Die Zeit scheint ein wenig stillzustehen in Mirmande in der Region Drôme. Mittlerweile zählt der kleine Ort zu den „Plus Beaux Villages de France“ – und warum dies so ist, erschließt sich den Besuchern schnell. Auf einem Hügel über dem Rhônetal liegend, belegt schon die jahrhundertelange Geschichte welch besonderer Ort sich hier im Hügelland der Region entwickelt hat. Bis in das 12. Jahrhundert lassen sich die ersten Befestigungen und Mauern Mirmandes zurückdatieren.
Künstler André Lhote
Eine Renaissance erlebte der Ort im 20. Jahrhundert, als der Künstler André Lhote sich in den kleinen Ort verliebte und dort, zumindest temporär, sesshaft wurde. Der 1885 in Bordeux geborene kubistische Maler und Kunsttheoretiker, der stark von Paul Gaugin inspiriert war, starb zwar 1962 in Paris, hinterließ aber durch die Schaffung seines Sommerateliers in Mirmande bleibende Spuren. Diverse Künstler und Handwerker lockte Lhote an, und noch heute ist Mirmande geprägt von verschiedenen kleinen Handwerksbetrieben, Werkstätten und Ateliers.
Über allem thront die Kirche Église Sainte-Foy de Mirmande, einst als Prioralkirche erbaut und heute Heimat der einen oder anderen Ausstellung lokaler Künstler. Ein Unikum dürfte es sein, dass in solch mittelalterlicher Umgebung atmosphärisch schön inszeniert Kunst präsentiert werden kann. Es ist imposant, wie Statuen in der Mitte des Raumes oder auch ausgeleuchtete Bilder an Mauern dieser alten Kirche dem Besucher präsentiert werden. Die Ausstellungen sind nicht extrem umfangreich, bei einem Besuch des Ortes aber sicher eine Pflichtveranstaltung.
Château d’Aubenas
Die nicht weit entfernte Stadt Aubenas (Ardèche) präsentiert sich anders als Mirmande modern, birgt allerdings auch hinter alten Mauern erlebbare Kunst. Das mittelalterliche Château d’Aubenas unterlag wie die meisten Schlösser aus dem Mittelalter einem steten Wandel. Das im 14. Jahrhundert erbaute Château d’Aubenas überdauerte den Besitz vieler Adelsfamilien, ehe es zunächst als Rathaus und seit 2024 nach langer Renovierung als Centre d’Art Contemporain et du Patrimoine d’Aubenas genutzt wird. Auf gut 2000 Quadratmetern werden den Besuchern hier Ausstellungen und kulturelle Programme angeboten.Schlucht der Ardèche und Felsenbogen Pont d’Arc
Wen es von Aubenas südlich zieht, passiert sicher die Schlucht der Ardèche und den berühmten Felsenbogen Pont d’Arc. Ein wahrhafter Publikumsmagnet ist diese Naturgewalt, die Wassersportler, Badegäste und Wanderer gleichermaßen anlockt. Hier zu verweilen und die Blicke über die Schluchten und hindurch des Felsenbogens schweifen zu lassen ist ein wahres Eintauchen in die Schönheit der Region.
Weingut Villa Walbaum
Ebenfalls zur Region gehört natürlich unumstößlich das eine oder andere Weingut. Eine der Familiendomänen findet sich unweit des Pont d’Arc. Das Landgut der Villa Walbaum erstreckt sich über gut 70 Hektar und ist neben Weingut auch ein liebevoll renoviertes Hotel. Wer sich im Rahmen eines Tastings von den Weinen überzeugen will, stößt unweigerlich auf die klassischen Rebsorten der Region. Neben Syrah und Grenache, sind es vor allem auch die „kleineren“ Rebsorten wie Viognier und Cinsault die auf den mineralreichen Böden angebaut werden.
Maison de la Lavande
Das Maison de la Lavande in Saint-Remèze gehört in der Region sicher zu den geruchsintensivsten Spots die man ansteuern kann. Hier dreht sich alles um die Geschichte und Herstellung der verschiedensten Produkte der Lavendelpflanze. Genau genommen handelt es sich weniger um Lavendel, als vielmehr um eine Kreuzung der Levandula angustifolia (feiner oder echter Lavendel) und Lavandula latifolia (Speiklavendel oder Aspik). Wie schon oben bei den Weinen der Villa Walbaum erwähnt, ist auch der kalkhaltige Boden optimaler Nährgrund für das Wachstum der Pflanze.
Diesen Ort im Zeitraum der Blüte zu besuchen, etwa von Mitte Juni bis Mitte Juli, ist ein Geruchserlebnis sondergleichen. Der Ertrag pro Hektar variiert zwischen 80 und 120 Kilogramm ätherischen Öls und wird gerne zur Aromatherapie oder auch als Seife oder Waschmittel eingesetzt. Der Anbau erfolgt in Frankreich hauptsächlich in den Departements Drôme, Vaucluse und Alpes de Haute-Provence. Bis zu 150 Bestandteile enthalten diese natürlichen ätherischen Lavendelöle.
Dabei ist Lavendel ein bereits seit dem Mittelalter geerntetes Produkt, welches derzeit zunächst für die Hausapotheke genutzt wurde. Dies war auch die Zeit, als aus der Ableitung des latinischen Verbs lavaraer (dt.: waschen) das Wort „Lavendel“ entstand. Und tatsächlich ist Lavendel bereits bei den Römern zur Parfümierung ihrer Bäder und zur Pflege der Wäsche genutzt worden; sogar die Ägypter nutzten Lavendel zur Einbalsamierung ihrer Toten.
Als im 18. Jahrhundert Wasser als krankheitserregend galt, Menschen sich folglich weniger wuschen, wurde der Geruch durch Lavendelwasser überdeckt. Und zu Zeiten der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden während der Pestepidemie in der Provence große Mengen an aromatischen Kräutern wie Thymian oder eben auch Lavendel verbrannt. Auch in pharmazeutischen Präparaten wie Desinfektionsmittel oder Pflaster wurde Lavendel später eingesetzt.
Nougat de Montélimar
Direkt an der N7 am Rande des Ortes Montélimar liegt die Produktionsstätte eines weiteren für die Region typischen Produkts. Der Nougathersteller Arnaud Soubeyran hat hier eine der ältesten noch aktiven Nougat-Manufakturen: Seit 1837 produziert Arnaud Soubeyran das süße Nougat aus Kupferkesseln, hergestellt mit traditionellen Methoden und Zutaten aus der Region. Tatsächlich ist Nougat hier ein Kulturgut, ist Beleg für die regionale Identität. Hier das eine oder andere Stück Nougat zu naschen, ist bei einem Besuch unabwendbar…
Informationen:
Villa Walbaum: www.domainewalbaum.com
Arnaud Soubeyran: www.nougatsoubeyran.com
Château d’Aubenas: www.aubenas-vals.com
Maison de la Lavande: www.lamaisondelalavande.com
Tourismus Ardèche: www.ardeche-guide.com
Tourismus Drôme: www.drome-tourismus.com
Fotos: Michael Schabacker, pixabay











