Gelegentlich kommt es dabei zum sogenannten Fallout – der plötzlichen Ankunft großer Vogelmengen, wenn Wetterbedingungen Tausende von Tieren gleichzeitig zur Landung zwingen. Die Region Naples, Marco Island und die Everglades zählt zu den artenreichsten Spots entlang des gesamten Korridors. An der Küste dominieren Wasservögel wie Pelikane, Fischadler, Löffler und Reiher in großer Zahl. Im Inland, in den Sanctuaries und Schutzgebieten, leben Waldvogelarten, die an der Küste nicht vorkommen. Im Frühjahr kommt eine dritte Gruppe dazu: Zugvögel, die auf dem Weg nach Norden Rast machen und die Artenvielfalt nochmals deutlich erhöhen. Die Region gilt damit als eine der bedeutendsten Stationen entlang des Great Florida Birding and Wildlife Trail, dem staatlich ausgewiesenen Netzwerk der besten Vogelbeobachtungsstandorte Floridas.
Im Urwald der Sumpfzypressen
Das Audubon Corkscrew Swamp Sanctuary, rund 40 Minuten nordöstlich von Naples, schützt den letzten verbliebenen Urwald aus alten Sumpfzypressen Nordamerikas. Ein 3,6 Kilometer langer Holzsteg führt durch Kiefernwälder, Nasswiesen und Sumpflandschaft. Ganzjährig sind hier Watvögel und Spechte zu Hause. Im Frühling gesellen sich bunte Singvögel hinzu. Das Sanctuary gilt außerdem als eines der wichtigsten Brutgebiete des gefährdeten Holzstorchs in den USA. Bis Mitte April finden dort geführte Early Birding Tours statt, dreistündige Morgenexkursionen mit ortskundigen Naturalisten, buchbar über das Sanctuary. Wer ohne Fernglas anreist: Am Blair Audubon Visitor Center ist eines leihweise erhältlich.
Weite Wildnis im Big Cypress
Wer mehr Raum sucht, findet ihn im Big Cypress National Preserve. Das erste Nationalreservat der USA umfasst 295.000 Hektar Feuchtgebiete mit fünf verschiedenen Lebensraumtypen und 267 dokumentierten Vogelarten. Die Dichte ist niedriger als an bekannteren Birding-Spots, was jede Sichtung zu einer echten Entdeckung macht. Über den offenen Wasserflächen kreisen Greifvögel und Milane, darunter der Gabelschwanzweih mit seiner markanten schwarz-weißen Zeichnung. An den Ufern waten Reiher, Ibisse und der Rosalöffler durch das flache Wasser. Geführte Swamp Walks mit Rangern führen abseits der Wege direkt in diese Lebensräume.
Von der Küste in die Mangroven
An der Küste ändert sich das Bild. Das Rookery Bay National Estuarine Research Reserve bei Naples – 44.500 Hektar Mangroven und Salzwiesen – beherbergt über 150 Vogelarten: Greifvögel wie den Weißkopfseeadler, Watvögel in großer Zahl und verschiedene Reiherarten. Geführte Kajak-Touren führen direkt in die Brutgebiete. Weiter südlich, im weitläufigen Ten Thousand Islands National Wildlife Refuge, ziehen abends Hunderte Meeresvögel und Pelikane zu ihren Schlafplätzen.
Auf Marco Island liegt der Tigertail Beach, wo Küstenvögel die Gezeitentümpel bevölkern und die Sandbänke Brutplatz für bedrohte Arten bieten. Wer die Region systematisch erkunden möchte, findet mit Tour The Glades einen spezialisierten Anbieter für geführte Birding-Touren.
In den Monaten Mai und Juni zeigt sich die Region nochmal von einer anderen Seite, wenn intensiver Balzgesang durch die Sümpfe und Zypressenwälder hallt.
Foto: Courtesy of Naples, Marco Island, Everglades CVB

