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Meeresschutzgebiet um Sao Tomé und Príncipe geplant

Wenn morgens die ersten Sonnenstrahlen über den Atlantik gleiten, regt sich ab Februar Leben im Sand von Príncipe. Etwa 50 bis 70 Tage, nachdem weibliche Meeresschildkröten an den Strand kamen, um ihre Eier abzulegen, durchstößt während der kühleren Abend- und frühen Morgenstunden ihr Nachwuchs die Sandschicht und bricht instinktiv auf Richtung Wasser. Es ist der Beginn der Schlüpfsaison – und einer der bewegendsten Momente im Naturkalender der Insel.

Für ein gesundes, marines Ökosystem

Durch vulkanische Kräfte geformt und vom tropischen Klima geprägt, bieten São Tomé und Príncipe eine einmalige Vielfalt an Pflanzen und Tieren und gehören zu den artenreichsten Naturparadiesen Afrikas. Von den weltweit sieben Meeresschildkrötenarten finden sich fünf in den Gewässern des westafrikanischen Inselstaates. Drei von ihnen nisten regelmäßig an den Stränden Príncipes: die Grüne Meeresschildkröte, die elegant gemusterte Echte Karettschildkröte sowie die imposante Lederschildkröte, die größte aller Meeresschildkröten. Mit etwas Glück lassen sich zudem vereinzelte Nistversuche der Olive Ridley Schildkröte oder der Unechten Karettschildkröte beobachten. Die uralten Kreaturen sind jedoch weit mehr als nur ein faszinierender Anblick. Ihre Anwesenheit signalisiert ein gesundes Ökosystem. Durch Weide, Nahrung und Bewegung zwischen Lebensräumen helfen sie, Seegrasbänke, Korallenriffe und Strände im Gleichgewicht zu halten. 

Dass sie auf Príncipe noch immer geeignete Brutplätze finden, ist kein Zufall. Das Öko-Tourismus-Unternehmen HBD Príncipe engagiert sich gemeinsam mit Partnerorganisationen wie Fauna & Flora, Fundação Príncipe, Oikos und Marapa mit Nachdruck für den Schutz und Erhalt des ökologischen Reichtums der Insel. Seit 2015 überwachen die Fundação Príncipe und das ProTetuga-Projekt systematisch die Niststrände der Insel. Sie patrouillieren an Stränden, dokumentieren Nester, sichern gefährdete Gelege und begleiten das Schlüpfen. Die Erfolge sprechen für sich: In Spitzenjahren fanden über 150.000 Jungtiere sicher ihren Weg ins Meer.

Neue Meeresschutzgebiete

Ein weiterer entscheidender Schritt für die Zukunft dieser Meereslandschaften wurde im Juni 2025 angekündigt: Die Regierung von São Tomé und Príncipe plant die Einrichtung von acht neuen Meeresschutzgebieten (Marine Protected Areas, MPAs) – sechs rund um Príncipe und zwei bei São Tomé. Zusammen umfassen sie etwa 93 Quadratkilometer Küsten- und Meeresfläche. In streng geschützten Zonen ist Fischerei vollständig ausgeschlossen, während andere Bereiche nachhaltig von traditionellen, handwerklichen Fischern genutzt werden dürfen. Damit trägt das Land aktiv zum globalen Ziel bei, bis 2030 dreißig Prozent der Land- und Meeresflächen unter Schutz zu stellen. 

Für die nun schlüpfenden Jungtiere bedeutet das konkrete Vorteile: geschützte Küstengewässer mit geringerer Gefahr von Beifang, intakte Nahrungsgebiete für heranwachsende Tiere und weniger Störungen an sensiblen Strandabschnitten. Für die lokale Bevölkerung ist der Schutz der Meere eng mit dem täglichen Leben verbunden. Durch die Einrichtung der MPAs sollen Fischbestände wieder aufgebaut werden, was langfristig die Ernährungssicherheit stärkt und wirtschaftliche Alternativen eröffnet.

Foto: HBD Príncipe

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