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Wo Perus kulturelles Erbe weiterlebt

Perus jahrtausendealte Kulturgeschichte begegnet Reisenden nicht nur in archäologischen Stätten und Museen. Von den Hochanden über die Nordküste bis ins Amazonasgebiet bewahren lokale Gemeinden Sprache, Handwerk, Wissen und Bräuche. Gemeindebasierter Tourismus ermöglicht nicht nur persönliche Begegnungen mit diesen Traditionen, sondern trägt auch dazu bei, dass die Wertschöpfung bei den Menschen vor Ort bleibt.

Auf Taquile im Titicacasee in der Region Puno ist das Stricken Männersache: Schon Jungen lernen, die charakteristischen Mützen, Chullos genannt, anzufertigen, während die Frauen am Webstuhl arbeiten. Farben, Muster und Kleidungsstücke erzählen von Identität, Gemeinschaft und Lebensphasen. Die Textilkunst der Insel reicht bis in präkolumbische Zeiten zurück und wurde von der UNESCO als Immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt. Reisende können die Techniken kennenlernen, am Dorfleben teilnehmen und bei Familien übernachten – und so einer Kultur begegnen, die ihr Wissen von Generation zu Generation weitergibt.

Auch rund 700 Kilometer weiter nördlich, im Heiligen Tal der Inka in der Region Cusco, erzählen kräftige Farben, kunstvolle Muster und aufwendig gewebte Stoffe von der Geschichte und Identität der Gemeinde Huilloc. Quechua, traditionelle Kleidung und Landwirtschaft gehören hier bis heute zum Alltag. Besucher erleben, wie Wolle verarbeitet, mit natürlichen Farben gefärbt und zu Textilien verwoben wird. Wer bei einer Familie übernachtet, findet schnell in den Rhythmus des Dorflebens und gewinnt durch bis heute lebendige Traditionen eine andere Perspektive auf das Heilige Tal jenseits seiner berühmten Inka-Stätten.

An der Nordküste Perus wird jahrtausendealtes Wissen nicht nur an Land, sondern auch auf dem Meer weitergegeben. Am Strand von Huanchaco in  der Region La Libertad reiten Fischer noch heute auf ihren Caballitos de Totora, zu Deutsch „Schilfpferdchen“ – schmalen, aus Totora-Schilf gefertigten Booten, deren Ursprünge bis in die präkolumbische Zeit zurückreichen. Schon die Moche nutzten ähnliche Wasserfahrzeuge zum Fischfang, wie Darstellungen auf Keramiken und Reliefs zeigen. Bis heute werden die Boote von Hand gefertigt: Mit überlieferten Techniken wird das Schilf verarbeitet und gebunden, bevor die Fischer damit auf den Pazifik hinausfahren. Besucher können ihnen bei der Arbeit zusehen und sogar selbst einen Ritt auf den Wellen wagen.

In der Region Amazonas wird kulturelles Erbe mit den Händen geformt. In La Cusana in Huancas, unweit von Chachapoyas, bewahren Frauen eine traditionelle Keramikkunst, deren Wissen von Generation zu Generation weitergegeben wird.

In Handarbeit entstehen Tongefäße und andere Stücke, die ohne Töpferscheibe geformt und mit überlieferten Techniken verziert werden. Die Keramik ist eng mit der kulturellen Identität von Huancas verbunden und zeigt, wie handwerkliches Wissen bis heute im Alltag weiterlebt. Besucher können den Kunsthandwerkerinnen bei der Arbeit über die Schulter schauen, die einzelnen Schritte der Herstellung kennenlernen und selbst ausprobieren, wie aus einem Stück Ton ein traditionelles Gefäß entsteht.

Im peruanischen Amazonas-Regenwald wird praktisches Wissen seit Generationen weitergegeben. Welche Pflanze heilt, welches Holz sich wofür eignet und welche Tiere ihre Spuren auf dem Waldboden hinterlassen, gehört für die Ese’Eja in der Region Madre de Dios zu einem über Generationen gewachsenen Wissen über den Regenwald. Für sie ist er Lebensraum, Nahrungsquelle und kultureller Bezugspunkt zugleich. In Gemeinden wie Infierno und Palma Real erhalten Besucher Einblicke in diese besondere Beziehung zwischen Mensch und Wald. Pflanzenwissen, Handwerk und Geschichten eröffnen eine Perspektive auf den Amazonas, die weit über die Beobachtung exotischer Tiere hinausgeht.

Foto: Daniel Silva / PROMPERÚ

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