Es ist ein Ort mit Charakter: das belgische Seebad Knokke-Heist. Bodenständig und naturverbunden, mondän und luxuriös. Und mit rund 20 hippen Strandbars und 22 Michelin-Sternen im Umkreis von nur 25 Kilometern hat es die ehemalige Fischersiedlung im Norden des Landes endgültig zum Hotspot für Foodies gemacht. Der Ort selbst punktet mit vier Restaurants, die fünf Michelin-Sterne tragen. Da ist das „Bartholomeus“ mit gleich zwei funkelnden Auszeichnungen und das „Boo Raan“, das „Sel Gris“ sowie das „Cuines 33“ mit je einer.
Weltweit einmalig: regionaler Gault&Millau Knokke-Heist
Auch der französische Gourmet-Führer Gault&Millau spart nicht mit Prämierungen. Es sind so viele, dass Knokke-Heist mit dem Verzeichnis „A taste of Knokke-Heist“ sogar weltweit die einzige Gemeinde ist mit einem eigenen, regionalen Gault&Millau-Guide. Das ist so besonders wie spannend. In der 2026-Ausgabe sind gleich über 200 Gourmet-Adressen erwähnt, Brasserien, Bistros, Feinkosthändler, Bäcker, Metzger. Und natürlich die Top-Restaurants und Familienlokale wie „‘t Kantientje“ und „La Sapinière oder auch einer der interessantesten Chocolatiers Belgiens …
Wenn das keine Hochburg für Feinschmecker ist! Im Verhältnis zur Einwohnerzahl hat die 33.000-Seelen-Gemeinde belgienweit die höchste Dichte an feinen Adressen mit Spitzenköchen am Herd. Weshalb manche Knokke-Heist die kulinarische Hauptstadt des Landes nennen.
Kunststadt am Meer
Meisterhaft in Szene gesetzt sind aber nicht nur die köstlichen Speisen für Kenner der gehobenen Küche von Seafood bis Wagyu. Sondern auch die Kunstwerke, die mitunter völlig überraschend auftauchen. In diesem Küstenort nämlich ist die Kunst zuhause. Mit mehr als 80 Galerien auf nur zwei Quadratkilometern toppt der Ort locker so manche Großstadt. Stylische Kunsthandlungen wie die Pareit Gallery präsentieren belgische und internationale (Meister)-Werke und ziehen damit ein hochkarätiges, vor allem finanzkräftiges Publikum an.
Doch damit längst nicht genug: Auch unter freiem Himmel sind wahre Hingucker-Objekte zu entdecken. Ein riesiger Hase, ein freches Chamäleon, winkende Krabben: Die originellen Arbeiten stehen auf Plätzen, in den Straßen, an Belgien berühmter Küstenpromenade „Zeedijk“, in den Dünen des „Zwin-Natuurparks“, gar im Meer. Kurzum: Knokke-Heist ist ein riesiger Skulpturenpark Open Air. Selbst die Wellenbrecher, die ins Wasser ragen, bieten eine Bühne für herausragende Werke. Kunst im öffentlichen Raum: In Knokke-Heist ist sie abwechslungsreich, fröhlich, augenzwinkernd. Und zum Schauen, Staunen, Innehalten.
Von René Magritte bis Pablo Picasso
Kunst hat in KH – wie alle den Ort kurz nennen – Geschichte. Denn seit rund 100 Jahren zieht es Künstler in genau diesen Teil von Westflandern. Darunter nicht wenige von Weltklasse. Im modernistischen Stil erbauten Grand Casino direkt am Meer schwang schon Josephine Baker ihre schlanken Beine in die Höhe, sang Edith Piaf mit ihrer markanten Stimme, trat Maurice Chevalier auf. Und der weltberühmte belgische Maler René Magritte verewigte sich 1953 höchstselbst auf den Wänden dieses Grand Casinos. Auch Marc Chagall, Pablo Picasso, Niki de Saint-Phalle, Joseph Beuys, Andy Warhol, … sie alle gaben sich ein Stelldichein in KH.
Surfparadies mit Keith Haring und König Philippe
Sogar im „Surfer’s Paradise“ am rund zwölf Kilometer langen Sandstrand von Knokke-Heist präsentiert der Besitzer zwischen allerlei Surf-Deko aus aller Herren Ländern Kunst. Frank Vanleenhove, einst erfolgreichster Surfer Belgiens und Kitesurflehrer von König Philippe von Belgien, deutet stolz auf eine schwarz-weiße Strichmännchen-Zeichnung von Keith Haring, original und unverkennbar. Es ist ein Logo, das der bekannte Pop-Art-Künstler für das Surfer-Paradies entworfen hat. Speziell für „Frank“, wie in seiner persönlichen Widmung schreibt. Das Bild hat, klar, einen Ehrenplatz in dem Beachhouse.
Skulpturen aus zartem Schmelz
Kunst also überall. Das prägt. Und inspiriert. Auch Knokke-Heists Schoko-Mann Oliver Van Nueten. Der belgische Meister-Chocolatier, Jahrgang 1998, schafft Kunstwerke der ganz eigenen Art: aus zartem Schmelz! Er ist so etwas wie ein Schokoladen-Bildhauer, der anlässlich der Inthronisierung von König Charles III. schon mal dessen Krone filigran ganz auf die süße Tour nachformt. Mal ist es aber auch ein Rennrad zum Vernaschen oder eine imposante, mannshohe Rüstung! „Schokolade ist ein sehr gutes Material für Skulpturen“, betont Oliver Van Nueten. Wie bringt er das Ganze in Form? “Ich verwende schon mal den ausrangierten Schraubenzieher meines Opas zum Modellieren“, verrät er lachend. Auch Auftragsarbeiten fertigt der Mann an.
Chocolatier für einen Nachmittag
Dazu bietet er in seinem Atelier Schokoladen-Workshops an. Verführerischer Duft liegt in der Luft des kleinen Ladengeschäfts, in dem er zwei bis drei Stunden lang in die Welt der Schokoladen-Herstellung entführt. Er taucht ein in die vielschichtige Welt des Kakaobohnen-Anbaus. Erzählt von Plantagen auf den Philippinen, in Vietnam, Belize, der Elfenbeinküste, in Ghana, Ecuador, Indonesien, Papa-Neuguinea und kombiniert das Ganze gekonnt mit einem Schokoladen-Tasting aus den verschiedensten Regionen der Welt.
Die Schokolade & das Terroir
Denn: „Schokolade hat wie der Wein je nach Terroir und Klima einen ganz unterschiedlichen Geschmack“, erzählt er. Bevor die Teilnehmenden schließlich selbst zu Werke gehen. Erst fließt cremige Milch- und Zartbitterschokolade in Schablonen, dann verziert jeder seine Tafeln dekorativ mit Nüssen, Smarties, Krokant & Co. Am Ende werden sie edel in Zellophanpapier verpackt – zum genussvollen Wegknabbern zu Hause. Edel. Als Erinnerung daran, einmal selbst Chocolatier gewesen zu sein – wenigstens einen wundervollen Nachmittag lang …
Kunstgenuss und Outdoorlust
Auch in der kühleren Jahreszeit ist Knokke-Heist übrigens eine interessante Destination: Denn was ist schöner, als nach einem ausgiebigen Spaziergang an der Nordseeküste oder durch den „Zwin-Natuurpark“ mit seinen rund 250 Vogelarten in einem der hervorragenden Restaurants zu speisen, sich so richtig verwöhnen zu lassen, um sich schließlich in einem der schönen Hotels wie das urige Huyshoeve, das früher eine Farm war, entspannt in die Federn sinken zu lassen?
Informationen:
Hotel Huyshoeve: www.huyshoeve.com
Schokoladen-Workshops: www.vannueten-chocolates.com
Galerie Pareit: www.pareit.gallery
Surfers Paradise: www.surfersparadise.be
Restaurant Woyo Eatery: www.woyo.be
Restaurant ‘t Kantientje: www.kantientje.be
Restaurant La Sapinière: www.lasapiniere.be
Tourismusverband Knokke-Heist: www.myknokke-heist.com
Fotos: Kirsten Lehmkuhl, Tourismusverband Knokke-Heist, Wim Van Eesbeek











