Das zwischen dem Gardasee und Trient gelegene Valle dei Laghi erschließt sich entlang einer abwechslungsreichen Route, die durch eindrucksvolle Naturlandschaften, architektonische Kostbarkeiten und sanfte Weinberge führt. Wie der Name schon verrät, ist das Tal besonders bekannt für seine zahlreichen Seen. Weinliebhaber schätzen es nicht zuletzt für die autochthone Rebsorte Nosiola, aus der der exquisite Vino Santo gewonnen wird – ein süßer Wein, der am Gaumen das authentische Aroma dieses bezaubernden Landstrichs entfaltet. Darüber hinaus ist das Valle dei Laghi auch für seine vielfältigen Grappa-Sorten berühmt.
In Santa Massenza haben Generationen von Brennmeistern ihr Handwerk verfeinert und den Ort zu einer Hochburg des Trentiner Grappas gemacht. In dem kleinen Dorf lassen sich die hochprozentigen Kostbarkeiten vor allem in der traditionsreichen Distilleria Giovanni Poli in besonderer Qualität verkosten. Gianpaolo Poli führt die traditionsreiche Brennerei gemeinsam mit seinem Vater Graziano mit kompromissloser handwerklicher Präzision. Als Verfechter der diskontinuierlichen Destillation erhitzt er die Maische Charge für Charge besonders schonend – ein Verfahren, das den Destillaten ihre außergewöhnliche aromatische Intensität bewahrt.
Gianpaolo, 1989 geboren, steht für die fünfte Generation des Hauses. Seine Leidenschaft für das Erbe der Familie zeigt sich besonders im Grappa di Vino Santo, der aus den Trestern der Nosiola-Trauben entsteht, nachdem diese monatelang auf den traditionellen Arele getrocknet wurden. So werden die Holzgestelle bezeichnet, auf denen die Trauben über Wochen oder Monate trocknen, Zucker und Aromen konzentrieren und ihre charakteristische Intensität entwickeln.
Gaumenfreuden über dem Tobliner See
Ein Höhepunkt für Genießer ist der Vino Santo selbst: Über Monate von der Ora del Garda belüftet, schrumpfen die Trauben auf ein Fünftel ihres Gewichts und konzentrieren Süße und Aroma. Das Ergebnis ist ein bernsteinfarbener, jahrzehntelang lagerfähiger Süßwein mit Noten von Trockenfrüchten, Honig und Vanille. „Unser Ziel ist, die Authentizität und Einzigartigkeit des Trentino in jedem Tropfen spürbar zu machen“, sagt Gianpaolo – ein Versprechen, das jeder Schluck eindrucksvoll bestätigt.
Zum Dinner bietet das nur vier Minuten entfernte Castel Toblino Genuss für sämtliche Sinne. Das Schloss aus dem 16. Jahrhundert thront malerisch über dem Ufer des Tobliner Sees. Die kulinarische Handschrift von Küchenchef Toni Shkreli ist tief im Garda Trentino verwurzelt, wirkt aber zugleich überraschend modern. Die Bigoli al Torchio genannte lange Pasta aus dem Trentino mit Seeforellen-Sardinen, Pinienkernen und kandierter Zitrone etwa sind ein überraschend harmonisches Zusammenspiel von Süße und Frische. Der gegrillte Coregone – ein edler Süßwasserfisch aus der Familie der Felchen – mit Forellenrogen und Gemüse-„Spaghetti“ wiederum vereint das Beste aus dem See in leichtem, präzisem Stil. Abgerundet wird das Menü von saisonalen Desserts und einer sorgfältig kuratierten Weinliste.
Mittelalterliche Idylle in Canale di Tenno
Am nördlichen Ufer des Gardasees in Riva del Garda verbindet das Weingut Comai alpine Klarheit mit mediterraner Wärme. Die Reben wachsen auf kalkhaltigen Hängen mit Blick auf den glitzernden Gardasee, wo die sonnigen Tage und kühlen Nächte ein unverwechselbares Mikroklima schaffen. Die Philosophie der Familie, die ist seit vier Generationen im Trentiner Weinanbau verankert ist und den Betrieb seit 2010 nachhaltig bewirtschaftet, basiert auf Respekt vor dem Terroir, sorgfältiger Handarbeit im Weinberg und einer filigranen, präzisen Vinifikation. Das Ergebnis sind frische Weißweine mit klarer Frucht, lebendiger Säure und mineralischer Tiefe sowie elegante, gut strukturierte Rotweine. Ein Besuch bei Comai ist nicht nur eine Weinprobe, sondern ein Blick in das Herz des Garda Trentino.
Knapp zehn Kilometer nordwestlich entfernt liegt, eingerahmt von smaragdgrünen Wäldern, der türkisblaue Tennosee auf 570 Metern Meereshöhe. Mit einer Fläche von nur 0,25 Quadratkilometern ist dies ein malerischer Ort, der zum Entdecken, Staunen und Träumen einlädt. Auf dem Rückweg empfiehlt sich ein Abstecher nach Canale di Tenno. In dem mittelalterlichen Dorf, eines der schönsten seiner Art, scheint die Zeit stillzustehen. Kunsthandwerker haben den Ort für sich entdeckt, seine Häuser wiederbelebt und das kulturelle Erbe vor dem Aussterben bewahrt.
Zehn Autominuten weiter südlich, auf dem Weg nach Riva del Garda, liegt die Acetaia del Balsamico. Der Betrieb mit angeschlossenem Restaurant bietet eine Reise durch die Aromen der Region, bei der Besucher die typischen Produkte entdecken können: Olivenöl, Wein und Käse ebenso wie den berühmten Balsamico Trentino und die traditionelle Carne Salada, ein leicht gesalzenes und gewürztes Rindfleisch, das auf ein Rezept von 1767 zurückgeht. All das mit Panoramablick auf den Gardasee. Besonders: Die Acetaia del Balsamico Trentino ist der erste und einzige Betrieb in Trentino, der authentischen Balsamico Trentino herstellt.
Kulinarische Tradition im Herzen der Weinberge
Unbedingt einen Besuch wert ist die Osteria La Servite in San Giorgio die Arco, nur einen Steinwurf vom Gardasee entfernt, eingebettet in drei Hektar Weinberge. In den antiken Räumen eines Klosters, das einst den Ordensschwestern der Serve di Maria gehörte, haben Alessandro und sein ebenso liebenswertes wie aufmerksames Team eine genussvolle Oase geschaffen. Der alte Gewölbekellerraum mit seinem schlichten Holzmobiliar und dem Terracotta-Boden schafft eine gemütliche Atmosphäre.
Die Küche erzählt vom Terroir und seinen Traditionen – getragen von der Auswahl von Produkten, die im Rahmen der Slow-Food-Bewegung besonders geschützt, gefördert und gepflegt werden. Mit dem Carpaccio von Carne Salada, begleitet von einer feinen Casolet-Käsemousse und süß-sauer eingelegter Roter Bete, gelingt ein ebenso eleganter wie belebender Auftakt, der die Aromen des Trentino präzise auf den Punkt bringt.
Hervorragend auch die mit Kastanien und der traditionellen Rohwurst aus dem Trentino sowie Kürbis-Rosmarin-Béchamelsauce gefüllten Canelloni. Allessandro, der ganz nebenbei auch Sommelier ist, empfiehlt dazu mit dem Calaverna Idromele einen Honigwein aus der nahegelegenen Region, wo die lokale Flora reich an mediterranen Kräutern und Blüten ist. Eine Komposition, die so stimmig ist, dass man am liebsten für immer im Garda Trentino verweilen möchte.
Informationen:
Distilleria Giovanni Poli Santa Massenza: www.giovannipolisantamassenza.it/it/benvenuto
Castel Toblino: www.casteltoblino.com
Weingut Comai: www.comairivadelgarda.com/it
Osteria Le Servite: www.leservite.com
Fotos: Christian Euler

