Der aktive Vulkan Ätna ist kein romantischer Hintergrund, sondern prägende Kraft: Er formt Landschaft, Klima und Böden – und damit auch den Charakter der Weine. Wer hier arbeitet, begegnet einem Weinbau, der sich über Jahrtausende behauptet hat und dennoch alles andere als museal wirkt.
Alberello-Erziehung
Die Weinberge schmiegen sich an steile Hänge, oft nur durch schmale Terrassen nutzbar, die von Trockenmauern aus schwarzem Lavagestein gestützt werden. Diese archaische Architektur ist kein ästhetisches Relikt, sondern funktionale Notwendigkeit. Ebenso die traditionelle Alberello-Erziehung: niedrig gehaltene Rebstöcke, die Wind und Sonne optimal ausbalancieren und den Reben helfen, unter anspruchsvollen Bedingungen zu überleben.
Was den Ätna besonders macht, ist seine Vielfalt auf engstem Raum. Höhenunterschiede, unterschiedliche Expositionen und die Nähe oder Distanz zum Meer schaffen ein komplexes Geflecht aus Mikroklimata. Während die Nordhänge vergleichsweise trocken und lichtreich sind, bringen die östlichen Lagen kühlere Luft, häufigere Niederschläge und eine langsamere Reife. Diese Unterschiede prägen jede Parzelle – und machen den Ätna zu einem Terroir mit außergewöhnlicher Differenzierung.
Mineralisch geprägt
Hinzu kommen Böden, die von den Eruptionen des Vulkans erzählen. Jede Lavaflut hinterlässt eine eigene geologische Handschrift: mal feiner Sand, mal grobes Gestein, wechselnde Anteile von Eisen, Kalk und Mineralien. Diese permanente Unruhe im Untergrund verleiht den Weinen Spannung, Tiefe und eine unverwechselbare mineralische Prägung.
In diesem Umfeld wurzelt auch Generazione Alessandro. Die Cousins und ihre Cousine haben hier ihre Vision verwirklicht, getragen von der Erfahrung aus dem Familienweingut Alessandro di Camporeale bei Palermo. Ihr Projekt am Ätna ist keine Abkehr von der Herkunft, sondern eine bewusste Erweiterung: der Versuch, die Sprache dieses besonderen Ortes in eigenständige Weine zu übersetzen. Unterschiedliche Lagen, sorgfältige Handlese und Respekt vor der Natur stehen dabei im Mittelpunkt.
Die historische Kellerei auf der nordöstlichen Flanke des Vulkans ist Ausdruck dieser Haltung. Hier treffen alte Mauern auf zeitgemäße Präzision, Vergangenheit auf Gegenwart. Der Ätna liefert den Rahmen – Generazione Alessandro gibt ihm eine neue Stimme.
Die Stimme des Vulkans
Der Trainer 2023 – Etna Bianco DOC ist ein Weißwein, der den Ätna nicht erklärt, sondern spürbar macht. Carricante von der nordöstlichen Flanke des Vulkans liefert Frische, Spannung und diese klare, salzige Linie, die an Höhenluft erinnert. In der Nase treffen gelbe Früchte auf Kräuter wie Thymian und Salbei, begleitet von einem feinen, steinigen Ton. Am Gaumen saftig und präzise, mit lebendiger Säure und einem langen, zitrusbetonten Nachhall. Ein Wein, der Leichtigkeit mit Herkunft verbindet.
Der Vignazza 2023 – Etna Rosato DOC ist der Beweis, wie präzise und vielschichtig Rosé vom Ätna sein kann. Nerello Mascalese aus über 600 Metern Höhe verbindet zarte Farbe mit klarer Struktur. In der Nase rote Beeren, Blutorange und mediterrane Kräuter, dazu ein Hauch von gerösteter Haselnuss. Am Gaumen frisch, mineralisch und trocken, mit saftigem Kern und feinem Grip. Ein Rosato mit Tiefe.
Vielschichtiges Aromenspiel
Im Croceferro 2023 – Etna Rosso DOC präsentiert sich Nerello Mascalese von seiner feinsinnigen, beinahe schwerelosen Seite. Das helle Rubinrot lässt die innere Tiefe nur erahnen: Zarte florale Nuancen, rote Beeren und eine kühle, mineralische Klarheit bestimmen das Duftbild. Am Gaumen verbinden sich Spannung und Finesse, getragen von seidigem Tannin und einer präzisen, salinen Frische. Ein Etna Rosso von leiser Autorität – subtil, charaktervoll und nachhaltig beeindruckend.
Aus alten Reben und kargen Vulkanböden entsteht ein Wein mit Haltung und Geschichte. Der Sciaramanica Vigna Vecchia 2022 – Etna Rosso DOC vereint Nerello Mascalese mit kleinen Anteilen traditioneller Sorten und bringt ein vielschichtiges Aromenspiel ins Glas: dunkle Beeren, florale Noten, Harz und Gewürze. Am Gaumen kraftvoll, aber präzise, mit markantem, reifem Tannin und salzig-würzigem Finale. Ein Etna Rosso mit Tiefe, Ernsthaftigkeit und langem Nachklang.
Fotos: Carola Faber

