparsen nachgestellt wird.
Nur 15 Kilometer weiter lockt dann im Städtchen Jawor ein Juwel von 1655 – der bis 2014 restaurierte Fachwerkbau der Friedenskirche, seit 2001 mit der noch größeren Fachwerkkirche im nahen Swidnica UNESCO-Welterbe. Eindrucksvoll ist das barock gestaltete Innere mit aufwändig bemalten Emporen und Galerien, Orgel, Kanzel und Altar. Sogar an das 400. Jubiläum der Reformation wird noch erinnert.
Uns aber zieht es weiter in das eine Autostunde entfernte Szczawno-Zdrój. Hier, oberhalb von Wałbrzych und 70 Kilometer südwestlich von Wroclaw kurte man schon ab 1815. Sogar die russische Zarenfamilie labte sich 1838 in Trinkhalle und Kurhaus und flanierte auf der Kurpromenade.
Im elterlichen Hotel zur Krone erblickten Gerhard und Carl Hauptmann das Licht der Welt. Und die hier seit 1509 residierende Adels- und spätere Fürstenfamilie von Hochberg erbaute im 19. Jahrhundert ein veritables Gestüt mit einem architektonischen Wunderwerk, dem um 1850 im Schweizer Alpenstil erbauten Idahof.
Das Gestüt in Bad Salzbrunn erlangte ebenso Berühmtheit wie der in Bad Salzbrunn angelegte Golfplatz, auf dem 1925 die deutschen Golfmeisterschaften ausgetragen wurden. Das Schloss Fürstenstein wurde 1943 von den Nazis enteignet, es entstand mit dem „Projekt Riese“ ein auch unterirdisch angelegtes Domizil für Hitlers Schergen, dessen Relikte heute jährlich über 500.000 Besucher bestaunen.
In Szczawno-Zdrój geriet das Gestüt nach 1989 in schwere Bedrängnis, ehe der heutige Besitzer sich des 20-Hektar-Areals annahm. Nun stehen im Komplex Dwor Zysko im Idahof und restaurierten Bauten 30 Zimmer und Appartements zur Verfügung, Pferde und weiße Alpakas weiden auf den Koppeln und ein riesiger Kräuter- und Gemüsegarten versorgt die Gastronomie vor Ort: im Schweizer Café, in der Pizzeria, am Öko-Grillplatz mit Barbecue-Hütte und im edel-rustikalen Spitzenrestaurant Babinicz, dessen gediegenes Interieur die Vorliebe des Eigners für die Jagd widerspiegelt.
Deren Resultate finden sich auch auf der Speisekarte, etwa mit Schmalz vom Wildschwein oder herrlichem Hirsch-Tatar. Herzstück der Küche sind aber überbordend große Steaks, deren Fleisch dry-aged angeboten werden. Großartig ist auch die Auswahl an selbst hergestellten Likören. Und natürlich kann man diese Leckereien, auch herrliche Wildschwein- und Hirsch-Salamis des Herstellers Provincja, aus der Speisekammer erwerben.
Hit ist aber das neue, im Kupferglanz leuchtende Küchenoval, in dem Starkoch Rafał Grzegorzek zu Kochkursen lädt. Sein Credo: „Ich lasse mich von Menschen inspirieren, die lokale Produkte für mein Restaurant herstellen, die ich dann mit meinen Gästen teilen kann. Die Vielfalt der Gewürze und Zutaten, die uns die Natur bietet, inspiriert mich zu neuen Kombinationen und Geschmacksrichtungen.“ Dies gilt auch für vegetarische und vegane Gerichte, die ebenfalls angeboten werden.
Informationen:
Legnickie Pole: www.legnickiepole.pl/dla-turysty/zabytki-i-atrakcje
Museum der Mongolenschlacht: www.muzeum-miedzi.art.pl/o-muzeum/muzeum-bitwy-legnickiej
Tourismus in Legnica: www.legnica.travel
Tourismus in Jawor und Geopark: www.jawor.pl/dla-turysty/geopark-kraina-wygaslych-wulkanow
Szczawno-Zdrój: www.szczawno-zdroj.pl/atrakcje
Komplex Dwor Zysko: www.dworzysko.pl/de
Touristische Organisation Niederschlesien: www.dolnyslask.travel
Polnisches Fremdenverkehrsamt: www.polen.travel/de
Fotos: Ellen Spielmann, Dwor Zysko

