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Vinhos Verdes – unterschätzte Weinjuwelen

Mit den Jahren gewinnen sie an Tiefe, Komplexität und Persönlichkeit. „Es gibt richtig eindrucksvolle, inspirierende Vinhos Verdes – wahre Geheimtipps“, sagt die renommierte Sommelière Nancy Großmann. Die Vielfalt ist beeindruckend: Für die kontrollierte Herkunftsbezeichnung Vinho Verde DOC sind 45 Rebsorten zugelassen, für die geografische Angabe Minho sogar 67. Rund 380 Winzer bewirtschaften etwa 17.000 Hektar Rebfläche.

Gereifte Vinhos Verdes

Ein 2017 Provam Alvarinho Portal do Fidalgo zeigt sich typisch und doch besonders: elegant, komplex, mit frischer Mineralität, die seine Herkunft unverkennbar macht. Im Glas leuchtet er zitronengelb, duftet floral, fruchtig und zitrusfrisch. Am Gaumen vollmundig, mineralisch, mit langem, charmantem Abgang – ein körperreicher, stilvoller Wein.

Alles andere als gewöhnlich ist ein Sem Igual Vinho Verde DOC 2016: Aus den Rebsorten Arinto und Azal, gewachsen auf Granitböden in einem der kältesten Jahrgänge, zeigt er sich frisch, zitrisch, mit feiner Mandelnote. Trocken, kraftvoll und elegant, entwickelt er mit der Zeit noch mehr Balance und Tiefe, ein Vinho Verde mit Reifepotenzial, von dem es nur 6600 Flaschen gibt.

Sommelière Nancy Großmann. Foto: Carola Faber
Sommelière Nancy Großmann. Foto: Carola Faber

Die Quinta de Sanjoanne Escolha 2014 der traditionsreichen Casa de Cello vereint vier Generationen Weinbau mit moderner Präzision. Auf 14 Hektar nachhaltig bewirtschafteter Rebfläche im Herzen von Entre-Douro-e-Minho entstehen elegante Weißweine. Der Escolha 2014 duftet zitrusfrisch, zeigt mineralische Finesse, lebendige Säure und ein langes, klares Finale. Auch hier gilt: Je länger die Reifezeit, umso komplexer entwickelt sich der Wein.

Aphros Wines, gegründet 2004 von Vasco Croft, gehört im Naturweinbereich zu den Pionieren Portugals. Der Aphros Melissae 2021 von granitreichen Böden nahe dem Atlantik steht für Charakter und Herkunft: biodynamisch und natürlich. Der reinsortige Loureiro zeigt sich frisch, floral und komplex – ein moderner Wein mit Wurzeln uralter Tradition, kultiviert mit Respekt für Natur und Kultur.

Unter den Ruinen eines alten Klosters reift auf granitreichem Boden der Parcela do Roseiral 2019 der Quinta da Avelada – ein außergewöhnlicher Loureiro mit Charakter. Westlage, Höhenlage und sorgfältige Handlese prägen diesen Wein mit floralen Noten, Passionsfrucht, Zitrus und feiner Mineralität. Elegant, samtig und zugleich konzentriert – ein stiller Schatz aus dem Vinho Verde, von dem es nur eine kleine Auflage mit 2.350 Flaschen gibt.

Nuancenreich und elegant

Ein Colinas do Avesso 2016 – Private Collection von Quinta da Lixa ist ein besonderer  Ausdruck der Rebsorte Avesso. Aus besten Lagen selektioniert, zeigt er sich gereift und nuancenreich: gelbfruchtige Aromen, feine Würze und eine elegante Struktur. Am Gaumen gibt er sich harmonisch, mit lebendiger Säure und langem Nachhall – ein gereifter Weißwein mit Charakter und Klasse.

Rebstock im Nordwesten Portugals. Foto: Carola Faber
Rebstock im Nordwesten Portugals. Foto: Carola Faber

Der Vale do Ares Alvarinho em Borras Finas 2021 ist ein Alvarinho mit Tiefe und Reife. Sechs Monate auf der Feinhefe mit Battonage und weitere 18 Monate Flaschenreife verleihen ihm Komplexität. In zartem Citringelb duftet er nach Honig und Trockenfrüchten, am Gaumen zeigt er Fülle, feine Struktur und elegante Säure – ein Weißwein mit Charakter und langem Nachhall.

Von einer einzigen Parzelle stammt der Parcela Única Alvarinho 2017 von Anselmo Mendes. Er ist ein Paradebeispiel für die Rebsorte Alvarinho in ihrer reinsten Form. Florale Noten, Zitrus, zarte Mineralität und ein Hauch von Haselnuss, Zimt und Vanille entfalten sich in dem Wein, von dem es nur 7000 Flaschen gibt. Ausgebaut in französischer Eiche gibt er sich am Gaumen frisch und vielschichtig mit feiner Rauchnote sowie einem eleganten, langen Finale.

Der Casa do Capitão-mor Alvarinho Reserva 2019 stammt von granitreichen Böden nahe dem Rio Minho, aus der geschichtsträchtigen Quinta de Pacos. Der integrierte Anbau, die Handlese und eine sanfte Maischestandzeit formen einen Wein mit Tiefe: reife Zitrusfrucht, Honig, Vanille und feine Hefenoten. Am Gaumen ist er cremig, voll und elegant – ein Alvarinho mit Herkunft und Geschichte.


Fotos: Carola Faber

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